Experteninterview zur Analytica 2026

Wie Mikroplastik heute nachgewiesen wird

Prof. Dr. Stephan Wagner, Professor für Umweltanalytik an der Hochschule Fresenius in Idstein, leitet eine Analytica Conference Session zur Kunststoffanalytik

Bild: Hochschule Fresenius
20.01.2026

Mikroplastik findet sich mittlerweile überall, aber der Nachweis der winzigen Kunststoffteilchen ist immer noch eine Herausforderung. Auf der Analytica, die vom 24. bis 27. März 2026 ihre Tore in München öffnet, suchen Wissenschaftler, Gerätehersteller und Anwender gemeinsam nach Lösungen. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Wagner, Professor für Umweltanalytik an der Hochschule Fresenius in Idstein und Leiter einer Analytica Conference Session zur Kunststoffanalytik.

Herr Professor Wagner, wie ausgereift ist die Analytik von Mikroplastik?

Prof. Dr. Stephan Wagner

Mit den entsprechenden Referenzmaterialien funktioniert das in Trinkwasser ganz gut, wobei geringe Konzentrationen durchaus eine Herausforderung sind. Im Abwasser ist es schon schwieriger, weil dort alle mögliche Partikel enthalten sind, nicht nur Plastik. Für Boden- und Luftproben ist es noch komplizierter. Im Boden sind die Konzentrationen meist geringer, in der Luft wiederum sind die Partikel extrem klein. Luftmessungen sind aber wichtig, gerade wenn man an Reifenabrieb denkt. Die Partikel können so klein sein, dass sie möglicherweise lungengängig sind.

Welche Methoden kommen beim Nachweis von Mikroplastik zum Einsatz?

Wagner

Die Partikelzahl und zugleich die Form, Größe und chemische Zusammensetzung – lässt sich gut mittels optischer Mikroskopie in Kombination mit der FTIR- oder der Raman-Spektroskopie bestimmen. Man nennt das dann FTIR- beziehungsweise Raman-Mikroskopie. Solche komplementären Verfahren, zu denen auch die Kombination aus Elektronenmikroskopie und Röntgenspektroskopie gehört, setzen sich zunehmend durch. Daneben gibt es noch die massenbafsierten Methoden. Der Goldstandard ist hier die Pyrolyse-GC-MS. Die Probe wird bei hohen Temperaturen pyrolysiert, die gasförmigen Pyrolyseprodukte werden per Gaschromatographie getrennt und mit der Massenspektrometrie identifiziert. Je nach Matrix gibt es aber Interferenzen. Das ist ein häufiges Problem bei den massenbasierten Verfahren. Und bei kleinen Partikeln, selbst wenn es viele sind, kann die Masse so gering sein, dass der Detektor nicht anschlägt.

Wird Ihre Analytica Conference Session die verschiedenen Methoden beleuchten?

Wagner

Ja, aber in der Session wollen wir nicht nur über Mikroplastik in Umweltproben reden. Bevor das Material in die Natur gelangt, ist es vielleicht eine Käseverpackung oder eine Getränkeflasche. Es geht also auch um Produktqualität und darum, wie sich Mikroplastik in verpackten oder generell in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln kontrollieren und reduzieren lässt.

Was erhoffen Sie sich von der Analytica?

Wagner

Für mich ist die Analytica die Leitmesse schlechthin, weil hier Leute aus Wissenschaft, Geräteindustrie und Anwendung zusammenkommen. In den Sessions der Analytica Conference diskutieren wir gewisse Themen und dann gehen wir rüber in die Messehallen, wo wir die entsprechenden Analysensysteme und Application Notes sehen. Manchmal beteiligen sich Gerätehersteller auch an der Diskussion in den Sessions. Diese Anwendungsnähe und der Austausch sind wichtig. Es hilft uns im Forschungslabor enorm, wenn ein Hersteller eine neue Methode oder ein neues Gerät vorstellt, das unsere Probleme zu lösen vermag.

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  • Auf der Analytica werden Neuheiten im Bereich der Mikroskopie gezeigt.

    Auf der Analytica werden Neuheiten im Bereich der Mikroskopie gezeigt.

    Bild: Messe München

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