OEE-Transparenz macht Verluste sichtbar und Verfügbarkeit planbar

Blaupause für die datengetriebene Produktion

Die Gesamtanlageneffektivität (OEE) in der Pharmabranche beträgt etwa 35 Prozent – deutlich weniger als in der Automobilindustrie oder im Bereich Chemie. Der Hauptgrund dafür ist das ausbaufähige Maschinenmanagement. Eine Folge: Mehr als 60 Prozent der Arzneimittelengpässe heute sind auf Produktions- und Qualitätsprobleme zurückzuführen. Doch das Potenzial durch mehr IT/OT-Integration ist riesig: Bei einer Steigerung der OEE auf 60 Prozent könnten theoretisch 30 Prozent aller existierenden Produktionsstandorte den Weltbedarf an Pharmaprodukten decken.

Bild: publish-industry, Gemini
12.03.2026

Steigende Anforderungen an Effizienz, Qualität und Produktionssicherheit bewegen die Pharmaindustrie zum Handeln. Octapharma setzt am Pilotstandort Stockholm auf datenoptimierte Produktion: Mit Senseye Predictive Maintenance und der Performance Insight App überwacht das Unternehmen die Gesamtanlageneffektivität (OEE) und steigert so die Anlagenverfügbarkeit. Grundlage ist die Edge-Computing-Plattform Industrial Edge – als Blaupause für weitere Standorte.

Octapharma ist ein globales Pharmaunternehmen mit Sitz in Lachen, Schweiz. Das familiengeführte Unternehmen mit mehr als 11.000 Mitarbeitenden ist auf die Herstellung von Medikamenten auf Basis von Humanproteinen spezialisiert und konzentriert sich auf drei therapeutische Bereiche: Hämophilie, Immunologie und Intensivmedizin. Octapharma entwickelt seine Produkte in eigenen Forschungseinrichtungen und fertigt diese in Produktionsstätten in Europa und Nordamerika. Die Arzneimittel des Unternehmens helfen jedes Jahr hunderttausenden Menschen in rund 120 Ländern und erfüllen hohe regulatorische Anforderungen an Qualität und Transparenz.

Weg zur datengetriebenen Produktion

In diesem dynamischen Marktumfeld setzt Octapharma seit 2025 auf mehr datenbasierte Produktion. Beispielsweise überwacht das Unternehmen die Gesamtanlageneffektivität (OEE) mit dem Ziel, die Gesamtverfügbarkeit der Anlagen kontinuierlich zu steigern. Anspruchsvolle Vorhaben, die sich nur mit einem umfassenden IT/OT-Ansatz verwirklichen lassen. „Der erste Schritt für uns war, die Datentransparenz in der Produktion zu verbessern. Denn um die Effizienz unserer Fertigungslinien dauerhaft zu optimieren, brauchen wir präzise Informationen. Deshalb haben wir uns an Siemens gewandt“, sagt Johan Lindgren, Group Vice President Technical bei Octapharma. Zur Lösung dieser Aufgabe haben beide Unternehmen eine umfassende IT/OT-Integration als Pilotprojekt initiiert. Nach dem Proof of Concept (PoC) im Jahr 2024 erfolgte die Implementierung am Octapharma Produktionsstandort in Stockholm (Schweden) im Frühjahr 2025. Weitere Implementierungen an den Standorten Springe (Deutschland) und Lingolsheim (Frankreich) sind bereits gestartet und sollen 2026 vollendet werden.

Transparenz und mehr Effizienz

Die Basis der datengestützten Optimierung ist Industrial Edge von Siemens. Die Edge-Computing-Plattform mit offenem Ökosystem ermöglicht es dem Unternehmen, seine Maschinendaten einfach, sicher und direkt an den lokalen Anlagen zu erfassen, zu verarbeiten und von Applikationen auf Industrial Edge – wie in diesem Falle Performance Insight – zur Analyse und zum Dashboarding weiterverarbeiten zu lassen. Mit der einfach bedienbaren App lassen sich die Schlüsselkennzahlen (KPIs) der Maschinen schnell analysieren und kompakt visualisieren – beispielsweise Leistungskennzahlen, Zustände oder Anlagenparameter. „Die übersichtliche Darstellung der KPIs sorgt für eine umfassende Statusübersicht. So können wir die Fertigungsmaschinen und die gesamte Anlage besser steuern und bei Bedarf schneller reagieren“, sagt Vicdan Savas, Group Director Automation bei Octapharma. Ein wichtiger Vorteil der Performance Insight App: Mit ihr lässt sich die Datenerfassung standardisieren, ohne bestehende Prozesse zu beeinträchtigen. Das ist besonders für sensitive Branchen wie die Arzneimittelherstellung relevant, weil dort strenge Vorgaben gelten. Sofia Ångström, Process Engineer Pharmaceutical Production bei Octapharma betont: „Wir erfassen die Effizienzdaten der Fertigungsmaschinen und können die Performance baugleicher Maschinen und Linien einander gegenüberstellen.“

Ungewollte Stillstände vermeiden

Noch einen Schritt weiter ist Octapharma dann im August 2025 mit der erfolgreichen Einführung von Senseye Predictive Maintenance gegangen: Die KI-gestützte Software ist eine cloudbasierte Software-as-a-Service-Lösung (SaaS). Anwender benötigen also kein eigenes Know-how in den Bereichen Data Engineering, Künstliche Intelligenz oder Machine Learning. Ein weiteres Plus: Siemens Industrial Edge gibt die Daten reibungslos, immer sicher und im richtigen Format an Senseye Predictive Maintenance weiter. Die Software basiert auf einem kontinuierlich lernenden Modell, das die Maschinen- und Wartungsdaten automatisiert analysiert und mithilfe von generativer KI benutzerfreundlich bereitstellt. Dafür greift Senseye Predictive Maintenance über Industrial Edge auf die Daten von Maschinen und Anlagen zu und hilft Octapharma bei der vorausschauenden Instandhaltung. Dadurch kann das Pharmaunternehmen seine Wartungskosten senken, ungewollte Stillstandzeiten vermeiden und die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen steigern – bei gleichzeitig geringeren Ersatzteil- und Personalkosten. Zu den von Senseye Predictive Maintenance genutzten Informationen gehören unter anderem Vibrations-, Temperatur- und Druckwerte.

Die großen Vorteile dabei: Mit der Software kann Octapharma die maximale Kapazität der Fülllinie ausschöpfen und Instandhaltungsarbeiten einleiten, bevor Ausfälle eintreten. Das beugt Notfalleinsätzen und zusätzlichem Arbeitsaufwand vor und erhöht die Anlagenverfügbarkeit. Denn jeder ungeplante Stillstand senkt die Effizienz und verringert den Umsatz.

Blaupause für erfolgreiche Skalierung

Mit den Innovationen ist Octapharma einer umfassenden IT/OT-Integration einen großen Schritt nähergekommen. Die Ziele des Unternehmens sind, durch mehr Datentransparenz ungeplante Stillstände zu minimieren, die Anlageneffizienz zu verbessern und Erfolge zu skalieren. Siemens Industrial Edge ermöglicht es Octapharma dabei, Software-Anwendungen (Apps) und Geräte über Produktionslinien und sogar Standorte hinweg zentral zu verwalten und zu übertragen. Als offenes Ökosystem bietet die Plattform die Flexibilität, Anwendungen nach Bedarf auszutauschen und individuell zu erweitern. Siemens Industrial Edge optimiert dabei die industrielle IT-Verwaltung durch ein offenes, flexibles Ökosystem: Das zentrale Industrial Edge Management System (IEM) ermöglicht nicht nur die individuelle Anpassung und Erweiterung von Apps, sondern steuert auch effizient das Ausrollen sämtlicher Software-Updates, Firmware und Konfigurationen. In Kombination mit dem unternehmensweiten Identity & Access Management für die Nutzerverwaltung profitieren Anwender von höchsten IT-Sicherheitsstandards und Cybersecurity-Compliance. Updates können mit nur wenigen Klicks sicher auf alle Edge-Geräte ausgerollt werden – unabhängig von deren Anzahl, was zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen führt. Darüber hinaus unterstützte Siemens mit umfassenden Industrial Edge Services bei der Pilotierung, Ausrollen der Technologie und Know-How Transfers. „Wir möchten keine Daten-Silos, sondern ein Fundament, auf dem wir unsere digitale Produktion langfristig aufbauen können. Deswegen war die Skalierbarkeit der Siemens-Lösungen für uns von Anfang an eine Grundbedingung“, sagt Johan Lindgren. Das erfolgreiche Pilotprojekt hat sich damit zur Blaupause für eine unternehmensweite Skalierung entwickelt – für die digitale Transformation aller Octapharma-Fertigungsstandorte.

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Bildergalerie

  • Mit der Senseye Predictive Maintenance kann Octapharma die maximale Kapazität der Fülllinie ausschöpfen und Instandhaltungsarbeiten einleiten, bevor Ausfälle eintreten.

    Mit der Senseye Predictive Maintenance kann Octapharma die maximale Kapazität der Fülllinie ausschöpfen und Instandhaltungsarbeiten einleiten, bevor Ausfälle eintreten.

    Bild: Octapharma (Anton Enerlöv)

  • Senseye Predictive Maintenance verbessert die Wartungseffizienz um bis zu 55% und reduziert ungeplante Ausfallzeiten um bis zu 50% in verschiedenen Branchen.

    Senseye Predictive Maintenance verbessert die Wartungseffizienz um bis zu 55% und reduziert ungeplante Ausfallzeiten um bis zu 50% in verschiedenen Branchen.

    Bild: Siemens

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