Der Corona-Impfstoff soll kommen. Dann ist es wichtig, dass die Logistik zu den Impfzentren „steht“.

Bild: L&R

Tiefkältelagerung von Arzneimitteln Wenn der Impfstoff kommt: Mobile Kältecontainer sichern Versorgung

24.11.2020

Noch in diesem Jahr soll laut Gesundheitsminister Jens Spahn ein Impfstoff gegen Covid-19 in Europa verfügbar sein. Dieser muss bei Temperaturen von -70 bis -80 °C aufbewahrt werden. Ein Anbieter von Kältetechnik hat sich nun ein Konzept überlegt, um Impfzentren sicher zu versorgen, wenn es so weit ist.

Mit der Tiefkältelagerung von sensiblen Pharmawirkstoffen hat die Firma L&R Erfahrung. Impfseren, Blutplasma, Stammzellen, Knochenmark und biomedizinische Wirkstoffe gehören zu den Gütern, die in den begehbaren Tiefkältelagern des Unternehmens bei Temperaturen bis zu -110 °C aufbewahrt werden.

Nun hat L&R auch eine Lösung für den angekündigten Corona-Impfstoff entwickelt, mit der sich Millionen von Dosen kurzfristig bei -80 °C lagern lassen sollen. Die Grundidee: Die -80-°C-Lagerzelle mit einem -20-°C-Vorraum wird zusammen mit der zugehörigen Kältetechnik in einen Industriecontainer eingebaut, um eine pharmagerechte und zugleich flexible Lagermöglichkeit zu gewährleisten.

Individuelle Innenausstattung der Container

In den 20- oder 40-Fuß-Containern sind zwei Kälteanlagen installiert, die jede für sich ein dauerhaftes Temperaturniveau unterhalb von -70 °C erzeugen. Die Anlagen sind luftgekühlt, für den Betrieb ist also nur ein Stromanschluss erforderlich.

Sie sind außerdem redundant aufgebaut, sodass beim Ausfall eines Kältekreislaufs der zweite Kreislauf selbstständig die Tiefkälteerzeugung übernehmen kann. Eine optionale Notstromversorgung oder eine Stickstoff-Notkühlung können das Sicherheitsniveau nochmals steigern.

Die Innenausstattung des Kryolagers will L&R dabei den Anforderungen des Nutzers anpassen. Palettenstellplätze sind ebenso möglich wie Regale und/oder Schubladen für unterschiedliche Gebindegrößen.

Optional wird der Innenraum reinraumgerecht mit einem totraumfreien Edelstahlboden gefertigt. Die Isolation gewährleistet einen niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten, was die Temperaturhaltedauer erhöht und den Energiebedarf senkt.

Fernwartung und GPS-Ortung möglich

Die Tiefkältecontainer entsprechen den Anforderungen der GMP; optional werden sie mit einer FDA-Freigabe für produktberührte Materialien geliefert. Über das Touchpanel der Siemens-SPS kann der Anwender die Anlage steuern und den Prozess visualisieren. Eine Fernwartung ist möglich, ebenso wie die GPS-Ortung des Containers. Weitere Optionen lassen sich gemäß Kundenwunsch realisieren.

Bei der Konstruktion der neuen Lageranlage hat L&R eigenen Angaben zufolge auch auf die weltweite Verfügbarkeit der verwendeten Komponenten geachtet. „Wenn die Impfstoffproduktion anläuft, muss die Logistik bis zu den Impfzentren ,stehen‘ – nicht nur in Deutschland“, sagt Burkhard Rüßmann, geschäftsführender Gesellschafter von L&R. „Deshalb haben wir darauf geachtet, dass unsere Produktion in einem weiten Bereich skalierbar ist.“

Durch ihre Containerbauweise können die Anlagen mit geringem Aufwand dort aufgestellt werden, wo geimpft wird. Und wenn die Pandemie einmal vorbei ist? Dann lassen sich die mobilen Tiefkältelager über ihre Lebenszeit hinweg auch an anderen Standorten und für andere Aufgaben einsetzen.

Bildergalerie

  • Innenansicht des Lagercontainers: Zwei Kälteanlagen sorgen hier für klirrende Temperaturen unter -70 °C.

    Bild: L&R

  • Verschiedene Ausstattungsoptionen: Je nach Anwendung sind die Container mit Palettenstellplätzen, Regalen und/oder Schubladen für Gebinde ausgelegt.

    Bild: L&R

  • Modell des Lagercontainers: Die begehbaren Tiefkältelager gibt es in 20- oder 40-Fuß-Bauweise.

    Bild: L&R

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