Dr. Uwe Lauber begann seine berufliche Karriere nach einem Maschinenbau-Studium bei BOC Cryostar. Im Jahr 2000 wechselte er zu Sulzer Turbo – heute MAN Energy Solutions − wo er bis 2010 den Bereich Design, Forschung & Entwicklung und Erprobung von Kompressoren der Business Unit Oil & Gas verantwortete. Ab Ende 2010 wurde er Leiter der Geschäftseinheit Oil & Gas und gleichzeitig Geschäftsführer der MAN Energy Solutions Schweiz. Seit Oktober 2014 ist er Mitglied des Vorstands der MAN Energy Solutions und seit Anfang 2015 dessen Vorsitzender.

Bild: MAN Energy Solutions

Power Management Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe für die Energiewende

04.12.2020

Bis zum Jahr 2030 soll das Geschäft mit nachhaltigen Technologien den Großteil des Umsatzes von MAN Energy Solutions ausmachen. Wichtige Anker sind dabei Sektorkopplung, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe.

Dr. Uwe Lauber ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Die Jury war sich bei der Verleihung des Energy Storage Europe Awards 2019 einig: „Die Silo-Mentalität im Strom-, Verkehrs- und Wärmesektor aufzubrechen, ist höchst wichtig für die Industrie und die Energiewende. Das Drei-Wege-Energiespeichersystem ETES überwindet die traditionellen Grenzen der Industrie und ermöglicht eine effektive Sektorenkopplung durch die Kombination von Wärme-, Kälte- und elektrischen Speichern.“ Auch für Dr. Uwe Lauber hat die von MAN Energy Solutions entwickelte Industrielösung mit einem elektrischen Leistungsbereich zwischen 2 bis 16 MW sowie einem thermischen von 6 bis 50 MW großes Potenzial: „Rund ein Drittel aller CO2-Emissionen entstehen in Gebäuden. Wir brauchen also dringend Konzepte, die erneuerbare Energien auch für die Bereitstellung von Wärme und Kälte erschließen und das hochflexibel“, sagt der Chef des Unternehmens mit Hauptsitz Augsburg.

Lauber, für den grüner Strom das Erdöl der Zukunft ist, fordert einen dramatischen Ausbau der erneuerbaren Energien und diese für andere Sektoren nutzbar zu machen. Der Weg dorthin führt für den Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur unter anderem über Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. Für den Markthochlauf entsprechender Anlagen fordert er ein marktkonformes Anreizprogramm, das CO2-Vermeidung adäquat belohnt. „Denn wem nutzen Anlagen ohne Markt?“, stellt Lauber eine wichtige Frage.

Fortschritt verspricht die jüngst vorgestellte Wasserstoffstrategie der Bundesregierung: „Das Zwischenziel im Ausbau von 5 Gigawatt könnte der Maschinenbau bei richtiger Weichenstellung schon deutlich früher erreichen“, sagt Lauber, der jüngst in den Nationalen Wasserstoffrat der Bundesregierung berufen wurde. „Dennoch stimmt die eingeschlagene Richtung. Es geht nun darum, zügig ein Marktdesign für Wasserstoff zu setzen und die Technologien schnellstmöglich industriell zu skalieren.“

Nachhaltige Technologien sind die Zukunft

MAN Energy Solutions steht schon lange parat: „Wir sind nicht nur ein Pionier, sondern auch ein Treiber der Power-to-X-Technologie in Deutschland“, betont Lauber. Dabei spielt er vor allem auf Europas größte Power-to-Gas-Anlage bei Audi in Werlte an, die 2013 in Betrieb ging und für die MAN den Methanisierungsreaktor entwickelt hat. Heute hat das Unternehmen, mit seinen weltweit fast 14.000 Mitarbeitern, bereits eine 50-MW-Komplettlösung im industriellen Maßstab im Portfolio. Dies zahlt auch auf die Strategie des Unternehmens ein: Bis zum Jahr 2030 soll das Geschäft mit nachhaltigen Technologien den Großteil des Umsatzes ausmachen.

Dafür hat man sich neu ausgerichtet. Lauber beschreibt die Veränderung so: „Wir haben unser Portfolio um Hybrid-, Speicher- und digitale Servicetechnologien erweitert. Damit können unsere Kunden ihre Anlagen effizienter und ressourcenschonender betreiben.“ Zugleich positioniert man sich heute verstärkt als Lösungsanbieter, nachdem in der Vergangenheit die Konzentration auf der Fertigung zentraler Komponenten lag.

Unverändert bleibt jedoch die Ausrichtung auf die Sektoren Schifffahrt, Energie und Industrie. „Unser Kerngeschäft ist schließlich die Umwandlung von Energie in konkreten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen“, erläutert Lauber. Dies gelte für Schiffsantriebssysteme ebenso wie für smarte Energienetze oder Industrieprozesslösungen. Ein Wachstumsmarkt ist das Geschäft mit dezentralen Gasmotoren-KWK-Kraftwerken. „Heute bauen wir in Jena, Chemnitz oder Frankfurt an der Oder und unsere Kraftwerke in Stuttgart und Schwäbisch Hall laufen bereits“, sagt der 53-jährige Unternehmenslenker.

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