Grünes Methanol aus erneuerbaren Energien?

Was bei grünem Methanol jetzt möglich wird

Im Bündnis biogeniV wird daran gearbeitet, grünes Methanol aus biogenen Reststoffen, CO2 sowie Wind- und Solarenergie herzustellen. Bis 2028 sollen die ersten Demonstrationsanlagen entstehen.

Bild: iStock, Prasit Supho
24.08.2026

Methanol wird derzeit fast ausschließlich aus Erdgas oder Kohle gewonnen. Ein neuer Leitfaden zeigt, wie Mecklenburg-Vorpommern den Grundstoff künftig klimafreundlicher produzieren könnte.

Ob als Schiffstreibstoff, als Grundlage für Kunststoffe oder zur Leimherstellung: Methanol ist in vielen Alltagsprodukten enthalten. Weltweit wird es jedoch fast ausschließlich aus Erdgas oder Kohle gewonnen. Ein neuer Leitfaden zeigt nun auf, wie Mecklenburg-Vorpommern diesen wichtigen chemischen Grundstoff künftig mithilfe von Windstrom, Sonnenenergie und biogenen Reststoffen herstellen kann. Entwickelt wurde das Papier im Arbeitskreis Methanol, den das WindEnergy Network und das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) ins Leben gerufen haben.

Praktisch das gesamte weltweit produzierte Methanol, rund 99 Prozent, stammt laut Leitfaden bislang aus fossilen Rohstoffen wie Erdgas oder Kohle. Grünes Methanol lässt sich dagegen aus grünem Wasserstoff und Kohlendioxid herstellen. Der Wasserstoff entsteht dabei durch Elektrolyse mit Strom aus Wind- oder Solaranlagen. Das benötigte CO2 kann aus biogenen Quellen oder aus industriellen Abgasen stammen. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung biogener Reststoffe und Abfälle, die zunächst in ein Gasgemisch umgewandelt und dann zu Methanol weiterverarbeitet werden.

Erste Methanolprojekte in MV zeigen Potenzial

Mecklenburg-Vorpommern bringt dafür laut Leitfaden gute Voraussetzungen mit: reichlich erneuerbare Energien, nutzbare CO2-Quellen, Industrie- und Hafenstandorte sowie eine aktive Forschungslandschaft. Erste Projekte zeigen bereits, wie das aussehen kann.

Im Projekt „Green Dettmannsdorf“ sollen Wind- und Solarenergie, Batteriespeicher und Nahwärme mit der Nutzung biogener Reststoffe verbunden werden. Das biogene CO2 der wiederbelebten Brennerei „Baltic Distillery“ soll dabei in Methanol umgewandelt werden. Die konkrete Planung wurde im November 2025 angestoßen.

In Anklam plant das Unternehmen Enertrag gemeinsam mit dem Zuckerfabrikbetreiber Cosun Beet Company eine Anlage, die biogenes CO2 aus der Verarbeitung von Zuckerrüben nutzt. Seit April 2025 fährt im Hafen Mukran das weltweit erste mit Methanol betriebene Versorgungsschiff für einen Offshore-Windpark.

Auch abseits einzelner Anlagen entstehen im Land größere Forschungsverbünde. Im Bündnis biogeniV arbeiten mehr als 40 Partner aus dem östlichen Mecklenburg-Vorpommern daran, biogene Reststoffe und CO2 mit Wind- und Solarenergie zu grünem Methanol zu verarbeiten. Der Bund fördert das Vorhaben mit 15 Millionen Euro; bis 2028 sollen erste Demonstrationsanlagen entstehen.

In Rostock bündeln das Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik (IGP), das Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) und das INP ihre Kompetenzen in der Forschungsfabrik Wasserstoff MV. Während LIKAT und INP an der Erzeugung von grünem Wasserstoff und alternativen Kraft- und Speicherstoffen forschen, testet das Fraunhofer IGP auf einem eigenen Großmotorenprüffeld, wie sich diese Kraftstoffe in der maritimen Industrie einsetzen lassen.

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt über viele Bausteine, die für eine Methanolwirtschaft wichtig sind. Dazu gehören erneuerbare Energien, nutzbare CO2-Quellen, Häfen, industrielle Abnehmer und Forschungseinrichtungen. Entscheidend ist nun, diese Bereiche gemeinsam zu planen und verlässliche Rahmenbedingungen für konkrete Projekte zu schaffen, damit daraus neue regionale Wertschöpfung entsteht“, sagt Yvette Gonzalez, Clustermanagerin HyCore am INP.

Wo es noch hakt

Die vorhandenen Potenziale allein reichen jedoch nicht für eine wirtschaftlich tragfähige Methanolproduktion aus. Grünes Methanol ist derzeit deutlich teurer als das fossile Produkt und es fehlen häufig langfristige Liefer- und Abnahmeverträge. Hinzu kommen komplexe Genehmigungsverfahren sowie eine noch nicht ausreichend verbundene Strom-, Wasserstoff- und CO2-Infrastruktur. Für kleinere und mittlere Standorte fehlen bislang auch marktreife modulare Anlagen.

Der Leitfaden empfiehlt daher, regionale Standorte der Methanolproduktion in der Nähe von Energieerzeugern, industriellen Abnehmern und Häfen sowie CO2-Punktquellen aufzubauen. Hierzu zählen beispielsweise Biogasanlagen oder die Zuckerrübenverarbeitung. Die Wasserstoffversorgung sollte dabei von Anfang an mitgeplant werden. Zudem müssen die Genehmigungsverfahren besser aufeinander abgestimmt werden. Weitere Empfehlungen betreffen Demonstrationsprojekte, Forschungspartnerschaften, langfristige Abnahmevereinbarungen und eine transparente Kommunikation mit der Bevölkerung.

Der Methanol-Leitfaden Mecklenburg-Vorpommern beschreibt auf 43 Seiten die regionale Ausgangslage, laufende Projekte und mögliche Anwendungsfelder. Er benennt außerdem technische, wirtschaftliche und regulatorische Hürden und gibt Empfehlungen, wie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam eine nachhaltige Methanolwirtschaft aufbauen können. Erarbeitet wurde der Leitfaden von Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft, die sich im Arbeitskreis Methanol zusammengeschlossen haben. Zu ihnen gehören das INP aus Greifswald, das WindEnergy Network, das LIKAT und das Fraunhofer IGP aus Rostock sowie das Institut für Regenerative Energiesysteme der Hochschule Stralsund. Die Arbeit wurde durch das INP und das WindEnergy Network im Rahmen des HyCore Innovationsclusters Wasserstoff M-V sowie der Projekte Windenergiecluster M-V und Zukunftsenergie M-V initiiert. Der fachliche Austausch im Arbeitskreis soll fortgesetzt werden.

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