Dr. Jörg Nagel ist Geschäftsführer von Neoception, einer auf anwendungsspezifische Industrie-4.0- und IIoT-Lösungen spezialisierten Tochtergesellschaft von Pepperl+Fuchs. Dr. Nagel will dazu beitragen, die Automatisierungstechnik mit sicheren und intuitiv nutzbaren digitalen Lösungen zu transformieren.

Bild: Dr. Jörg Nagel

Kommentar Think digital, add value

29.11.2019

Wieso will Neoception keine eigene digitale Plattform? Weil wir stattdessen nachhaltige digitale Dienste entwickeln. Damit bieten wir einen produktiven Einstieg in Industrie 4.0 Szenarien.

Dr. Jörg Nagel war mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2019/2020 als einer von 100 Machern der Automation vertreten.

Digitale Plattformen bieten ein großes Potenzial für die Teilnehmer: Reduzierte Transaktionskosten, die Etablierung neuer wechselseitiger Geschäftsmodelle und ein durch Netzwerkeffekte gesteigerter Absatz sind nur einige Beispiele dafür. Der Plattformbetreiber erhält zudem die Möglichkeit, erhebliche Teile der Wertschöpfung an sich zu binden. Doch ist die Entwicklung einer neuen Plattform für das eigene Umfeld immer sinnvoll?

Ansatz: Unabhängige Dienste

Um Erfolg zu haben, muss eine Plattform schnellstmöglich einen signifikanten Anteil der Marktteilnehmer gewinnen. Das mag den Big-Playern relativ leicht gelingen, mittelständische und kleine Unternehmen sind hier jedoch mit großen Risiken konfrontiert. Viele Experten zeigen sich außerdem überzeugt, dass die Plattformen bald einen Konsolidierungsprozess durchmachen werden, den kleinere Plattformen kaum überleben können.

Neoception verfolgt den Ansatz, unabhängige digitale Dienste zu entwickeln, die aus sich heraus einen signifikanten Mehrwert bieten. Diese Dienste können beispielsweise in den Bereichen Nachschublogistik für Verbrauchsmaterialien, Optimierung von Wartungsprozessen oder Steigerung der Prozesssicherheit eingesetzt werden. Die Einbindung der vielfältigen Dienste in eine oder mehrere dedizierte Plattformen erfolgt dann im zweiten Schritt über standardisierte Schnittstellen.

In einem mehrstufigen Entwicklungsprozess unterstützt Neoception seine Kunden von der Idee bis zum funktionierenden, produktiven Mehrwertdienst. Meistens haben die Kunden bereits eine konkrete Vorstellung über die Zukunft ihrer Produkte. Bei Bedarf unterstützt Neoception sie aber auch bei der Business-Analyse.

Analyse & Umsetzung aus einer Hand

Zunächst werden der Mehrwert, die technische Machbarkeit und die nötigen Business-Prozesse definiert. Anschließend beginnt die sukzessive technische Umsetzung. Die stufenweise Erweiterung der Dienste hat den entscheidenden Vorteil, dass die täglichen Erfahrungen des Kunden und der Partner in einem strukturierten Rückkopplungsprozess sofort in die Entwicklung integriert werden können.

Da Analyse und Implementierung aus einer Hand kommen, werden die Risiken bei der Umsetzung der Lösung minimiert. Als loyaler Partner im gesamten Entwicklungsprozess macht Neoception in kürzester Zeit das Kern-Know-how seiner Kunden in zukunftsfähigen, digitalisierten Mehrwertdiensten nutzbar. Die Trennung des eigentlichen Service von existierenden Plattformen hat zudem den Vorteil, dass der Dienst flexibel auch in mehreren Plattformen angeboten werden kann.

Standardisierung ist der Schlüssel zum Erfolg

Um künftig die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Services zu gewährleisten, arbeiten wir aktiv an neuen Technologien mit, unter anderem, um die Kommunikation zwischen den Diensten zu vereinheitlichen. Beispiele sind hier standardisierte Verwaltungsschalen, semantische Datenkataloge wie eCl@ss oder dezentrale Infrastrukturen wie IOTA.

Die nachhaltige Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle erfordert auch Transformationsprozesse in den Unternehmen. Im Mittelpunkt steht der Kundennutzen. Außerordentlich erfolgreich können digitale Dienste nur dann werden, wenn sie standardisierte Schnittstellen besitzen, mit denen sie sich auch nachträglich mit anderen Diensten und auf beliebigen Plattformen vernetzen lassen.

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