Asycube-Feeder eignen sich für eine teileschonende Zuführung loser Teile und Komponenten aller Geometrien.

Bild: SVS-Vistek / Video: SVS-Vistek

System für Montageroboter So gelingt der Griff in die Kiste

11.07.2019

Die Leistungsfähigkeit von Montagerobotern zu verbessern lautet das Ziel des Schweizer Unternehmens Asyril. Es verwendet Bildverarbeitungssysteme, um Robotern in der Produktion das Greifen von Schüttgutbauteilen zu erleichtern und setzt dabei auf ein neuartiges Zuführsystem sowie Industriekameras von SVS-Vistek.

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Auf nahezu jeder Automatisierungsmesse der vergangenen Jahre sind die Versuche diverser Unternehmen zu sehen, den berühmten Griff in die Kiste, also das Greifen von ungeordnet liegenden Bauteilen durch einen Roboter, zu realisieren. Trotz enormer Fortschritte im Bereich der Robotik und der Bildverarbeitung stellt diese Aufgabe noch immer eine große Herausforderung dar.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Bevor ein Roboter ein Bauteil greifen kann, muss ein Bildverarbeitungssystem dieses zunächst erkennen, seine Orientierung errechnen und dem Roboter dann Position und Orientierung der Greifpunkte kommunizieren. In konventioneller Technologie ist dies immer noch ein langsamer, mehrstufiger Prozess: Erkennen, Greifen, korrektes Ablegen, Greifen mit korrekter Orientierung. Liegen die zu greifenden Bauteile chaotisch durcheinander und verdecken sich dabei auch noch teilweise, so wird das sichere und schnelle Greifen von Einzelteilen oft zu einem komplexen und langsamen Vorgang.

Asyril geht diese in der Industrie häufig anzutreffende Aufgabenstellung mit einem neuen Ansatz an: Das Schweizer Unternehmen baut Zuführsysteme für Pick-&-Place-Roboter und arbeitet dabei mit einem auf den ersten Blick einfachen Trick. Die neben- und übereinander in einer Kiste liegenden Schüttgutobjekte werden über einen Beschickungstrichter auf eine Vibrationsplattform geleitet, auf dieser vereinzelt und in eine Lage gebracht, die einen einfachen Zugriff durch den Roboter ermöglicht.

Teile isolieren mit intelligenten Vibrationen

Die Grundidee der Schweizer geht dabei über herkömmliche mechanische Systeme wie zum Beispiel Rütteltöpfe hinaus, erklärt Asyril-Produktmanager Aymeric Simonin: „Die Besonderheit unserer Hochleistungszuführsysteme besteht darin, dass die Ergebnisse eines integrierten Bildverarbeitungssystems dazu verwendet werden, die Vibrationen der Plattform gezielt so zu steuern, dass die Objekte vereinzelt werden. Das spezialisierte Vision-System liefert die dazu notwendigen Daten nahezu in Echtzeit und sorgt so dafür, dass die Teile isoliert und in eine für den Roboter optimale Greiflage gebracht werden.“

Nach dem Vereinzeln durch diese „intelligenten Vibrationen“ kommuniziert das Bildverarbeitungssystem die Daten von Position und Orientierung optimal zu greifender Bauteile an den Pick-&-Place-Roboter. Um die Geschwindigkeit der Objekterkennung zu verbessern, sendet das System die Informationen über die ersten erkannten, gut platzierten Bauteile bereits an den Roboter, bevor das gesamte Bild ausgewertet ist.

Technische Grundlage für diese Vorgehensweise sind flexible Feeder mit der Bezeichnung Asycube. Diese Drei-Achsen-Vibrationstechnologie hat Asyril selbst entwickelt, fertigt sie im eigenen Haus und setzt sie in seinen Hochleistungszuführsystemen ein. Die Aktuatoren versetzen eine Vibrationsplattform in Schwingungen, die in Bezug auf Stärke, Frequenz und Dauer gesteuert werden können und dadurch eine präzise Bewegung der Bauteile auf der Vibrationsplattform ermöglichen.

Wirtschaftliche Bildverarbeitung

Zweites Kernelement der Feeder-Lösung von Asyril ist das integrierte Vision-System SmartSight, das die Qualität der Vereinzelung beurteilt und mit dem Wissen über die Möglichkeiten des Robotergreifers die Positionen der nächsten optimal liegenden Teile bestimmt. „Auch für diesen Teil des Gesamtsystems war uns ein ökonomischer Aufbau wichtig“, betont Simonin.

Die Schweizer entschieden sich daher nach ersten Systemen auf Basis von Eco-Kameras von SVS-Vistek für einige Kameramodelle aus der Exo-Serie mit Auflösungen zwischen 1,6 und zwölf Megapixel, die neben der Bildaufnahme auch die Steuerung des Lichts übernehmen. Ein zusätzlicher Strobe-Controller ist somit nicht notwendig. „Dadurch konnten wir die Hardware-Kosten für das Gesamtsystem reduzieren und haben die Möglichkeit, Auflicht und Durchlicht mit kurzen Blitzzeiten direkt aus den Power-Ausgängen der Kamera zu bedienen“, beschreibt Simonin den Bildverarbeitungsaufbau.

Die Timings für Licht und Belichtung kommen dabei direkt aus der Kamera, die die elektrischen Abläufe und den integrierten vierkanaligen LED-Treiber mit seinem Sequenzer steuert. Die Steuerung von Licht, Sequenzer und Kamera erfolgt über ein einziges Programmierinterface.

„Unsere Technologie ist sehr flexibel und eignet sich für lose Teile und Komponenten aller Geometrien mit Größen von kleiner als 0,1 mm bis hin zu 150 mm“, so Simonin. Die eingesetzten Feeder ermöglichen nach seinen Worten eine extrem teileschonende Zuführung, was je nach Anwendungsfall ein entscheidendes Kriterium darstellen kann.

Durch ihren modularen Aufbau lassen sich Asycube-Feeder flexibel an die Eigenschaften der Objekte anpassen. Für diese Flexibilität in der Konfiguration sorgt neben leicht auswechselbaren Hardware-Modulen auch die einfach zu bedienende, PC-basierte Bildverarbeitung. Simonin: „Bei der Umstellung auf andere Produkte werden die Vorteile eines programmierbaren Feeders besonders offensichtlich: Die Konfiguration erfolgt sehr schnell per Software und spart teure Hardware-Rüstzeiten.“ Das sei insbesondere in Märkten mit sehr kurzen Product-Life-Cycles oder kleinen Serien ein großer Vorteil.

Alternative zum langsamen Griff in die Kiste

Für die Realisierung des in die Asycube-Feeder integrierten Vision-Systems SmartSight arbeitet Asyril mit Fabrimex aus Volketswil zusammen, die als Partner von SVS-Vistek deren Kameratechnik zu maßgeschneiderten optischen Lösungen aus einer Hand komplettieren. Die Entwicklung von Asyril soll einen beschleunigten Zugriff von Robotern auf Einzelteile oder Schüttgut ermöglichen, was wiederum zu Effizienzsteigerungen führen soll.

„Wir sind in der Schweizer Uhrenindustrie mit ihren hohen Anforderungen verwurzelt, doch die Vorzüge unserer Technologie haben sich mittlerweile auch in vielen anderen Märkten wie beispielsweise der Automotive-, der Medizin- oder der Elektronikindustrie bewährt“, freut sich Simonin. „Mit Asycube SmartSight können wir Anwendern somit eine schnelle Alternative zum immer noch langsamen, komplexen Griff in die Kiste bieten und so die Produktivität der eingesetzten Roboter erhöhen.“

Die Asycube-Lösungen zahlen sich mittlerweile auch in anderer Form aus. Ende 2018 wurde Asyril auf der Motek in Stuttgart mit einem Preis in der Kategorie Komponenten für Handhabung und Montage ausgezeichnet.

Bildergalerie

  • Kernstück des in den aktuellen Asycube-Feedern eingesetzten Bildverarbeitungssystems bildet eine Kamera aus der Exo-Serie von SVS-Vistek.

    Bild: SVS-Vistek

  • Die Vibrationsplattform der Asycube-Feeder ermöglicht eine gesteuerte Bewegung und Vereinzelung von Schüttgutobjekten.

    Bild: SVS-Vistek

  • Die Asycube-Feeder ermöglichen in Kombination mit Exo-Kameras von SVS-Vistek eine leistungsfähige Alternative zum bislang noch langsamen Griff in die Kiste.

    Bild: SVS-Vistek

  • Der Autor Stefan Waizmann ist Technical Marketing Engineer bei SVS-Vistek.

    Bild: SVS-Vistek

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