Erneuerbare Energien in Industriebetrieben effizienter nutzen

Smarte Speicherplanung für die Fabrik von morgen

Auslegungsergebnisse im ESiP Analyzer: Relevante KPIs wie die Spitzenlastsenkung, die Speichergröße und die Amortisation lassen sich direkt ermitteln.

Bild: Fraunhofer IWU
24.06.2026

Erneuerbare Energie zu erzeugen, reicht nicht – sie muss auch genutzt werden. Der ESiP-Analyzer des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) zeigt Fabriken, wie Speicher richtig dimensioniert und betrieben werden. Was das Tool in realen Praxistests geleistet hat, überrascht.

Richtig geplant und dimensioniert, können Energiespeicher in der Produktion (ESiP) die eigene erzeugte erneuerbare Energie optimal nutzen. Der ESiP Analyzer, der 2025 auf der Messe ees Europe vorgestellt wurde, hat inzwischen seinen Praxistest bei Energieversorgern und Industrieunternehmen mit Bravour gemeistert: Das Tool hilft Fabriken, die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern und Leistungsspitzen zu reduzieren. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass gezielte Simulationen und optimierte Betriebsstrategien in einigen Szenarien die Nutzung von annähernd der Hälfte des selbst erzeugten Stroms ermöglichen. Auch die Netzstabilität profitiert vom „geglätteten“ Verbrauch durch den Einsatz von Speichern.

Speicher richtig planen – von der Maschine bis zur Fabrik

Der ESiP Analyzer unterstützt das Energiemanagement vorrangig in produzierenden Unternehmen. Neben der klassischen Lastspitzensenkung ermöglicht das Tool die Bewertung verschiedener Anwendungsfälle. Er umfasst unterschiedliche Energiespeichertechnologien von der Maschinen- bis zur Fabrikebene und unterstützt Unternehmen bei der Planung, Integration und Betriebsführung individueller Energiespeicherlösungen.

Ein Kernmerkmal des Tools ist die Entwicklung spezifischer Auslegungsverfahren für unterschiedliche Anwendungsszenarien. Darüber hinaus werden auch wichtige Betriebsführungsfaktoren wie die Systemeffizienz und spezifische Produktionsparameter in die Simulationen einbezogen. Das Ziel besteht darin, Unternehmen nicht nur bei der Auswahl der passenden Speichertechnologie, sondern auch bei der Entwicklung optimaler Betriebsstrategien für einen langfristig effizienten und wirtschaftlichen Einsatz zu unterstützen.

Das Tool funktioniert auch unter realen Bedingungen

Der ESiP Analyzer zeigt insbesondere in realen Anwendungsszenarien seine Leistungsfähigkeit, auch bei unvollständigen Planungsinformationen. Fehlende Werte in Lastprofilen oder Ertragsdaten können durch geeignete Skalierungen und Simulationen zuverlässig ergänzt werden, sodass weiterhin aussagekräftige Analysen möglich sind. Darüber hinaus eröffnet der Analyzer zusätzliche Perspektiven, etwa bei der Kombination unterschiedlicher Anwendungen (zum Beispiel Teilnahme am Energiemarkt, Notstromversorgung oder Effizienzsteigerung durch rückgespeiste Energie auf Maschinenebene).

Interessierte Unternehmen können frei entscheiden, wie sie den ESiP Analyzer nutzen möchten. Für eine umfassende Analyse des Ist-Stands sowie Empfehlungen und Beratungsleistungen durch die Experten des Fraunhofer IWU sind individuelle Projektvereinbarungen möglich. Für eine kontinuierliche Nutzung können Lizenzvereinbarungen abgeschlossen werden.

Auf der The Smarter E Europe in München gibt das Fraunhofer IWU einen Ausblick auf die gemeinsam mit EDAG Production Solutions konzipierte und derzeit in Chemnitz im Aufbau befindliche Pilotanlage. Diese kann künftig Traktionsbatterien bis auf Zellebene automatisiert demontieren. Mittels KI-Technologien und einem Analysemodul zur Bewertung ihres „Gesundheitszustands” werden funktionstüchtige Komponenten identifiziert und einer geeigneten Wiederverwendung zugeführt. Die neue Anlage wird im August ihren Betrieb aufnehmen. Sie dient zukünftig auch zum Nachweis der wirtschaftlichen Demontierbarkeit neuer, mit Fokus auf Design-for-Recycling entwickelter Systeme. Ein solches System wird mit einem zerstörungsfrei zerlegbaren Batteriemodul demonstriert.

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