Das Energieversorgungsunternehmen Trawa hat erstmals ihren Energie-Monitor Mittelstand für das Jahr 2026 erhoben. Für diese Studie hat das Marktforschungsinstitut INNOFACT im Auftrag von Trawa 304 Entscheiderinnen und Entscheider aus dem energieintensiven deutschen Mittelstand befragt. Das Ergebnis ist, dass Energiekosten zur größten unternehmerischen Herausforderung geworden sind. Doch statt zu resignieren, vollzieht der Mittelstand eine stille Energiewende in eigener Sache: Künftig soll Strom dynamisch statt zum starren Festpreis beschafft werden.
Für den energieintensiven deutschen Mittelstand sind die Energiekosten die drängendste Sorge. Mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt sie auf Platz eins oder zwei der größten unternehmerischen Herausforderungen – noch vor dem Fachkräftemangel, den steigenden Lohnkosten, der Bürokratie und der schwachen Konjunktur. Verschärft wird der Druck durch die Angst vor einer Wiederholung des Krisenjahres 2022. Zwei Drittel der Befragten sorgen sich vor einer erneuten Energiekrise in Deutschland. Wie berechtigt diese Sorge ist und wie schnell sich die Lage an den Energiemärkten zuspitzen kann, führt der Iran-Krieg erneut vor Augen.
Der Mittelstand übernimmt das Steuer
Die Befragten reagieren auf den Druck nicht mit Abwarten, sondern mit Eigeninitiative. Hier sieht Trawa die Kernbotschaft der Studie: Der Mittelstand möchte seine Energieversorgung aktiv gestalten und ein Stück Kontrolle über seine Energiekosten zurückgewinnen. „Der eigentliche Befund dieser Studie ist ein Haltungswechsel: Der Mittelstand wartet nicht länger auf staatliche Entlastung, sondern nimmt seine Energiekosten selbst in die Hand. Das ist die richtige Antwort auf einen Markt, der dauerhaft volatil bleiben wird – und genau hier entscheidet sich künftig die Wettbewerbsfähigkeit“, sagt David Budde, Gründer und Geschäftsführer von Trawa.
Unternehmen wollen die Schwankungen der Märkte nutzen
Der Mittelstand zieht Konsequenzen: 69 Prozent der Unternehmen wollen ihren Strom künftig dynamisch oder teil-dynamisch beschaffen und sich damit vom reinen Festpreis lösen. Derzeit beziehen drei Viertel der Unternehmen ihren Strom ausschließlich zum Festpreis. Dabei zahlen sie über die gesamte Vertragslaufzeit einen festen Arbeitspreis pro Kilowattstunde und sichern sich so gegen Preisschwankungen ab. Bei dynamischen und teil-dynamischen Verträgen folgt der Preis dagegen dem Verlauf an der Strombörse. Da dort inzwischen mehr Volatilität herrscht, fällt der Börsenpreis bei hohem Wind- und Solarangebot immer öfter ins Negative. So entsteht ein Sparpotenzial, das sich mit flexibler Energiebeschaffung nutzen lässt.
Mangel an dynamischen Tarifen bei Energieversorgern
Aufschlussreich ist, warum viele Unternehmen dennoch beim Festpreis bleiben. Wer keinen Wechsel plant, begründet dies vor allem mit zu hohen Risiken und mangelnder Planbarkeit (78 Prozent), der vermeintlichen Komplexität dynamischer Modelle (56 Prozent) sowie fehlendem Personal (52 Prozent). Der vielleicht wichtigste Befund ist jedoch ein anderer: 52 Prozent dieser Unternehmen geben an, von ihrem Energieversorger nicht bewusst zu einer dynamischen oder teil-dynamischen Alternative beraten worden zu sein. Das Festhalten am Festpreis ist demnach weniger eine bewusste Entscheidung als eine Folge mangelnder Impulse.
Digitale Werkzeuge rücken ins Zentrum der Energiestrategie
Diese Aufbruchstimmung zeigt sich auch beim Thema Batteriespeicher: 70 Prozent der Unternehmen setzen sie bereits ein, planen deren Einsatz oder diskutieren ihn. Denn Batteriespeicher ermöglichen eine Verbesserung des Eigenverbrauchs, das Management von Lastspitzen und den Strommarkthandel. Unternehmen, die noch zögern, nennen die hohen Anschaffungskosten als wichtigsten Hinderungsgrund. Parallel dazu wächst das Bewusstsein für die nötigen Werkzeuge: Unter den Unternehmen mit dynamischer Beschaffung halten 95 Prozent eine Energiemanagementsoftware für notwendig, um Beschaffung und Verbrauch intelligent zu steuern.
Versprochene Entlastung erreicht den Mittelstand kaum
Gleichzeitig trügt die Hoffnung auf staatliche Hilfe. Obwohl alle befragten Unternehmen zu den energieintensiven Branchen zählen, sind weniger als die Hälfte für den von der Politik in Aussicht gestellten Industriestrompreis berechtigt. 48 Prozent fallen durch das Raster und weitere elf Prozent wissen nicht, ob sie profitieren könnten. Die politisch versprochenen 3,8 Milliarden Euro Entlastung erreichen den Mittelstand also kaum – ein Grund mehr, die eigene Energiebeschaffung aktiv zu gestalten.
Der Mittelstand nimmt die Energiewende selbst in die Hand
Trawa hat den Energie-Monitor Mittelstand 2026 erhoben, um zu verstehen, wie der energieintensive Mittelstand mit volatilen Energiemärkten umgeht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit ihre Energiekosten aktiv steuern will, dabei aber auf Komplexität, fehlende Beratung und eine staatliche Entlastung trifft, von der sie kaum profitiert. Vor allem aber macht die Studie eines deutlich: Das Potenzial ist erkannt, doch die Umsetzung scheitert oft an fehlenden Informationen und Beratung.
Mit dem Energie-Monitor Mittelstand 2026 untersucht Trawa, wie der energieintensive deutsche Mittelstand mit den Herausforderungen volatiler Energiemärkte umgeht. Mit den Ergebnissen will das Unternehmen einen Impuls für die Modernisierung des Strommarkts setzen. Im Auftrag von Trawa befragte das Marktforschungsinstitut Innofact vom 23. bis 26. Februar 2026 insgesamt 304 Entscheiderinnen und Entscheider, die in ihren Unternehmen für Energiethemen verantwortlich oder daran beteiligt sind. Befragt wurden ausschließlich mittelständische Unternehmen mit 50 bis 1.000 Mitarbeitenden aus besonders energieintensiven Branchen, darunter das verarbeitende Gewerbe, die Logistikbranche, der Groß- und Einzelhandel, das Baugewerbe, die Immobilienwirtschaft und die Hotellerie. Die Datenerhebung erfolgte vor der jüngsten geopolitischen Zuspitzung im Iran, sodass deren mögliche Folgen für die Energiemärkte in den Ergebnissen nicht abgebildet sind.