Resilienz als neue Währung

Wie Cybersecurity, KI und Konnektivität Europas industrielle Zukunft prägen

Hannes Niederhauser, Absolvent der Technischen Universität Graz im Fach Elektrotechnik, blickt auf eine langjährige Karriere als Manager in den Bereichen Mikrochips und Embedded Computing zurück. Vor seinem Eintritt bei S&T war der gebürtige Österreicher von 1999 bis 2007 maßgeblich als Hauptaktionär und CEO der damaligen Kontron AG tätig, die sich während seiner Amtszeit zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich Embedded Computing entwickelte. Hannes Niederhauser treibt konsequent die Transformation der Kontron vom IT-Dienstleister zu einem führenden Anbieter von IoT-Lösungen voran.

Bild: Kontron
21.05.2026

Resilienz entscheidet zunehmend über den wirtschaftlichen Erfolg: Hannes Niederhauser erläutert, wie Europas Industrie in einer Zeit geopolitischer Spannungen, digitaler Umbrüche und steigender Sicherheitsanforderungen handlungsfähig bleibt. Wer jetzt auf robuste, flexible und zukunftssichere Technologien setzt, verschafft sich klare Vorteile.

2025 war geprägt von wirtschaftlichen, geopolitischen und technologischen Veränderungen, die Industrie, Infrastruktur und kritische Sektoren nachhaltig verändern. Globale Spannungen, fragile Lieferketten und der zunehmende Technologiewettbewerb verdeutlichen, wie verletzlich kritische Infrastrukturen Europas geworden sind. Parallel beschleunigen sich digitale Transformation, Cyber-Bedrohungen und neue technologische Paradigmen wie Künstliche Intelligenz (KI) und moderne Kommunikationsstandards wie 5G und FRMCS den Prozesswandel in Fertigung und Kommunikation. Prognosen zufolge werden bereits im Jahr 2026 über 60 Prozent aller Organisationen KI strategisch einsetzen, während gleichzeitig der Bedarf an sicheren, hochverfügbaren Netzwerken weiter steigt.

Diese Entwicklung erfordert mehr als nur technisches Können. Themen wie technologische Souveränität, Resilienz, Sicherheit und Datenhoheit rücken zunehmend in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen. In diesem dynamischen Umfeld wird die Fähigkeit, IT- und OT-Infrastrukturen sicher, robust, vernetzt und anpassungsfähiger zu gestalten, zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor.

Cyber Resilience Act & Cybersecurity: Sicherheit wird zur strategischen Pflicht

Cybersecurity entwickelt sich zunehmend von einer isolierten IT-Disziplin zu einem integralen Bestandteil industrieller Wertschöpfung. Mit Regulierungen wie dem Cyber Resilience Act (CRA), NIS-2 oder RED reagiert die EU auf eine Bedrohungslage, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft hat. Angriffe auf industrielle Infrastrukturen, kritische Netze und vernetzte Geräte nehmen nicht nur quantitativ zu, sondern werden durch Automatisierung und KI auch qualitativ komplexer.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich: Analysen beziffern die jährlichen wirtschaftlichen Schäden durch Cyberangriffe in Europa inzwischen auf über 200 Milliarden Euro. Zugleich treiben die regulatorischen Anforderungen die Nachfrage nach sicheren digitalen Produkten, die auf Compliance und Security ausgerichtet sind.

Die neuen EU-Vorgaben geben einen klaren Rahmen, wie sichere digitale Produkte künftig über ihren gesamten Produktlebenszyklus hinweg entwickelt, betrieben und abgesichert werden müssen – vom geforderten Integritätsschutz über verschlüsselte Datenkommunikation bis hin zu kontinuierlichen Updates und Threat Monitoring. Kontron unterstützt Hersteller unter anderem mit einer Reihe von CRA-ready Bausteinen wie KontronOS (gehärtetes, CRA-konformes Betriebssystem), KontronGrid (zentrale Compliance-Überwachung), KontronAIShield (KI-gestützte Bedrohungserkennung) und geeigneten Edge-Hardwareplattformen. Diese Lösungen tragen dazu bei, den Anforderungen der kommenden EU-Regulatorik gerecht zu werden, und schaffen gleichzeitig eine robuste Grundlage für vernetzte Systeme – vom Embedded Device bis zur Edge-Plattform.

AI at the Edge & 5G: Intelligenz dort, wo Daten entstehen

2026 verschiebt sich die Rolle von KI und 5G weiter – weg von reinen Cloud-Ansätzen hin zu intelligenten, sicheren Edge-Architekturen. Daten entstehen in Maschinen, Fahrzeugen, Produktionsanlagen und kritischen Infrastrukturen. Sie müssen dort verarbeitet werden, wo Latenz, Verfügbarkeit und Sicherheit entscheidend sind. Private 5G-Netze werden dabei zum Enabler für industrielle Echtzeitanwendungen und hochverfügbare Kommunikation.

KI-Funktionalitäten werden immer stärker mit Embedded-Systemen, Edge-Plattformen und sicheren Betriebssystemen verzahnt. Lösungen wie KI-gestützte Anomalie-Erkennung, Predictive Maintenance oder autonome Entscheidungsunterstützung entfalten ihren Mehrwert nur dann, wenn sie stabil, erklärbar und cyberresilient betrieben werden können. Technologien, die in einem Bereich funktionieren, lassen sich zunehmend auf andere Industrien übertragen, wodurch Innovationen und Effizienzgewinne multipliziert werden.

Ein Beispiel - und für Kontron ein strategisch wichtiger Markt - ist der Bahnsektor. Mit FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) entsteht hier eine neue, auf 5G basierende Kommunikationsinfrastruktur für sicherheitskritische Anwendungen. Sie steht exemplarisch für hochregulierte Umgebungen, lange Lebenszyklen und maximale Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit. End-to-End-Lösungen für den sicheren Übergang von GSM-R zu FRMCS, wie MCx, private 5G-Kernnetze und Cloud-native Management-Tools, lassen sich auch auf andere Industrien übertragen und verschaffen Anbietern wie Kontron einen frühen Wettbewerbsvorteil.

Defense & sicherheitsrelevante Anwendungen: Technologie als Schutzfaktor

Die geopolitische Lage und die zunehmende Vernetzung kritischer Infrastrukturen führen weltweit und insbesondere in Europa zu steigenden Investitionen in Verteidigungs- und Sicherheitsprojekte. Staaten setzen dabei auf langfristig resiliente, sichere und vernetzte Systeme, die extreme Anforderungen an Zuverlässigkeit, Echtzeitfähigkeit und Verfügbarkeit erfüllen. Gefragt sind modulare Architekturen, offene Standards und robuste Embedded-Computing-Systeme, die hohe Rechenleistung, Stabilität und Cyberresilienz kombinieren. Sicherheit auf Hardware-Ebene, kontrollierte Lieferketten, lokale Fertigung und die Einhaltung internationaler Regularien gewinnen an strategischer Bedeutung.

Technologien, die sich in der Industrie, im Bahn- oder Energiesektor bewährt haben, finden zunehmend Anwendung in sicherheitskritischen Umgebungen. Gefragt sind modulare Architekturen, offene Standards und robuste Embedded-Computing-Systeme, die hohe Rechenleistung, Stabilität und Cyberresilienz kombinieren. Systeme müssen sowohl in extremen Umgebungen – bei Hitze, Kälte, Vibration oder Staub – zuverlässig funktionieren als auch in komplexen Netzwerkstrukturen stabil zusammenarbeiten. Kontron setzt mit seiner langjährigen Erfahrung im Embedded-Computing-Bereich unter anderem auf globale Entwicklungsstandorte, ein eng vernetztes Ingenieurteam und lokale Fertigung in strategisch relevanten Regionen. Kontron bietet hier bereits ITAR-Compliance an und sorgt damit dafür, dass sensible Technologien nur an zugelassene Partner geliefert werden.

Bürokratie im Wandel: erste Signale für Entlastung

Trotz wachsender sicherheitsrelevanter Herausforderungen gibt es zumindest einen Lichtblick: Auch auf EU-Ebene wächst das Bewusstsein, dass übermäßige bürokratische Komplexität Innovation und Effizienz hemmen kann. Initiativen zur Vereinfachung von Berichtspflichten, digitale Compliance-Prozesse und die Harmonisierung von Standards zeigen, dass wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Regulierung kein Widerspruch sein müssen. Für Unternehmen ist die Richtung klar: Wer Regulierung frühzeitig strategisch integriert, kann daraus Effizienz, Planbarkeit und Wettbewerbsvorteile gewinnen.

Ausblick

2026 wird kein Jahr der Zurückhaltung, sondern ein Jahr der bewussten Entscheidungen. Cybersecurity, KI, 5G und sichere Embedded-Systeme wachsen weiter zusammen. Resilienz wird zur neuen Währung – technologisch, wirtschaftlich und strategisch. Unternehmen, die heute in sichere, softwaregetriebene und vernetzte Lösungen investieren, schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum in einem zunehmend komplexen Umfeld.

Interdisziplinäre Vernetzung und die Integration von Security, Echtzeitfähigkeit und KI in industrielle Plattformen werden entscheiden, wer erfolgreich bleibt. Kontron wird auch hier seiner Verantwortung gerecht und nimmt eine Schlüsselrolle ein, indem es Kunden unterstützt, ihre Systeme robust, flexibel und zukunftssicher zu gestalten.

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  • Die 5G-Konnektivitätslösung ermöglicht eine stabile und leistungsstarke Datenübertragung für industrielle Anwendungen. Sie ist auf eine flexible Integration in anspruchsvolle Netzwerkumgebungen ausgelegt.

    Die 5G-Konnektivitätslösung ermöglicht eine stabile und leistungsstarke Datenübertragung für industrielle Anwendungen. Sie ist auf eine flexible Integration in anspruchsvolle Netzwerkumgebungen ausgelegt.

    Bild: Kontron

  • Das 5G-Modul Cobra ist eine kompakte M.2-Lösung für hochschnelle Konnektivität in industriellen Systemen. Es unterstützt Sub-6-GHz-Bänder sowie mmWave-Technologie und bietet niedrige Latenzzeiten mit Datenraten bis zu mehreren Gbit/s.

    Das 5G-Modul Cobra ist eine kompakte M.2-Lösung für hochschnelle Konnektivität in industriellen Systemen. Es unterstützt Sub-6-GHz-Bänder sowie mmWave-Technologie und bietet niedrige Latenzzeiten mit Datenraten bis zu mehreren Gbit/s.

    Bild: Kontron

  • Das KTN25130-5G NAD kombiniert 5G-Konnektivität mit einer VRayCam 35mm für hochauflösende Bildaufnahmen in industriellen Umgebungen. Die Lösung gewährleistet latenzarme Datenübertragung und präzise optische Erfassung mit Weitwinkel-35-mm-Objektiv für Anwendungen wie Überwachung und Prozesskontrolle

    Das KTN25130-5G NAD kombiniert 5G-Konnektivität mit einer VRayCam 35mm für hochauflösende Bildaufnahmen in industriellen Umgebungen. Die Lösung gewährleistet latenzarme Datenübertragung und präzise optische Erfassung mit Weitwinkel-35-mm-Objektiv für Anwendungen wie Überwachung und Prozesskontrolle

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