Jensen Huang, Gründer und CEO von Nvidia: „Diese Kombination hat enorme Vorteile für beide Unternehmen, unsere Kunden und die Industrie.“

Bild: Nvidia

Milliardengeschäft am Elektronik-Markt Nvidia kauft ARM

16.09.2020

Der Prozessor-Hersteller Nvidia will ARM für 40 Milliarden US-Dollar übernehmen. Indem Nvidias KI-Computing-Plattform mit dem riesigen Ökosystem von ARM verschmilzt, soll ein führendes Computerunternehmen für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz entstehen. Der Vorgang wird von vielen Seiten kritisch beäugt.

Am 13. September 2020 wurde bekannt, dass Nvidia die im britischen Cambridge ansässige ARM Holdings vom bisherigen Eigner SoftBank für 40 Milliarden US-Dollar übernehmen wird. Die Technologie-Kombination beider Unternehmen soll vor allem Innovationen im Bereich KI voranbringen.

„KI ist die stärkste technologische Kraft unserer Zeit und hat eine neue Welle des Computings ausgelöst“, sagt Jensen Huang, Gründer und CEO von Nvidia. „In den kommenden Jahren werden Billionen von Computern mit KI ein neues Internet der Dinge schaffen, das tausendmal größer ist als das heutige Internet der Menschen.“ Die Kombination habe „enorme Vorteile für beide Unternehmen“ sowie auch für deren Kunden.

Cambridge soll zum KI-Exzellenzzentrum werden

Nach Angaben von Nvidia soll ARM nach der Transaktion sowohl mit Namen, Marke und Zentrale in Cambridge weiterbestehen. Auch das geistige Eigentum von ARM soll in Großbritannien verortet bleiben, das Modell der offenen Lizenzvergabe weitergeführt werden. 180 Milliarden Chips hat ARM eigenen Angaben zufolge bereits von seinen Lizenznehmern ausgeliefert.

Basierend auf der F&E-Präsenz von ARM plant Nvidia unter anderem, ein neues globales Exzellenzzentrum für KI-Forschung auf dem ARM-Campus in Cambridge aufzubauen. Es soll in einen hochmodernen, von ARM betriebenen KI-Supercomputer investiert werden, ebenso in Schulungseinrichtungen für Entwickler und einen Start-up-Inkubator. Letzterer dient dazu, Forschungstalente anzuziehen und eine Plattform für Innovation und Industriepartnerschaften in Bereichen wie Gesundheitswesen, Robotik und selbstfahrende Autos zu schaffen. „ARM Cambridge wird ein Technologiezentrum von Weltklasse sein“, sagt Huang.

„ARM und Nvidia teilen die Vision und Leidenschaft, dass allgegenwärtiges, energieeffizientes Computing dabei helfen wird, die dringendsten Probleme der Welt zu lösen, vom Klimawandel bis zum Gesundheitswesen, von der Landwirtschaft bis zur Bildung“, ergänzt Simon Segars, CEO von ARM. „Indem wir die technischen Stärken unserer beiden Unternehmen zusammenführen, können wir unseren Fortschritt beschleunigen und neue Lösungen schaffen, die ein globales Ökosystem von Innovatoren ermöglichen.“

Geplante Übernahme stößt auf weltweite Kritik

Doch der Milliarden-Deal zwischen den beiden Unternehmen wird nicht von wenigen Parteien kritisch beäugt. So meldete sich unter anderem der stellvertretende Generalsekretär der Semiconductor Industry Association in Peking, Zhu Jing, zu Wort, wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) schreibt. Demnach sagte er der Zeitung The Paper: „Zwar hat Nvidia versprochen, die Unabhängigkeit von ARM zu wahren, angesichts des gegenwärtigen geopolitischen Klimas wird aber jeder die Transaktion mit Misstrauen verfolgen.“

Auch die Kartellbehörden würden sich die Vorgänge genau ansehen, berichtet die NZZ weiter. Und europäische Chiphersteller hätten zudem Bedenken, „dass Nvidia künftig die Forschungsstrategie bei ARM festlegen und damit allein darüber entscheiden könnte, wohin [...] technologisch die Reise geht.“

Vorerst unterliegt die Transaktion noch den üblichen Abschlussbedingungen, einschließlich des Erhalts der behördlichen Genehmigungen für Großbritannien, China, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten. Der Abschluss soll erwartungsgemäß in etwa 18 Monaten erfolgen.

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  • Der Abschluss der Transaktion soll in rund 18 Monaten erfolgen.

    Bild: Nvidia; Arm

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