Der im Überfluss produzierte Wind im Norden soll zum Heizen genutzt werden und dadurch den Einsatz von Kohle reduzieren.

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Mit Wind heizen Neue Wind-zu-Wärme-Anlage spart künftig 100.000 Tonnen CO2

25.07.2022

Mit der Power-to-Heat-Anlage in Wedel sollen mit einer Leistung von 80 MW künftig 27.000 Wohneinheiten mit Fernwärme versorgt werden. Darüber hinaus werden pro Jahr 100.000 Tonnen CO2 eingespart.

Der Rohbau für eine der größten Wind-zu-Wärme-Anlagen dieser Art in Deutschland ist fertig: Hamburgs Staatsrat für Umwelt, Klima, Energie & Agrarwirtschaft Michael Pollmann hat heute gemeinsam mit Dr. Frank Golletz, technischer Geschäftsführer von 50Hertz, sowie Kirsten Fust, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke auf dem Gelände des Heizkraftwerks in Wedel den Richtkranz für die neue Anlage gehoben.

Koppelung von Strom und Wärme

Die Power-to-Heat-Anlage (P2H) wird künftig Windstrom in Fernwärme zum Heizen umwandeln. Mit der Fähigkeit, die Verbrauchsformen Strom und Wärme miteinander zu koppeln, trägt die neue Anlage dazu bei, den von den Windkraftanlagen auf See und an Land erzeugten Strom regional und effizient zu nutzen und dadurch die Wärmeerzeugung auf Erneuerbare Energien umzustellen.

Mit einer Leistung von 80 MW können rund 27.000 Wohneinheiten mit Fernwärme versorgt werden. Die Inbetriebnahme ist für die Heizperiode 2022/2023 geplant. Die Investitionskosten für die Anlage und deren Anbindung an das Stromübertragungsnetz betragen rund 31,5 Millionen Euro.

Durch den Einsatz der Anlage können ab 2023 pro Jahr bis zu 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Gleichzeitig kann der Kohleeinsatz im Heizkraftwerk Wedel bis zur Stilllegung um rund 50.000 Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Funktionsweise der Anlage

Die flexibel einsetzbare Anlage funktioniert nach dem Prinzip eines Tauchsieders. Windstrom wird genutzt, um Wasser zu erwärmen, das in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Künftig soll die P2H-Anlage dann eingesetzt werden, wenn im Norden mehr Windstrom erzeugt wird, als über die Stromleitungen abtransportiert werden können.

Um diese Engpasssituation abzumildern, kann die Wärme Hamburg auf Anforderung von 50Hertz die P2H-Anlage aktivieren und den Strom zur Wärmeerzeugung nutzen. Dieser Strom müsste anderenfalls abgeregelt werden.

Gelungene Partnerschaft

Michael Pollmann, Staatsrat für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Rund 27.000 Wohneinheiten können künftig durch diese Wind-zu-Wärme-Anlage mit Fernwärme versorgt werden. Das ist nicht nur mit Blick auf die aktuelle Energiesituation und den kommenden Winter eine gute Nachricht, sondern auch ein Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende. Der Norden produziert Windenergie im Überfluss – statt sie abzuregeln, nutzen wir den Überschuss zum Heizen. Das ist effizient, reduziert den Einsatz von Kohle und spart jährlich bis zu 100.000 Tonnen CO2 ein.“

Kirsten Fust, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke: „Im unserem Hamburger Fernwärmesystem spielt auch Wind als erneuerbarer Energieträger eine große Rolle. Mithilfe von Power-to-Heat-Anlagen können wir nicht nur Wärme regenerativ durch elektrische Energie erzeugen, sondern erhöhen gleichzeitig auch die Ressourceneffizienz. Unsere Windzu-Wärme-Anlage in Wedel ist unsere zweite Power-to-Heat-Anlage mit der wir den Einsatz fossiler Energieträger und Emissionen senken und den Umbau unserer Wärmeerzeugung weiter umsetzen. Auf dem Weg zur Dekarbonisierung erreichen wir damit einen weiteren wichtigen Meilenstein.“

Dr. Frank Golletz, technischer Geschäftsführer 50Hertz: „Nach der Grundsteinlegung im Vorjahr feiern wir heute den nächsten wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zur planmäßigen Inbetriebnahme. In Partnerschaft mit den Hamburger Energiewerken realisieren wir hier nicht nur ein Projekt, das dem Klimaschutz dient. Wir leisten auch einen Beitrag dazu, Energie so effizient wie möglich zu nutzen. Denn das ist gerade jetzt vor dem Hintergrund stark steigender Energiekosten und drohender Versorgungsengpässe umso wichtiger. Solche Anlagen können zwar den Ausbau der Stromübertragungsnetze von Nord nach Süd und Ost nach West nicht ersetzen, sie können aber eine wichtige Ergänzung sein, um Netzengpässe zu entschärfen und Netzstabilität zu gewährleisten.“

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