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Anlagen gemäß Hygienic-Design-Richtlinien auszulegen, kann Kontamination und anderen Problemen in der Lebensmittelindustrie vorbeugen. Und doch verzichten viele Hersteller nach wie vor darauf.

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Umfrage zu hygienischen Komponenten Nachgefragt: Warum sollten Firmen auf Hygienic Design setzen?

16.10.2020

Hygienic Design reduziert Risiken in der Lebensmittelproduktion und wird für Unternehmen aus diesem Bereich immer wichtiger. Trotzdem kalkulieren Lebensmittelproduzenten die Anlagenreinigung teilweise gar nicht in ihre Planung mit ein. Wie kann hier ein Umdenken bewirkt werden? Wir haben bei Experten nachgefragt.

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Viele Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie berücksichtigen die hygienische Auslegung von Komponenten nicht in ihrer Planung. Produktionsanlagen werden häufig immer noch rein unter Kostenaspekten gebaut, weil Anwender nicht bereit sind, mehr Geld für Hygienic-Design-Komponenten auszugeben.

Warum ist das so, und was lässt sich dagegen unternehmen? Experten aus der Branche geben in unserer Bildergalerie Antworten:

Bildergalerie

  • Dr. Christine Schweder, Branchenmanagerin, Labom: Hygienic Design ist zwar in der Anschaffung etwas kostenintensiver, langfristig sind aber Einsparungen zu erwarten. Anlagen mit gut zu reinigenden Komponenten können schneller und vor allem im CIP-Verfahren gereinigt werden. Das spart Personalkosten und verkürzt die Rüstzeit. Aufgrund des hohen Kostendrucks in der Lebensmittelbranche müssen Stillstandzeiten minimiert werden. Bedenkt man, dass nur eine Verunreinigung eines Produkts aufgrund mangelnder Hygiene für Unternehmen schwerwiegende wirtschaftliche Folgen vom Imageverlust bis hin zur Insolvenz haben kann, so wird die Notwendigkeit vom Hygienic Design deutlich. Bei vorausschauender Planung muss eine hygienische Anlage nicht unbedingt teurer sein. Die Anbieter haben sich auf die Anforderungen der Branche eingestellt und bieten zahlreiche hygienische Komponenten an. Der Mehrpreis amortisiert sich über die Laufzeit.

    Bild: Labom

  • Tim Schrodt, Branchenmanager Lebensmittel, Endress+Hauser: In der Lebensmittelindustrie liegen die Budget-Verantwortlichkeiten für Anschaffung und Betrieb der Anlage oft in verschiedenen Händen. Um die Bereitschaft zu erhöhen, für Hygienic Design das entsprechende Geld zu investieren, müssen die Verantwortlichen für CAPX und OPEX an einem Tisch sitzen. Das Konzept für Hygienic Design funktioniert nur, wenn es von der Planung der gesamten Produktionseinrichtung über das Personal bis hin zum Betrieb sowie zur Reinigung und Wartung konsequent angewendet wird. Das Wissen dafür steht zur Verfügung, zum Beispiel durch Organisationen wie die European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG). Dieses muss jedoch weiterverbreitet und geschult werden. Hygienic Design konsequent angewendet kostet nicht mehr Geld, sondern hilft, dieses zu sparen.

    Bild: Endress+Hauser

  • Stephan Feicho, Technical Sales Hygienic Solutions, Viscotec: Einer der häufigsten Beanstandungsgründe in der Lebensmittelindustrie sind kontaminierte Produkte in Folge unzureichender Reinigung der Anlage und deren Komponenten. Durch konsequentes Hygienic Design können aufwendige Rückrufaktionen, eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher und hohe Reinigungs- und Folgekosten vermieden werden. Zusätzlich kann die Reinigungseffizienz durch eine reinigungsgerechte Gestaltung der Anlagenkomponenten gesteigert werden. Viscotec-Hygienic Dispenser sind beispielsweise unter Berücksichtigung der Hygienic-Design-Grundsätze konzipiert. Damit können zusätzliche Reinigungszeit, Ressourcen oder gar Ausfallzeiten eingespart werden. Ein effizientes Reinigungsdesign kostet nicht, sondern zahlt sich aus.

    Bild: Viscotec

  • Joachim Liedtke, Leiter Entwicklungsabteilung, Engelsmann: Hygienic-Design–Komponenten bieten Nahrungsmittelproduzenten in puncto Reinigung zwei entscheidende Vorteile: Durch verbesserte, konstruktive Merkmale wird mit überschaubarem Reinigungsaufwand ein optimales Reinigungsergebnis erzielt. Fehlen Features wie Totraumfreiheit oder vergrößerte Radien bei Ecken und Kanten, ist eine gründliche Reinigung in der Regel nur durch aufwendige Reinigungsprozesse und die Demontage einzelner Komponenten realisierbar. Bei hoher Reinigungsfrequenz entstehen so Mehrkosten, die bei Investitionsentscheidungen nicht vernachlässigbar sind. Zusammen mit den Kosten einer Rückrufaktion sowie den Umsatzverlusten und Imageschäden im Falle einer Krise relativieren sich die etwas höheren Kosten für Hygienic Design sehr schnell.

    Bild: Engelsmann

  • Heiko Emde, Markt Segment Manager Food & Pharma/Business Development Manager, Pflitsch: Food-Produktionsanlagen ausschließlich unter Kostenaspekten zu konstruieren und zu bauen, kann bei Lebensmittel-Verunreinigungen hohe Folgekosten und beim Rückruf von Chargen einen Imageschaden verursachen. Hersteller und Zulieferer sind gut beraten, das Design ihrer Anlagen hygienefreundlich zu gestalten. So sollten auch Komponenten, wie zum Beispiel Kabelverschraubungen, möglichst so optimiert werden, dass eine zuverlässige Reinigung gewährleistet ist beziehungsweise sich keine Bakteriennester bilden können. Statt auf Standardlösungen zu vertrauen, sollte man von Anfang an auf Sicherheit setzen – zum Beispiel auf die EHEDG-zugelassenen Kabelverschraubungen Blueglobe Clean Plus aus Edelstahl oder lebensmittelechtem Kunststoff mit glatten, spaltfreien Oberflächen und gerundeten Übergängen.

    Bild: Pflitsch

  • Andreas Grau, Field Segment Manager Hygienic, Bürkert: Wir stellen fest, dass bei Neuinvestitionen oftmals die reinen Anschaffungskosten betrachtet und gegenübergestellt werden. Dabei bleiben die sogenannten „Total Costs of Owership“ aber weitestgehend unberücksichtigt. Oft sind es äußere Einflüsse, zum Beispiel die Notwendigkeit entsprechender Zertifizierungen, die einen Wandel einleiten. Ein Umdenken von innen heraus ist immer dann zu beobachten, wenn sich ein Buyingcenter aus Engineering, Betreiber und auch Controlling gemeinsam für die Anlagenbeschaffung verantwortlich zeichnen. Dann spielen neben den Beschaffungskosten auch maximale Anlagenverfügbarkeit und Kosten für Betriebsstoffe eine angemessene Rolle. Beide sind durch die angesprochenen höherwertigen Hygienic-Design-Komponenten unmittelbar beeinflussbar.

    Bild: Bürkert

  • Joachim Zipp, Global Market Segment Manager Food and Pharma, Process Instrumentation, Wika: Zu teuer – dieses Urteil zu Hygienic Design relativiert sich rasch mit Blick auf Betriebs- und Folgekosten. Beim Reinigungsprozess zum Beispiel senkt Hygienic Design den Verbrauch von Energie, Wasser und Reinigungsmitteln sowie den Zeitaufwand. Was noch schwerer wiegt als der Sparaspekt: Ohne Hygienic Design erhöht sich das Hygienerisiko. Die potenziellen Folgen bleiben in der Investitionsphase oft unberücksichtigt. Das heißt: Erst wenn ein Batch verworfen werden oder gar ein Rückruf gestartet werden muss, treten die Schwächen der Anlagenplanung zutage. Die konsequente Anwendung von Hygienic Design minimiert solche Risiken. Für die Prozessinstrumentierung zum Beispiel gibt es mittlerweile eine Vielzahl hygienegerechter Messgeräte und Fittings.

    Bild: Wika

  • Martin Eppinger, Branchenmananger Lebensmittel & Getränke, Jumo: Was in großen Anlagen bereits Standard ist, erscheint im Maschinenbau oft unverhältnismäßig und teuer. Deshalb wird beispielsweise immer wieder auf den bekannten „Milchkegel“-Prozessanschluss zurückgegriffen. Oft findet man in Anlagen und Maschinen auch eine Vielzahl unterschiedlicher Prozessanschlüsse. Eine Vereinheitlichung der Anschlüsse für alle Messgrößen reduziert die Ersatzteil-, Lager- sowie Wartungskosten und kompensiert dadurch die höheren Anschaffungskosten. Das Peka-Adaptersystem von Jumo zielt mit einem totraumfreien und gut zu reinigendem Design speziell auf die Anforderungen hygienischer Prozesse ab. Die nachweislich leichte Reinigung ohne Demontage der Sensoren reduziert den Einsatz von Reinigungsmitteln, Wasser und Energie. Betrachtet man dann nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die gesamten Kosten des Betriebs der Anlage, so sind die Kosten für die zusätzliche Sicherheit deutlich geringer, als sie anfangs erscheinen.

    Bild: Jumo

  • Dieter Spiegel, Vertrieb, Ruland: Hygienic Design bringt langfristig automatisch wirtschaftlichen Gewinn, weil die konsequente Umsetzung von Hygienic Design Lebensmittelanlagen sauberer, sicherer und umweltschonender macht. Wenn die Aussicht auf diesen Gewinn nachvollziehbar ist, kommt es zum Umdenken. Voraussetzung dafür ist ein optimales Anlagenkonzept, bei dem Hygienic Design auf dem richtigen Qualitätslevel zum Einsatz kommt. Für so unterschiedliche Produkte wie Fruchtsaft oder Öl, Hafermilchkonzentrat, Schokolade oder Aromenwürze müssen maßgeschneiderte Lösungen für optimale Hygiene und gleichzeitig minimierten Produktverlust gefunden werden. Mit Erfahrung und Kreativität gelingt dies immer. So wird Hygienic Design wirtschaftlich und überzeugend.

    Bild: Ruland

  • Bettina Scherer, Head of Division Business Unit Pharma, Food & Biotech, Gemü: Das Konsumverhalten der Bevölkerung verlangt nach Lebensmitteln, die immer länger haltbar sind und weniger chemische Zusätze und Zucker beinhalten. Eine hygienische oder gar aseptische Produktion und Abfüllung unterstützen die längere Haltbarkeit gravierend. Hierzu ist der Einsatz von aseptischen Ventilen notwendig, deren vermeintliche Mehrkosten jedoch mit den Kosten für Maßnahmen zur Verminderung von Keimen gegenzurechnen sind. Wir bieten für diese Anforderungen aseptische Ventile an. Die neu entwickelte PD-Technologie vereint beispielsweise die Vorteile eines Sitzventils mit denen eines Membranventils. Aseptisches Medienhandling, bessere Reinigbarkeit, präzise Regelbarkeit bei hoher Schaltwechselanzahl sind nur einige Vorteile, die Produzenten dabei unterstützen, Lebensmittel sicher herzustellen und damit mittelfristig Kosten einzusparen.

    Bild: Gemü

  • Holger Nichelmann, Product Manager Load Cells, Minebea Intec: Lebensmittelhersteller überlassen beim Bau der Produktionsanlage die Komponentenauswahl oft dem Maschinenbauer. Diese stehen unter starken Kostendruck und haben andere Kennzahlen im Fokus, wie den Durchsatz. Deshalb werden oft Kompromisse gemacht und eben nicht die hygienisch am besten geeignete Lösung verwendet. Komponenten mit Hygienic Design sichern aber die Qualität der Produkte, vermeiden teure Rückrufe und sparen aktiv Geld, weil die Reinigung der Anlagen weniger Zeit und Reinigungsmittel benötigt. Wichtig sind also klare Vorgaben des Lebensmittelherstellers. Hygiene und Reinigbarkeit müssen bei der Auswahl mit geprüft und gegebenenfalls initiale Mehrkosten akzeptiert werden, um auf lange Sicht an Geld zu sparen. Produkte wie unser Wägemodul Novego bieten alle für die Lebensmitteilindustrie wichtigen Vorteile, und die initialen Kosten sind klein.

    Bild: Minebea Intec

  • Ryan Kromhout, Global Industry Division Food Manager, Krohne: Als etablierter Hersteller von Hygienic-Design-Messtechnik würden wir den Anwendern mit günstigen Preisen gerne einen zusätzlichen Anreiz schaffen, ihre Produktionsanlagen komplett mit hygienischer Sensorik auszustatten. Bei den Aufwänden für die hygienische Zertifizierung hat sich aus unserer Sicht die Situation zuletzt aber in die falsche Richtung entwickelt. Es werden nun periodische Re-Zertifizierungen der Designs verlangt, auch wenn keine konstruktiven Änderungen vorgenommen wurden. Deshalb sollten Produkte, die sich als rückstandsfrei zu reinigen erwiesen haben und nicht verändert werden, nicht periodisch überprüft werden müssen. Wenn diese vermeidbaren Kosten wegfallen, fällt damit das Umdenken etwas leichter. Sensorik mit erweiterten Diagnosemöglichkeiten bietet im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung eine höhere Prozesssicherheit und leistet damit auch einen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit.

    Bild: Krohne

  • Klaus Meyer, Senior Sales Engineer, Amixon: Viele Firmen unterschätzen den Reinigungsaufwand von Produktionsanlagen und kalkulieren diesen nicht in ihre Investitionsüberlegungen beziehungsweise Produktionskosten ein. Unsere Mischer bieten hohe konstruktive, teils patentierte Hygienestandards, um die Risiken für den Betreiber von vornherein zu minimieren. Sie entsprechen den Vorgaben der EHEDG und der FDA und erfüllen so höchste Ansprüche für die hygienische Aufbereitung von pulvrigen Gütern. Durch Merkmale wie technisch totraumfreies Mischen, nahezu 100-prozentiger Restentleerung, ergonomisches und effektives Reinigen wird dem Anwender ein Mehrwert vermittelt, welcher am Ende des Tages definitiv profitabel ist. In den meisten Fällen können die Reinigungszeiten der vorhanden Mischanlagen um ein Vielfaches unterboten werden. Dadurch reduzieren sich Stillstandszeiten in den Apparaten während der Produktion – weitere profitabel nutzbare Zeiträume werden geschaffen.

    Bild: Amixon

  • Mike Waskow, Projektmanager, Glatt Ingenieurtechnik & EHEDG-Mitglied: Glatt arbeitet aktiv in der European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) und unterhält intern ein eigenes Kompetenzteam Hygienic Design. Wir arbeiten an der Erstellung und Weiterentwicklung von EHEDG-Richtlinien mit und sehen uns ganz klar in der Mission, unseren Kunden in der Lebensmittelindustrie einen ganzheitlichen Ansatz zu vermitteln – wie er in unserer Pharma-Sparte selbstverständlich ist. Ganzheitlich heißt: von der Konzeption über die Konstruktion und den Bau der Anlage bis hin zum durchdachten Reinigungskonzept auf Basis eines vernünftigen HACCP-Konzepts, dessen Entwicklung wir gern begleiten. Dass sich ein innovationsorientierter Pragmatismus auszahlt, sehen wir jeden Tag: geringere Betriebskosten und seltene Produktionsstopps, weil man die Risiken und Aufgaben kennt und einfach alles im Griff hat.

    Bild: Glatt

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