Energiesysteme die Lebensmittelproduktion dekarbonisieren

Netto-Null in der Lebensmittelindustrie

Energie sparen in der Lebensmittelherstellung: Ein von Gea realisiertes Heiz- und Kühlsystem mit Ammoniak-Wärmepumpe senkt den Verbrauch und die Kosten um bis zu 30 Prozent und trägt so zur Erreichung der Netto-Null-Bilanz bis 2030 bei.

Bild: iStock, Adam Smigielski
08.06.2026

Jahrzehntelang wurde Abwärme einfach an die Luft abgegeben. Der SmartParc in Derby (UK) macht es anders: Ein zentrales System fängt die Abwärme auf, wertet sie auf und verteilt sie an alle Mieter im Park. So rückt das Ziel Netto-Null in Reichweite.

Ein neues Konzept für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zeigt im SmartParc in Derby bereits erste Ergebnisse: Dort nutzen Lebensmittelhersteller nicht nur einen Standort, sondern auch Energie gemeinsam. In Zusammenarbeit mit Gea hat der Standort ein zentrales Heiz- und Kühlsystem implementiert, das seit zwei Jahren erfolgreich in Betrieb ist. Es fängt Abwärme aus mehreren Lebensmittelbetrieben auf und verteilt sie weiter. Das Ergebnis ist ein gemeinsames Energiesystem, das den Energieverbrauch und die Kosten um bis zu 30 Prozent senkt und die Erreichung der Netto-Null-Bilanz bis 2030 unterstützt.

Moderne Fabrik für die Lebensmittelproduktion

Als Lebensmittelproduktionspark der nächsten Generation konzipiert, vereint SmartParc moderne, zweckgebaute Fabriken an einem einzigen Standort. Diese sind durch eine gemeinsame Infrastruktur und ein zentrales Energiezentrum miteinander verbunden. Die Mieter profitieren sowohl von den gemeinsam genutzten Einrichtungen als auch vom Zugang zu zurückgewonnener Energie. Dadurch entsteht eine effizientere und zukunftsfähige Produktionsumgebung.

Was früher verpuffte, heizt heute

Im Mittelpunkt des Konzepts steht ein neues Heiz- und Kühlsystem, das in Zusammenarbeit mit Gea realisiert wurde. Anstatt überschüssige Wärme an die Atmosphäre abzugeben, fängt SmartParc sie auf, wertet sie auf und verteilt sie über ein mehr als 11 km langes Fernwärmenetz im gesamten Park.

„SmartParc betrachtete das Projekt von Anfang an als Nachhaltigkeitsprojekt“, sagt John Burden, Director Project Sales Heating and Refrigeration Solutions bei Gea UK. „Anstatt Wärme an die Umgebung abzugeben, haben wir ein System entwickelt, das sie zurückgewinnt, durch eine Ammoniak-Wärmepumpe aufwertet und an alle Nutzer im Park weiterverteilen kann.“ Dadurch entsteht ein geschlossenes Energiesystem, das Abwärme auffängt und in eine wertvolle Ressource umwandelt. Angeschlossene Unternehmen können je nach Bedarf Wärme oder Kälte aus dem Netz beziehen, unabhängig davon, ob sie die Energie selbst erzeugt haben.

Wenn die Infrastruktur die Arbeit übernimmt

Für Phil Lovell, den COO von SmartParc Europe, ist dieses gemeinsame Modell ein Meilenstein für eine Branche, die unter Druck steht. „Viele Lebensmittelbetriebe in Großbritannien und Europa sind mehr als 20 Jahre alt“, sagt Lovell. „Sie sind an veraltete Gebäude gebunden, die nicht effizient sind. Durch den Bau moderner Anlagen und die zentrale Energieverwaltung können wir die Kosten deutlich senken und die Nachhaltigkeitsbilanz für unsere Mieter verbessern.“

Der Park liefert derzeit rund 5 MW Kühlleistung und 2,5 MW Heizleistung. Mit dem Einzug neuer Mieter wird sich die Kapazität mehr als verdoppeln. Entscheidend ist, dass das System bereits bei einer Auslastung von nur fünf Prozent betrieben werden kann. Das sorgt auch bei schwankendem, saisonalem Bedarf für Effizienz. Das vielleicht auffälligste Ergebnis ist, dass praktisch überhaupt keine Abwärme anfällt. „Wir haben hier keine Abwärme“, sagt Lovell. „Die gesamte Wärme wird wiederverwendet. Für jedes Kilowatt Strom, das wir verbrauchen, erzeugen wir 3 KW Kühlleistung und 4 KW Heizleistung. Das ist der springende Punkt des Systems.“

Ammoniak: Ohne Chemie zur Klimabilanz

Ein Schlüsselelement des Systems ist die Verwendung von Ammoniak als natürliches Kältemittel. Im Gegensatz zu synthetischen Kältemitteln ist Ammoniak umweltfreundlich und äußerst effizient. „Ammoniak hat hervorragende thermodynamische Eigenschaften“, erklärt Burden. „Es ermöglicht uns, sowohl zu kühlen als auch zu heizen und dabei deutlich weniger Energie zu verbrauchen als herkömmliche Systeme. Das unterstützt die Netto-Null-Ziele von SmartParc direkt.“

In der Praxis bewährt, skalierbar für die Zukunft

Das Energiezentrum ist seit zwei Jahren erfolgreich in Betrieb und sorgt für niedrigere Energiekosten, reduzierte Emissionen und messbare ESG-Vorteile für die Mieter. Für Gea zeigt das Projekt, wie fortschrittliche Wärmepumpentechnologie und integrierte Technik einen systemischen Wandel im großen Maßstab ermöglichen können. Da die Lebensmittelindustrie unter zunehmendem Druck steht, zu dekarbonisieren und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben, bietet SmartParc ein praktisches, bewährtes Modell: Zusammenarbeit statt Isolation, gemeinsame Infrastruktur statt Doppelung und eine Technik, die auf eine bessere Nutzung von Ressourcen ausgelegt ist.

Bildergalerie

  • Integriertes Kälte- und Wärmepumpensystem von Gea im SmartParc Energy Centre.

    Integriertes Kälte- und Wärmepumpensystem von Gea im SmartParc Energy Centre.

    Bild: GEA

  • Im SmartParc in Derby (Großbritannien) wird ein neues Konzept für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion umgesetzt. Dabei nutzen Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie den Standort und die Energie gemeinsam.

    Im SmartParc in Derby (Großbritannien) wird ein neues Konzept für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion umgesetzt. Dabei nutzen Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie den Standort und die Energie gemeinsam.

    Bild: GEA

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