Aleš Drábek ist Chief Digital & Disruption Officer (CDDO) bei Conrad Electronic.

Bild: Conrad Electronic

Kommentar von Aleš Drábek, Conrad Electronic Mittendrin in der Cloud

31.07.2019

Digitale Transformation ist manchmal ein bisschen wie Rudern über einen sehr, sehr großen See. Wer das andere Ufer erreichen will, darf nicht aufgeben. Vor allem, wenn man schon mehr als die halbe Strecke geschafft hat. Alles andere ergibt für mich als Mathematiker definitiv keinen Sinn.

Wenn mein Team mir manchmal vorwirft, dass ich zu viele Themen in zu kurzer Zeit anpacken will, dann sage ich genau das. Wobei ich zugeben muss: In diesen digitalen Zeiten fühlt sich der See manchmal eher an wie ein stürzender Wasserfall. Doch wenn ich sehe, wie sich die Märkte in der ganzen Welt verändern, dann kann ich nicht anders. Dann muss ich Althergebrachtes in Frage stellen.

Auch bei Conrad beweisen die nackten Zahlen, welches Tempo die Digitalisierung vorlegt: Zu Beginn des Jahrtausends gab es etwa 50.000 Produkte in unserem Online-Shop. Heute sind es für B2C-Kunden bereits 800.000, und mit unserer Marketplace-Integration wächst vor allem die Zahl der Produkte für unsere Businesskunden extrem schnell: Aktuell sind über 3 Millionen B2B-Artikel auf conrad.de gelistet, bereits fürs Jahr 2020 rechnen wir mit 10 Millionen.

Drei zentrale Aspekte

Dass es da enorme Datenmengen zu verwalten gilt, ist klar. Dazu kommt das Erfordernis nach weltweiter Vernetzung und der Wunsch unserer B2B-Kunden nach einfacher Beschaffung mit Mehrwert. Unsere Strategie: digitale Platform- und Cloud-Lösungen, die sowohl intern als auch extern bessere Performance ermöglichen.

Herausforderung Nummer 1: conrad.de zur best-performenden Plattform für technisch orientierte Produkte und digitale Services machen. Anders gesagt: Das Conrad-Verkaufsmodell mit Filialen, Katalog und klassischem Online-Shop in eine digitale Plattform mit Fokus auf B2B transformieren und mit eigenen und gebührenbasierten Services anderer Anbieter aufwerten. Ein konkretes Beispiel ist die IoT-Plattform Conrad Connect, auf der User smarte Geräte unterschiedlicher Hersteller vernetzen und sogar mit realen Dienstleistungen im Bereich Smart Living verknüpfen können.

Tool Nummer 2: Die Google Cloud Platform (GCP), die es unseren Softwareentwicklern ermöglicht, innovativer zu agieren und aufwendige Prozesse wie beispielsweise das Testing zu automatisieren. Der Vorteil: Die Entwickler können sich auf ihre echten Aufgaben konzentrieren, um Kundenanforderungen schnell und bedarfsorientiert zu realisieren. Verstärkt wollen wir hier auch auf Machine-Learning-Technologien setzen, um die Kunden-Experience weiter zu verbessern.

Change Nummer 3: Die Transformation einer hierarchischen Organisationsstruktur in ein agiles Unternehmen, dessen Mitarbeiter weltweit in cross-funktionalen Teams vernetzt sind. Um das zu ermöglichen, haben wir G Suite und Confluence sowie Jira als zentrale Tools im Einsatz, um einen unkomplizierten Zugriff auf alle projektrelevanten Daten und effektive Entscheidungen zu ermöglichen.

Coole neue Features

Natürlich geht auch uns manchmal kurz die Puste aus. Zum Beispiel erinnere ich mich an den Moment, als wir bei unserem Lift-&-Shift-Projekt (also der Verschiebung unserer gesamte eCommerce-Plattform in die Cloud) erkannt haben, dass wir unsere alten Oracle-Datenbanken innerhalb weniger Monate durch eine neue Open-Source-Datenbank austauschen müssen.

Aber mal ehrlich: Wenn wir dann coole neue Features an den Start bringen und sehen, mit welcher Begeisterung unsere Kunden diese Technologien nutzen, dann sind alle im Boot bereit, ihre Schlagzahl nochmal zu erhöhen. Und vor allem das macht mich stolz.

Aleš Drábek war mit diesem Beitrag im E&E-Kompendium 2019/2020 als Macher der Elektronikwelt vertreten.

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