Dr. Olaf Unruh, Jahrgang 1964, studierte Physik und promovierte im Bereich Energietechnik. 1996 bis 1999 war er Projektmanager und -controller bei RWE. Nach Stationen in verschiedenen internationalen Management-Beratungen war er als selbständiger Berater tätig und seit 2011 als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Meliorate. 2015 übernahm er als Geschäftsbereichsleiter den Bereich der Netzberatung und wurde Mitglied in der Geschäftsleitung bei BET. Im Juli 2017 wurde die Geschäftsführung auf ihn und Herrn Dr. Alexander Kox übertragen.

Bild: BET

Energiewelt von morgen „Masterplan für die Energiewende“

07.09.2020

Schon seit 1988 begleitet das Beratungsunternehmen BET die Energiewirtschaft bei diversen Transformationsprozessen. Die Herausforderungen sind heute unter anderem mit einer zunehmenden Verlagerung der Wertschöpfung hin zum Kunden besonders groß.

Dr. Olaf Unruh ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Dr. Olaf Unruh ist klar, auf was es bei der Bewältigung der Energiewende ankommt: „Wir brauchen eine konsequente und umfassende Bepreisung des CO2-Ausstoßes statt eines Wirrwarrs vieler teilweise widersprüchlicher Anreize.“ Dies lässt sich laut dem Geschäftsführer von BET nur in verstärkter europäischer und internationaler Zusammenarbeit umsetzen. Zudem fordert er einen Masterplan für die Energiewende, der aufzeige, wie die inhaltlichen Ziele in der notwendigen Geschwindigkeit umzusetzen sind. Unruh, der seit 2017 gemeinsam mit Dr. Alexander Kox das Unternehmen führt, macht klar: „Wir brauchen mehr Tempo und die Überwindung des gesellschaftlichen Beharrungsvermögens ist von großer Dringlichkeit.“ Dass sich in diesem Umfeld die komplette Energiewelt verändert, ist keine Neuheit. Unruh beschreibt die besonderen Herausforderungen für die Energiewirtschaft so: „Man muss die Komplexität im Transformationsprozess beherrschen und gleichzeitig die notwendige Innovation fördern.“ Die Wertschöpfung verlagere sich in diesem Kontext zunehmend zum Kunden, dezentrale flexible Verbraucher und Erzeuger prägten die Energiewelt von morgen. Diese wiederum benötigten Dienstleister, die das mit ihnen und für sie managen.

Konsequent in Netzwerken denken

Doch auch die Unternehmensberatung selbst, die sich als Vordenker für die Energiewelt von morgen sieht, steht vor ähnlichen Herausforderungen. Der Geschäftsführer kündigt an, künftig ein noch größeres Augenmerk auf die Personalentwicklung zu legen: „Obwohl wir auch bislang schon von unserer Diversität profitieren, sind wir in der Pflicht, vermehrt verschiedenartige Fähigkeiten projektbezogen für unsere Lösungsangebote zusammenzubringen und dabei konsequent in Netzwerken zu denken“. Den großen Umbruch gab es bei BET im Jahr 2017 als Dr. Wolfgang Zander und Dr. Michael Ritzau, die 1988 das Unternehmen gründeten, in den Stand der Generalbevollmächtigten wechselten. Unruh und Kox übernahmen damit das Ruder. Mit dem Generationswechsel haben sich die Aachener auch eine neue Struktur gegeben. Unruh beschreibt die Veränderungen so: „Wir verzichteten auf eine Hierarchieebene und fordern und fördern mit noch klareren Rollendefinitionen eigenverantwortliches Arbeiten.“ In vielen Projekten haben die Energiewirtschaftler aus Aachen schon ihre Expertise bewiesen. Unruh hebt drei hervor. Neben der Konzeptionierung der Wärmewende in den beiden Großstädten Hamburg und Berlin inklusive der Begleitung des Konsultationsprozesses nennt er die Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums in Fragen zur Digitalisierung der Energiewende. Hier geht es unter anderem um die Neuregelung des §14a EnWG zur netzorientierten Steuerung flexibler Verbrauchseinrichtungen. Als drittes Beispiel erwähnt er die Roadmap zum SMGW 2.0, bei dem zukünftige Einsatzbereiche in den Themenfeldern Smart Grid, Smart Mobility sowie Smart- und Submetering diskutiert werden.

Pandemie könnte positive Auswirkungen haben

Nachhaltig negative Auswirkungen aufgrund der Corona-Pandemie die auf die Branche zukommen, sieht der promovierte Ingenieur übrigens nicht. Kurz- und mittelfristig rechnet er zwar mit einem Rückgang bei Investitionen, etwa beim Netzausbau und in der Liquidität durch das Zahlungsmoratorium, sowie mit einer beschleunigten Umstellung der Prozesse von der Kundenschnittstelle über die internen Abläufe bis hin zur Steuerung von Dienstleistern. Langfristig werde die Attraktivität der Branche auch als Arbeitgeber aber wieder zunehmen, prognostiziert er. Die Pandemie könnte sogar positive Auswirkungen mit sich bringen. „Im besten Fall findet ein Umdenken, hin zu einem mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Wirtschaften statt“, sagt Unruh.

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