Der Ausbau der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie erhöht den Bedarf an qualifizierten Fertigungskapazitäten für Zeichnungsteile. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Lieferfähigkeit sicherstellen und die Einhaltung von Compliance-Anforderungen sowie die Datensouveränität gewährleisten. Versorgungssicherheit ist eine der zentralen Anforderungen im Verteidigungsbereich. Lieferausfälle, Kapazitätsengpässe oder fehlende Zertifizierungen können ganze Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. „Eine große Gefahr ist die Abhängigkeit von einzelnen Fertigern. Sie dürfen nicht zum Single Point of Failure werden. Unsere Anti-Single-Source-Strategie integriert alternative Fertigungsquellen deshalb früh in den Beschaffungsprozess“, erklärt Moritz König, CEO von Facturee.
Das Unternehmen übernimmt die Beschaffung von Präzisions- und Zeichnungsteilen, auch für Projekte mit erhöhten Anforderungen an Lieferfähigkeit, Qualität und Dokumentation. Über das Netzwerk lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Bezugsquellen reduzieren. Fällt ein Fertigungspartner aus oder entsteht ein Engpass, greift Facturee auf alternative, vorab geprüfte Partner zurück. Darüber hinaus können zusätzliche Bedarfe über das Verteidigungsindustrie-Netzwerk kurzfristig skaliert werden, ohne dass neue Lieferanten qualifiziert oder bestehende Lieferketten neu aufgebaut werden müssen.
Compliance beginnt bei der Lieferantenauswahl
Neben der Versorgungssicherheit spielt im Verteidigungsbereich die Einhaltung regulatorischer Anforderungen eine zentrale Rolle. Bereits bei der Lieferantenauswahl entscheiden Zertifikate, Materialnachweise und Prüfprotokolle darüber, ob ein Auftrag belastbar vergeben werden kann. Je nach Projekt sind zudem ITAR-freie Lieferketten und eine BAFA-konforme Ausgestaltung von Export- und Lieferprozessen wichtig.
Facturee prüft projektbezogen, welche Fertigungspartner die geforderten Nachweise erbringen können. Dazu zählen je nach Anwendung beispielsweise ISO 9001, AS 9100 beziehungsweise EN 9100 für Luft- und Raumfahrtanwendungen, Werkstoffzertifikate nach EN 10204, Erstmusterprüfungen nach AS 9102 beziehungsweise EN 9102 oder EMPB. Bei Sonderverfahren, Schweißarbeiten oder Oberflächenbehandlungen können zusätzliche Anforderungen wie NADCAP, DIN 2303 oder VG-Normen relevant sein.
„Dokumentation ist im Defence-Umfeld Voraussetzung dafür, dass Beschaffung funktioniert. Kunden müssen nachvollziehen können, welcher Partner ein Bauteil gefertigt hat, welche Nachweise vorliegen und ob die Anforderungen auf Bauteilebene erfüllt sind“, erklärt Moritz König. Full Compliance und Full Traceability werden daher bereits früh im Beschaffungsprozess berücksichtigt. Facturee entwickelt die Prozesse in diesem Bereich kontinuierlich weiter – unter anderem durch automatisierte Compliance-Filter bei der Lieferantenauswahl und eine lückenlose Dokumentation auf Bauteilebene.
Datensouveränität und europäische Lieferketten gewinnen an Bedeutung
Im Defence-Umfeld sind Konstruktionsdaten und Projektinformationen besonders schutzbedürftig. Facturee arbeitet mit systemseitiger Anonymisierung und strikter Datentrennung. Fertigungspartner erhalten ausschließlich die Informationen, die sie zur Umsetzung des jeweiligen Projekts benötigen. Zudem betreibt Facturee ein nach ISO 27001 zertifiziertes Managementsystem für Informationssicherheit.
Bei vielen Projekten spielt auch der Ursprung der Lieferanten eine wichtige Rolle. Facturee verfügt über ein weltweites Netzwerk und bindet je nach Anforderungen an Lieferketten, Souveränität und Compliance Fertigungspartner aus Europa oder dem NATO-Gebiet ein. Dadurch lassen sich individuelle Anforderungen an Lieferketten, Datensouveränität und industrielle Souveränität abbilden.
Fertigungsbreite für Ramp-up und Obsoleszenzmanagement
Im Defence-Umfeld sind unter anderem CNC-Dreh- und Frästeile, Blechbiegeteile, Strukturbauteile, Präzisionsgehäuse sowie Leichtbaukomponenten aus Aluminium, Titan oder Inconel gefragt. Darüber hinaus gewinnt die additive Fertigung an Bedeutung – insbesondere für Prototypen, Kleinserien und die Nachfertigung von Ersatzteilen, wenn ursprüngliche Lieferanten oder Komponenten nicht mehr verfügbar sind. Zudem stellen viele Auftraggeber im Defence-Umfeld auch eigene Materialien bereit und vergeben ausschließlich die Fertigung.
Ein Beispiel für den Einsatz im sicherheitsrelevanten Umfeld ist die Zusammenarbeit mit Becker Avionics. Das Unternehmen entwickelt Kommunikations-, Navigations- und Überwachungssysteme für die Luftfahrt und den Bodeneinsatz. Facturee liefert dafür komplexe CNC-Dreh- und Frästeile sowie anspruchsvolle Blechbiegeteile und steuert Fertigung, Oberflächenbehandlung, Nachweise und Logistik über einen zentralen Beschaffungsprozess.
„Für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsindustrie wird immer entscheidender, wie schnell Beschaffung auf neue Bedarfe reagieren kann und wie belastbar Nachweise entlang der Lieferkette abgebildet werden“, sagt Moritz König. „Viele der Fertigungsverfahren und Werkstoffe, die wir heute für sicherheitsrelevante Anwendungen beschaffen, kommen bereits in zivilen Industrien zum Einsatz. Diese Dual-Use-Strukturen ermöglichen es uns, auf bestehende Fertigungsnetzwerke zurückzugreifen, anstatt neue Lieferketten erst aufbauen zu müssen. Das schafft Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Versorgungssicherheit.“