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Interview mit Dr. Thomas Steffen, Rittal „Kühlen muss effizient sein“

27.04.2017

Flexibilität, Vernetzung, Services und geringe Kosten: Moderne Kühllösungen für Werkzeugmaschinen müssen mehr bieten als nur Kühlung. Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Rittal, erläutert im Gespräch mit A&D, welche Aspekte bei Rückkühlern, den sogenannten Chillern, entscheidend sind und wo die Entwicklung hingeht.

A&D:

Worauf legen Ihre Kunden derzeit den meisten Wert bei Kühllösungen?

Dr. Steffen:

Im Wesentlichen geht es um Zuverlässigkeit, Qualität und einfache Bedienung. Für Maschinenbauer ist auch die Logistik ein wichtiges Kriterium. Ein Beispiel ist die Mehrspannungsfähig­keit, wenn Maschinen in Länder mit verschiedenen Spannungsversorgungen geliefert werden. Bisher brauchte er dafür un­terschiedliche Kühllösungen, der logistische Aufwand steigt. Mit unserer neuen Chiller-­Generation Blue e+ benötigt der Kunde durch die Mehrspannungsfähigkeit auch international nur noch ein Gerät.

Ändern sich durch die flexible Fertigung mit modularen Produktionszellen die Anforderungen an Rittals Kühllösungen?

Flexible Produktionszellen sind für unsere Rückkühler kein Problem, durch den unabhängigen Kühlkreislauf müssen nur die elektrischen Anschlüsse mitgeführt werden. Insofern können wir schon jetzt modulare Produktionszellen bestens bedienen. Wir sind in regelmäßigem Kontakt zu den Automobilisten und schauen uns Szenarien an, um unsere Lösungen auch hier künftig noch zu verbessern. Konkrete neue Anforderungen gibt es derzeit nicht.

Aber Ihre Kühllösungen selbst, wie die neuen Blue e+ Chiller, haben Sie schon modular ausgelegt?

Wir haben uns bei dieser Generation die Vorgabe gesetzt, in Modulen zu denken. Die Baureihe ist aus wenigen modularen Einheiten aufgebaut. Wenn wir eine Komponente austauschen, hat das mit zwei bis drei Handgriffen zu passieren. Und für diese Handgriffe muss auch in einem Wartungsfall kein Spezialist vor Ort sein, einfaches Handling ist Pflicht, um Servicekosten beim Kunden gering zu halten.

Chiller müssen Kühlmittel bewegen. Erhöht das die Ausfallrate im Vergleich zu Rittals Kühlgeräten für Schaltschränke?

Grundsätzlich hat der Rückkühler eine Kernkomponente mehr als das Kühlgerät, und zwar die Pumpe. Produktbedingt liegt die Ausfallrate bei unseren bisherigen Chillern somit etwas höher. Bei unserer neuen Blue e+ Generation haben wir auf diese Komponente deshalb besonders viel Augenmerk gelegt. Man muss beim Anfahren einer Pumpe sehr vorsichtig sein, um die Gleitringdichtung nicht zu beschädigen. Statt uns auf diverse Spezialanfertigungen zu konzentrieren, haben wir die wichtigsten Varianten vorgedacht, die auf Herz und Nieren ausgetestet und hinsichtlich Ausfallsicherheit optimiert sind. Damit bringen wir die Verfügbarkeit unserer neuen Rückkühler auf das hohe Niveau der Schaltschrankkühlgeräte. Wir setzen hier sicherlich einen Standard, was die Zuverlässigkeit bei Chillern betrifft.

Sie versuchen also, Kunden davon zu überzeugen, auf eine Standardlösung zu setzen, zwecks höherer Qualität und auch geringeren Kosten?

Wir glauben, technologisch gute Antworten gefunden zu haben und diese auch begründen zu können. Wir streben Standardisierung bei Chillern an, weil sich damit einfach die beste Flexibilität, Qualität und attraktive Preise ergeben. Natürlich gibt es auch Maschinenbauer, die gerne Speziallösungen verbauen wollen. Diverse Nachteile hinsichtlich Kosten und aufwendigerer Wartung bewegen aber auch diese Kunden zunehmend in Richtung unserer Standard-Chiller. Bei unseren Kunden im Maschinenbau entsteht auch durch internationale Konkurrenz immer mehr Kostendruck. Mit Standardlösungen reduzieren wir die Time-to-Market beim Kunden und verschaffen ihm Wettbewerbsvorteile durch unser überzeugendes Preis-/Leistungsverhältnis.

Wird denn auch die Vernetzung Ihrer Kühler eine Standardlösung?

Daran arbeiten wir definitiv. Deshalb bringen wir Ende des Jahres unser ComModul auf den Markt. Hierbei handelt es sich um ein standardisiertes Universalgerät für die Kommunikation und Vernetzung unserer Kühlgeräte und Chiller, auch für ältere Generationen. Es gibt alle Betriebsdaten heraus, die das Gerät über die interne Sensorik und Regler sammelt. Das ComModul eignet sich also zur Kopplung der Kühlgeräte und Chiller zum Beispiel mit der SPS und für die Integration in übergeordnete Netzwerke. Es gibt schon jetzt technische Realisierungsmöglichkeiten, Daten dieser Geräte in Portale zu schieben, dort auszuwerten und Predictive Maintenance zu betreiben. In einer weiteren Ausbaustufe denken wir daran, in das ComModul bereits eigene Analysealgorithmen für Früh­erkennung von sich andeutenden Problemen zu integrieren.

Rittal arbeitet derzeit mit Axoom, Siemens und IBM bei Cloud- und Analytics-Lösungen zusammen. Welche Strategie verfolgen Sie damit?

Wir arbeiten mit mehreren etablierten Anbietern von Cloud-Lösungen und Services zusammen, um unseren Kunden die besten Lösungen zeigen und künftig anbieten zu können. Wir legen uns derzeit auch nicht auf die eine oder andere Cloud- oder Analytics-Lösung fest, sondern diskutieren mit unseren Kunden deren Wünsche und Anforderungen. Was nützt die theo­retisch beste Lösung, wenn man nicht auf den Markt hört. Unsere Kühllösungen kommunizieren über das ComModul aber auf jeden Fall über OPC UA und werden nicht in eine proprietäre Technik hineingezwängt. Hier forcieren wir bei Rittal den Einsatz offener Standards.

Was ist denn Ihr Wunschszenario für künftige Services bei Kühllösungen?

Meine Vision geht in die Richtung, dass künftig jeder Kunde unserer Kühllösungen durch integrierte Basisalgorithmen bei drohenden Störungen beispielsweise eine E-Mail bekommt und wir mit Rundum-Sorglos-Services reagieren. Auf jeden Fall werden wir das mit einer offenen Strategie realisieren, um auch gemeinsam mit Partnern stets Kundennutzen zu generieren. Deshalb loten wir viele Möglichkeiten wie mit Axoom, Siemens und IBM aus.

Wie differenziert sich Rittals Chiller-Lösung vom Wettbewerb?

Im Wesentlichen durch Regelgenauigkeit, Inverter-Technologie, Energieeffizienz und schlussendlich auch Zuverlässigkeit. Es gibt auch andere Firmen, die Inverter-geregelte Rückkühler liefern, allerdings nicht in unserem Preissegment. Dann kommen noch die einfache Bedienung, Modularität und die Vernetzungsmöglichkeiten hinzu. Außerdem haben wir neben den Kühllösungen zusätzlich Schaltschränke, Stromversorgung und einen weltweiten Service, alles aus einer Hand. Dieses Komplettangebot ist einer unserer wesentlichen Wettbewerbsvorteile. Unser Claim ‚Rittal – Das System.’ ist also nicht nur ein Spruch, sondern ein Versprechen.

Mehr Informationen über die neue Chiller-Lösung Blue e+ von Rittal finden Sie im Beitrag Effiziente Maschinenkühlung.

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