Neue Anforderungen an digitale Identitäten

KI-Agenten: Zwischen Autonomie und Kontrolle

Der Einsatz von KI-Agenten erfordert eine neue Vertrauensinfrastruktur und klare Verantwortlichkeiten.

Bild: iStock, Olemedia
13.08.2026

In Unternehmensnetzwerken übernehmen KI-Agenten immer mehr Aufgaben. Sie treffen eigenständig Entscheidungen und greifen auf Systeme zu. Dafür benötigen sie digitale Identitäten, die über die Funktionalität eines API-Schlüssels hinausgehen. Doch wer trägt die Verantwortung?

Über viele Jahre haben wir uns intensiv damit befasst, für Menschen und Maschinen sichere digitale Identitäten zu erstellen und zum Einsatz zu bringen. Seit einiger Zeit kommt nun in Unternehmensnetzwerken ein neuer Anwendungsfall für digitale Identitäten hinzu: autonom operierende KI-Agenten. So schnell wächst ihre Zahl, dass das traditionelle Identitäts- und Sicherheitsmanagement mit ihrer Absicherung vielerorts kaum noch hinterherkommt. Denn: digitale Identitäten von KI-Agenten können nicht wie menschliche oder maschinelle Identitäten gemanagt werden. Es ist eine eigene Technik erforderlich. In den meisten Unternehmen ist zudem nach wie vor unklar, wer genau für das Identitätsmanagement der KI-Agenten zuständig ist.

Autonome Entscheidungen sicher absichern

KI-Agenten können eigenständig Entscheidungen treffen und im Namen ihres Unternehmens über dessen Systemgrenzen hinweg agieren. Um dieses hohe Maß an Autonomie erfolgreich absichern zu können, muss jeder KI-Agent mit einer vertrauenswürdigen, eindeutigen digitalen Identität ausgestattet sein. Das Problem ist jedoch, dass sich die Identitätsmanagement-Modelle, die bei Mensch und Maschine seit Jahren zum Einsatz kommen, nicht einfach 1:1 auf KI-Agenten übertragen lassen. Ihre Operationsfähigkeit würde dadurch zu stark eingeschränkt werden.

Grenzen statischer Berechtigungen und API-Schlüssel

Für menschliche Identitätsmanagementsysteme, die auf statischen Berechtigungen und Authentifizierungsmerkmalen basieren, agieren KI-Agenten zu schnell, zu dynamisch. Auch das Standard-Instrumentarium für Maschinenidentitäten, ein statischer API-Schlüssel, greift zu kurz. Der Schlüssel gewährt einen zu breiten Zugriff. Der KI-Agent erhält volle Rechte, obwohl er für eine konkrete Aufgabe eigentlich nur eingeschränkte Rechte bräuchte. Zudem lässt sich über den Schlüssel nicht nachweisen, warum ein KI-Agent diese oder jene Entscheidung getroffen hat, ob die Entscheidung im Rahmen seines Auftrags lag oder ob der Agent vielleicht sogar von außen manipuliert worden ist. Im Schlüssel selbst liegt keine technische Instanz vor, die prüft, ob die autonome Entscheidung des Agenten zulässig ist.

Kryptografie, Kontext und kurzlebige Zugangsdaten

Benötigt wird eine Lösung, die Geschwindigkeit und Dynamik mit Kryptografie und Kontext vereint. Anstelle eines einfachen Text-Passworts (API-Schlüssel) muss der Agent X.509-Zertifikate mittels Mutual-TLS-Verfahren nutzen. Anstatt statischer Anmeldedaten müssen Ephemeral Credentials zum Einsatz kommen. So kann der Agent Zertifikate erhalten, die nur für eine einzige Aufgabe oder für wenige Minuten gültig sind. Zusätzlich sollte die Berechtigung an das Verhalten und die Absicht des KI-Agenten gekoppelt sein. Wenn der KI-Agent plötzlich versucht, Daten herunterzuladen, die nicht zu seiner aktuellen Zielstellung passen, wird seine digitale Identität automatisch ungültig.

Governance und Zuständigkeiten klären

Neben der technischen Umsetzung des Identitätsmanagements stellt auch dessen organisatorische Governance in vielen Unternehmen nach wie vor eine erhebliche Herausforderung dar. Zuständigkeiten sind häufig zersplittert. Die Verantwortung für die Identitäten von KI-Agenten wird zwischen IT-, Sicherheits- und KI-Teams aufgeteilt, ohne dass verbindliche Rechenschaftspflichten existieren. Oft ist unklar, wer im Ernstfall etwa die Identität eines KI-Agenten widerrufen darf. Nur ein Bruchteil der Unternehmen verfügt überhaupt über eine formelle Strategie. Es ist daher wichtig, KI-Entwickler, Identitätsexperten und Sicherheitsteams zusammenzubringen, um verbindliche Governance-Strukturen zu etablieren. Nur auf der Grundlage einer klaren Aufgabenteilung lässt sich eine solide Vertrauensarchitektur schaffen, die einen wirklich abgesicherten Einsatz autonom operierender KI-Agenten ermöglicht.

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