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Interview mit Nina Defounga, Geschäftsführerin von Tom Spike.

Bild: Tom Spike

Erfolgreiche Innovation „In Zukunft entsteht Innovation nicht mehr allein“

27.08.2020

Einen Innovationsprozess zu starten, umzusetzen und zum Erfolg zu führen, ist im Unternehmensalltag schwer. Wie das gelingt, erklärt Nina Defounga, Geschäftsführerin von Tom Spike, im Interview.

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Was bedeutet für Sie Innovation?

Innovation ist ein Kundenproblem mit einer neuen Lösung zu befriedigen und großen Nutzen zu stiften. Das iPhone 2G war eine Innovation, weil es tausende Funktionen in einem Gerät vereint. Das iPhone 12 ist keine Innovation mehr, sondern lediglich eine Optimierung. Das Problem darf offensichtlich und groß sein, wie zum Beispiel das unkomplizierte Laden von E-Autos. Im Idealfall ist bei der Lösung eine Funktion vorhanden, ohne Ressourcen und Aufwand zu verbrauchen – das wäre das Beste.

Was ist die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle?

Die Basis ist der validierte Kundennutzen. Es muss ein Problem bestehen, das groß genug und es Wert ist, dass der Kunde es lösen will. Außerdem der Wille zur Veränderung, da ein Geschäftsmodell tief in die DNA eines Unternehmens eingreift. Stückweit aber auch die Risikobereitschaft, der Wille in das kalte Wasser zu springen, Dinge auszuprobieren, zu überzeugen und den Menschen das schmackhaft zu machen was auf sie zukommt – das sind die wichtigsten Faktoren.

Wie sieht so ein Innovationsprozess aus?

In jedem Innovationsprozess stecken Phasen mit einer klaren Zielstellung. In der ersten definiert und entscheidet die Unternehmensführung, welche großen Kundenprobleme auf welchen Märkten das Unternehmen fokussiert. Das können Probleme bekannter oder neuer Kunden sein. Anschließend beweist ein Team, dass ein großes Kundenproblem vorliegt. Erst zum Abschluss werden die Lösungen und der Business-Case entwickelt. In jeder Phase ist ein Vor- und zurückgehen möglich. In den Phasen, vom Aufdecken des Kundenproblems, bis zum Umsetzen von Prototypen, werden unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten benötigt. Aus diesem Grund ist wichtig, das passende Team auszuwählen.

Was ist für den Erfolg eines Innovationsprozesses entscheidend?

Das aller wichtigste ist die Geschäftsführung. Die Führungsebene muss vorleben, dass Innovation wichtig ist, Ressourcen freigeben, Veränderungen ankündigen und durchziehen. Mitarbeiter haben Ängste und keiner bewegt sich gerne aus dem Status quo. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, deshalb ist es wichtig, dass die oberste Führung wiederholt die Wichtigkeit des Vorhabens betont und sich Zeit dafür nimmt. Darüber hinaus ist es hilfreich ein interdisziplinäres Team für Innovation zu schaffen, das unterschiedliche Perspektiven einnimmt, über Grenzen hinausdenkt und im Unternehmen gut vernetzt ist. Außerdem ein klarer Zieltermin zur Vorstellung der Ergebnisse vor großem Publikum.

Wie können aus älteren, noch erfolgreichen Produkten neue Innovationen geschaffen werden?

Es gibt verschiedene Ansätze. Beliebt bei Innovatoren ist es nach dem Motto: „Destroy your Business“, das Geschäftsmodell oder Produkt neu zu denken. Oft geht es im Unternehmen allerdings darum ein Produkt so lange wie möglich am Markt erfolgreich zu halten. Optionen dafür sind, das Geschäftsmodell in Richtung Systemanbieter zu entwickeln oder neue Märkte zu erschließen. Letzteres hat beispielsweise Sony gemacht und wird nun zum Automobilhersteller. Sony kommt ursprünglich aus dem Entertainment, heißt sie haben in diesem Bereich Kompetenzen. Elektroautos sind zwar etwas gänzlich anderes, aber eben doch nicht so kompliziert, dass sie Sony nicht bauen könnte. Hier steht dann der Entertainment-Faktor im Vordergrund. Ein anderes Beispiel ist Tesla, ein Unternehmen, dass sich ursprünglich mit Batterietechnologie auseinandersetzte, dann aber in die Automobilbranche eingestiegen ist. Unternehmen sollten sich überlegen, welche Themenüberschneidungen ihre Lösungen mit Produkten anderer Branchen haben und so Wachstumsmöglichkeiten ausloten, denen bisher keine Beachtung geschenkt wurde.

Wie schafft man Innovation in einem Unternehmen mit festgefahrenen Strukturen und Denkmustern?

Die Unternehmensführung muss die Innovation wollen und Menschen im eigenen Unternehmen identifizieren, die diese Vision teilen. Das ist wichtig, da es Mitarbeiter gibt, die nicht innovativ sein möchten – das muss von dem Verantwortlichen für Innovation akzeptiert werden. Wer an einem Innovationsprojekt teilnimmt, sollte das freiwillig tun nicht gezwungenermaßen. Dieses Team schafft ein Erfolgsbeispiel. In diesem Zusammenhang wird immer viel von Kultur gesprochen und, dass diese erst vorhanden sein muss, um eine Innovation auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen. Unsere Erfahrungen haben aber gezeigt, dass erst wenn man Innovation gesehen hat, wirklich versteht worum es dabei geht.

Welche Werte sind in Zukunft entscheidend und welche Kultur sollte in Unternehmen gepflegt werden?

Kultur ist wichtig, man kann aber nicht mit ihr anfangen. Das führt nur dazu, dass man sich verzettelt. In Zukunft entsteht Innovation nicht mehr allein, wie damals bei Edison, sondern in Kooperation. Heute ist es sehr wichtig, sich ständig mit neuen Partnern auseinanderzusetzen, Kooperationen einzugehen und gemeinsam, unternehmensübergreifend Innovation zu schaffen. Werte, wie Kooperations- und Risikobereitschaft sind in Zukunft entscheidend. Ich glaube, dass wir sehr viel wissen und aus diesem Grund unlearning wichtig ist, das heißt Erfahrungen wieder loszulassen. Ich weiß nicht, wie man das als Wert verpacken kann, aber vielleicht ist er immer wieder neue Sichtweisen einzugehen und bewusst das gelernte loszulassen.

Wie nimmt man Mitarbeiter beim Innovationsprozess mit und motiviert diese zur aktiven Mitgestaltung?

Das ist eine Führungsaufgabe und dazu müssen persönliche Motivatoren gefunden werden, um die Mitarbeiter zu begeistern. Ein erster Ansatz ist, dass sie sehen, dass etwas passiert, was sie nicht verpassen möchten. Am Ende müssen sie aber den Nutzen spüren und das Gefühl haben damit einen Beitrag zu leisten. Dazu muss ausreichend kommuniziert werden was gemacht wird, Rückmeldung gegeben und den Mitarbeitern genügend Zeit eingeräumt werden. Sie dürfen nicht zwischen Baum und Borke, also zwischen der Linie und dem Innovationsprojekt hin und her springen müssen, sondern Freiraum, in Form von Zeit, erhalten.

Welchen Rat würden Sie Unternehmen geben, die noch ganz am Anfang eines Innovationsprozesses stehen?

Arbeite mit einem Menschen zusammen, der das schon einmal gemacht hat! Ich sehe oft, dass als Innovationsmanager Leute eingestellt werden, die gerade frisch von der Uni kommen oder wenig Erfahrung mitbringen, jedoch dafür sehr viel Verantwortung bekommen. Diese müssen teilweise Netzwerke gründen, Vereine managen und interne Moderationsworkshops geben – was sie alles noch nicht gemacht haben. Deshalb würde ich empfehlen, dass wenn man einen Innovationsprozess anstößt, den Erfahrungsaustausch mit jemanden zu suchen, der es schon einmal gemacht hat. Also entweder mit jemanden wie uns oder einer Person, die aus einem anderen Unternehmen kommt und bereits Erfahrung mit Innovation hat. Oft gibt es aber auch im eigenen Unternehmen Mitarbeiter, die bereits Erfahrung mit Innovation haben. Wichtig ist, diese zu identifizieren!

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