Sascha Schröder, Head of Origination Germany, Statkraft.

Bild: Statkraft

Entwicklung von PPA-Projekten „Im Vergleich zu anderen Märkten steht Deutschland noch in den Startlöchern“

26.06.2020

Für Statkraft gewinnen Stromabnahme und -lieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), zunehmend an Bedeutung für die Umsetzung der grünen Wachstumsstrategie. Sascha Schröder, Head of Origination Germany, analysiert die unterschiedlichen Märkte und erläutert die Details.

Wie hat sich das PPA-Geschäft in Deutschland im vergangenen Jahr entwickelt?

Grundsätzlich stellen wir fest, dass die Nachfrage nach PPA von erneuerbaren Energieprojekten in den vergangenen beiden Jahren gestiegen ist. Es gibt jedoch Unterschiede in den Entwicklungsstufen der verschiedenen Märkte. Deutschland beispielsweise entwickelt sich gerade erst. Jedoch sehen wir hier viel Potenzial für PPA sowohl für Windkraftanlagen, die nach 2020 aus der Förderung fallen, sogenannte Ü20-Windkraftanlagen, als auch Solarneubauprojekte. Im vergangenen Jahr beispielsweise konnten wir bereits PPA mit 100 MW Ü20-Wind und 50 MW Solar abschließen. In der Pipeline haben wir 1.000 MW Solar und 1.200 MW Ü20-Wind.

Und wie läuft das Geschäft in den anderen Regionen und Ländern, in denen Sie tätig sind?

Im Vergleich zu anderen Märkten, wie Spanien, UK oder den Nordischen Ländern steht Deutschland noch in den Startlöchern. Spanien zählt zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen in Europa, aber auch Faktoren wie erstklassige Wind- und Solarressourcen und funktionierender Forward-Strommarkt tragen dazu bei, dass sich PPA rechnen und erneuerbare Energieprojekte ermöglicht werden. In Spanien konnten wir im Jahr 2019 unsere Portfoliogröße beinahe verdreifachen. Hier haben wir bereits langfristige Verträge mit mehr als 700 MW an neuen rein marktbasierten Wind und Solaranlagen abgeschlossen.

Wie geht es mit den Post-EEG-Anlagen hierzulande weiter? Welche Potenziale sehen Sie hier?

Ab dem Jahresbeginn 2021 läuft bei etwa 6.000 deutschen Windkraftanlagen die EEG-Förderung aus. Insgesamt entspricht dies einer installierten Leistung von 4,5 GW. Ab 2022 fallen jedes Jahr weitere Anlagen aus der EEG-Vergütung. Nach aktuellem Datenstand könnten dies im Zeitraum 2022 bis 2026 jährlich etwa 1.600 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2,5 GW betreffen. Wir sind von der Möglichkeit eines wirtschaftlichen Weiterbetriebs dieser Anlagen auch ohne Förderung überzeugt.

Zunehmend werden auch neue Projekte ohne EEG-Förderung umgesetzt. Wie sehen Sie diesen Markt?

Die Bedeutung von Neuprojekten ohne Förderung steigt. In Deutschland können Solargroßprojekte bereits jetzt ohne Förderung umgesetzt werden. Durch PPA lassen sich langfristige Preisrisiken absichern. Wir haben erst im Dezember letzten Jahres zusammen mit Enerparc gezeigt, dass dies möglich ist. Durch den Stromabnahmevertrag mit einer Laufzeit von zwölf Jahren können fünf Solarparks mit einer installierten Gesamtspitzenleistung von rund 52 MW ohne staatliche Förderung realisiert werden.

Für PPA kommen vor allem Wind- oder Solarparks in Betracht. Wo sehen Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile?

Hier ist eine pauschale Antwort schwierig. Bei Windparks steckt in Post-EEG-Anlagen ein hoher Wert in Form von vorhandener Infrastruktur und CO2-Reduktion. Dieser Wert lässt sich durch PPA und den damit gesicherten wirtschaftlichen Weiterbetrieb erhalten. Tendenziell sind hier eher kurz- bis mittelfristige Laufzeiten gefragt. Bei Solarparks können Stromabnahmeverträge die Finanzierung von Neuanlagen sichern und damit den Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen fördern. Der Bedarf geht hier tendenziell eher zu langfristigen Laufzeiten.

Welche der beiden Technologien werden bei PPA künftig dominieren?

Beide Technologien werden in zukünftigen Energiemix eine Rolle spielen. Wie sich die unterschiedlichen Märkte im Einzelnen entwickeln werden, kann man heute noch nicht vorhersagen.

Wie schätzen Sie insbesondere den künftigen Bedarf an PPA von Seiten der Industrie ein?

Wir sehen insbesondere auf Industrieseite unterschiedliche Anfragen, abhängig von den Nachhaltigkeitszielen der Unternehmen. In den vergangenen beiden Jahren ist viel Bewegung und eine Nachfragesteigerung hinsichtlich nachhaltiger Versorgungskonzepte gekommen. Das ist für ein Unternehmen wir das Unsere natürlich von Vorteil.

Was sind hierfür die wichtigsten Treiber? Inwieweit spielen neben dem Imagegewinn auch die potenziell geringeren Kosten gegenüber sonstiger Strombeschaffung eine Rolle?

Industrielle Abnehmer suchen neben dem Grünstromaspekt vor allem auch eine Möglichkeit der Preisabsicherung, welche durch die Lieferung aus einem PPA gegeben ist. Neben der Vergrünung einzelner Standorte und der Reduktion des Carbon Footprint sind viele Unternehmen auf der Suche nach einem ganzheitlichen Ansatz, der rein durch die Integration eines fluktuierenden PPA nicht zu erreichen ist. Hier bieten wir als Statkraft eine einzigartige Lösung an, bei der jederzeit garantiert ist, dass die Erzeugung erneuerbarer Energie im Gleichschritt mit dem Bedarf des Unternehmens geschieht. Dank der Flexibilität in unserem Portfolio gelingt die Einbindung der erneuerbaren PPA in ein vollständiges grünes Versorgungskonzept.

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