Fünf Vorurteile gegen kollaborierende Leichtbauroboter sind immer wieder zu hören.

Bild: iStock, GeorgePeters

Cobots in Unternehmen 5 hartnäckige Cobot-Mythen

09.07.2019

Cobots begeistern Produktionsverantwortliche und Techniker durch ihre Fortschrittlichkeit und sehr gute Eignung für KMUs. Sie sind für geringe Lasten zuständig, flexibler und leichter zu implementieren. Trotzdem halten sich hartnäckige Mythen, wenn es um die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine geht.

Sollte man sich als hart arbeitender Montagehelfer Sorgen um seinen Job machen und sind Cobots vielleicht sogar gefährlich? Fünf Vorurteile gegen die kollaborierenden Leichtbauroboter sind immer wieder zu hören, die sich aber leicht entmystifizieren lassen:

Mythos #1: Cobots nehmen Arbeitsplätze weg

Der wohl am weitesten verbreitete Mythos, der sich immer wieder in die Köpfe der Menschen schleicht: Roboter nehmen Arbeitsplätze weg. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Cobots sind für die direkte und sichere Zusammenarbeit mit dem Menschen konzipiert. Sie entlasten die Mitarbeiter von anstrengenden und monotonen Aufgaben, sodass diese wertigere Aufgaben im Unternehmen übernehmen können - beispielsweise die Prozessoptimierung. Durch das große Einsparungspotential, das Cobots bieten, etwa aufgrund von geringeren Fehlerquoten und einer hohen Produktionsoptimierung, ist ein Unternehmen sogar oft in der Lage, weitere Mitarbeiter einzustellen.

So konnte beispielsweise Trelleborg Sealing Solutions, ein Anbieter von Dichtungslösungen, mithilfe von 42 Robotern von Universal Robots nicht nur dem Wettbewerb die Stirn bieten – es wurden seit dem Einsatz der Cobots zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. „Als uns mitgeteilt wurde, dass wir bei Trelleborg Roboter verwenden würden, hatten wir Angst, dass das Arbeitsplätze kosten würde. Aber es passierte genau das Gegenteil. Wir bekommen mehr und mehr neue Maschinen und Roboter und gleichzeitig bekommen wir auch noch mehr Aufträge. Die Zunahme des Geschäftsvolumens bedeutete, dass 50 neue Mitarbeiter eingestellt wurden“, erzählt Dragan Jovanovic, Mitarbeiter bei Telleborg Sealing Solutions.

10 Prozent aller industriellen Arbeitsschritte sind voll automatisierbar, und durch Roboter steigt die Produktivität um 50 Prozent – ohne Arbeitsplatzverluste. Von 2017-2020 werden Roboter weltweit mehr als 2 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Auf der anderen Seite wird keine Maschine jemals menschliche Geschicklichkeit, kritisches Denken, Entscheidungsfindung und Kreativität ersetzen.

Mythos #2: Nur für schwere Operationen gut

Ebenso weit verbreitet ist die Annahme, dass Roboter die großen, schweren, gefährlichen Geräte sind, die nur dazu verwendet werden können, enorme Lasten zu heben. Doch Roboter ist nicht gleich Roboter. Cobots wird ein nahezu endloses Einsatzgebiet zugeschrieben – solange es sich um eine Traglast von bis zu 10 Kilogramm handelt. Unabhängig von Branche und Unternehmensgröße, sind sie mittlerweile häufig in folgenden Bereichen zu finden: Polieren, Spritzguss, CNC, Palettierung und Verpackung, Qualitätsprüfung.

Auch die Verladung kleinerer Teile in Fräszentren kann mithilfe von Cobots automatisiert werden. Baumruk & Baumruk, ein tschechischer Mittelständler, ist mit dieser Problemstellung auf Universal Robots zugekommen. Die Anforderungen waren klar, berichtet Martik Baumruck, Geschäftsführer von Baumruk & Baumruk: „Für uns war es von entscheidender Bedeutung, die Roboter in den bestehenden Arbeitsbereich einzugliedern, wo das Raumangebot sehr begrenzt ist. Deshalb konnten wir keine Standard-Industrieroboter verwenden, denn es gab einfach nicht genug Platz, um einen Sicherheitsbereich um sie herum einzurichten.“

Mythos #3: Nur etwas für große Unternehmen

Besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) wird diese Meinung noch oft vertreten. Doch KMUs kämpfen mit ähnlichen Problemen wie große Unternehmen: Losgröße 1, zu hoher Produktionsausschuss, zu monotone Arbeit für die Mitarbeiter, Fachkräftemangel. Durch kostengünstige, flexible und einfach zu handhabende Cobots profitieren Unternehmen jeder Größe von den Vorteile der Automatisierung.

FME Feinmechanik AG, ein Hersteller von kleinen, feinmechanischen Bauteilen, die für die Medizintechnik präzisionsgefertigt werden, entschied sich für eine Automatisierungslösung, die höchste Flexibilität gewährleistet, ohne Abstriche in puncto Qualität zu machen. Das 25-Mann-Unternehmen hat zwei Cobots im Einsatz, die dem Betrieb eine größere Flexibilität ermöglichen. Mit einer neuen automatischen Roboterlösung gehört auch die Schichtarbeit bei FME Feinmechanik jetzt der Vergangenheit an.

Mythos #4: Cobots sind teuer

Ja, Industrieroboter können teuer sein, vor allem die großen Modelle, die schwere Lasten heben müssen. Doch was kostet ein Cobot? Durchschnittlich kann man von 20 Prozent der Kosten für herkömmliche Roboter ausgehen. Aber nicht nur in der Anschaffung selbst bietet ein Cobot viel Einsparungspotential. Dank der schnellen und einfachen Programmierung können Arbeitsverzögerungen vermieden und auf einen teuren externen Programmierer verzichtet werden. Die Amortisationszeit liegt dabei in der Regel bei unter einem Jahr. Leichtbauroboter sind kostengünstig und ihre Installation erfordert nur minimale Investitionen, da sie keine größeren Änderungen in der vorhandenen Infrastruktur erfordern.

Tagtäglich werden bei Atria Scandinavia Garnelen, Oliven, Artischockenherzen, getrocknete Tomaten, Knoblauch und andere Spezialitäten etikettiert, verpackt und palettiert. Dieser Prozess ist heute mittels kollaborativer Roboterarme optimiert worden, so dass jede Fertigungsstrecke durchschnittlich 228 Einheiten pro Stunde für eine Lieferung vorbereiten kann. Die Amortisationszeit der Roboter betrug nur ein Jahr.

Mythos #5: Schwere Implementation

Auch hier muss eine klare Abgrenzung zwischen schwerfälligen Industrierobotern und kollaborierenden Leichtbaurobotern erfolgen. Cobots sind einfach zu implementieren, zu bedienen und zu warten, da sie im Gegensatz zu ihren großen Geschwistern nach erfolgreich abgeschlossener Risikobeurteilung keine Schutzzäune brauchen. Mitarbeiter können schnell lernen, wie der Leichtbauroboter programmiert wird.

„Wir haben den Roboter einfach aus der Kiste genommen und angeschlossen. Nach anderthalb Stunden hatten wir das erste Programm erstellt. Nach sieben Stunden arbeitete der Roboter in der Produktion. Meine Mitarbeiter haben sich selbst beigebracht, ihn zu programmieren. Und das Beste ist, dass sich der UR5 schon nach drei Monaten amortisiert hat“, berichtet Morten Nymann, Mitgründer Nymann Teknik, begeistert. Nymann Teknik, ein junges Maschinenunternehmen, hat seine CNC-Einheit automatisiert. Nachdem der Betrieb einen Auftrag über 100.000 Einheiten erhielt, entschied sich Morten Nymann für einen UR5.

Cobots erleichtern aktuelle Herausforderungen

Um kollaborierende Leichtbauroboter ranken sich viele Mythen – viele davon können widerlegt werden. Alles in einem sind Cobots die Antwort auf zahlreiche Herausforderungen der Industrie. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen mit einem schnellen ROI automatisieren und sich gut im globalen Wettbewerbsumfeld positionieren.

Bildergalerie

  • Alles in einem sind Cobots die Antwort auf zahlreiche Herausforderungen der Industrie.

    Bild: Universal Robots

  • Mithilfe von Cobots können Unternehmen mit einem schnellen ROI automatisieren und sich gut im globalen Wettbewerbsumfeld positionieren.

    Bild: Universal Robots

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