Wer als Hersteller weltweit aktiv ist, muss in verschiedenen Märkten mit seinen Steckverbindern lokale Standards erfüllen.

Bild: iStock, Kai_Wong

Steckverbinder im Wandel Globaler denken beim Stecken

04.07.2017

Wussten Sie, dass die Ernährung die Wahl der Steckverbinder beeinflusst? Auf diesen Trend und weitere müssen Hersteller von Verbindungstechnik vorbereitet sein und ihre Steckverbinder entsprechend gestalten.

Durch die Globalisierung steht Herstellern von Maschinen und Anlagen die Welt offen. Doch wer als Hersteller weltweit aktiv ist, muss in verschiedenen Märkten lokale Standards erfüllen. Wer beispielsweise plant, nach Nordamerika zu exportieren, muss seine Produkte UL-zertifizieren lassen.

Für bestimmte Branchen, etwa die Wind- und Solarenergie, die Bahn- oder die Lebensmittelindustrie sind zusätzlich spezielle Zertifizierungen vorgeschrieben. Die in Stuttgart ansässige Lapp Gruppe orientiert sich deshalb bei Neuentwicklungen immer an den höchsten Anforderungen und leitet die Varianten für verschiedene Märkte und Branchen dann von diesem Standard ab.

138 Millionen Konfigurationen

Dabei kommt den Anbietern und ihren Kunden zugute, dass sich bestimmte Steckverbinder als Standard weltweit durchgesetzt haben. Rechteckstecker sind seit vielen Jahren etabliert und kommen auch in vielen neuen Anwendungen zum Einsatz. Allerdings gestaltet sich die Auswahl der passgenauen Stecker teilweise schwierig: Allein für die Gehäuse der Epic-Rechteckstecker von Lapp sind 138 Millionen Konfigurationen verfügbar.

Doch wie findet ein Kunde bei dieser großen Auswahl die richtige Variante? Hier hilft die Digitalisierung: Lapp hat einen Online-Gehäusekonfigurator entwickelt, mit dem der Kunde sein individuelles Industriestecker-Gehäuse mit Verriegelungskonzept und Kabeleinführung online selbst konfigurieren und die Bestellung direkt in Auftrag geben kann. Die Lieferung erfolgt in nur fünf Arbeitstagen innerhalb Deutschlands.

Digitalisierung bedeutet aber auch, dass in der Industrie immer mehr Datenverbindungen geknüpft werden. Deshalb steigt für die Übermittlung digitaler Daten die Nachfrage nach Steckverbindern mit immer höheren Datenraten. Hierfür kommen unterschiedliche Rundstecker zum Einsatz. Standards sind die Gewindegrößen M23 und M17. Aber auch der kompakte M12-Stecker setzt sich immer mehr durch. Alle Steckverbinder-Varianten haben einen Vorteil: Sie sind zukunftssicher und damit nachhaltig.

Vielfalt bei Rechtecksteckverbindern gefragt

Stecker für industrielle Anwendungen haben mitunter eine Lebensdauer von 30 Jahren oder mehr. Allerdings sind die Anforderungen in den letzten Jahren stark gestiegen – etwa in Bezug auf Bewegung und Vibration. Denn die Zahl der bewegten Anwendungen steigt ebenso wie die Geschwindigkeit und Beschleunigung der Bewegungen, etwa in Schleppketten oder Robotern. Deshalb wird von den Steckverbindern erwartet, dass sie enorm vielseitig sind. Wird beispielsweise an einem Roboter eine Kamera zur Qualitätsinspektion nachgerüstet, sollte die Erweiterung auch im Steckverbinder leicht möglich sein. Hier bieten sich modulare Rechtecksteckverbinder an.

Lapp hat hierfür auf der Hannover Messe 2017 das Rechtecksteckersystem Epic MH für Leistung, Signale und Daten vorgestellt. Der Anwender kann die Aufgaben verschiedener Leitungen in einem Stecker zusammenfassen und Module beliebig zusammenstellen. Dafür sorgt ein Steckrahmen, der sich mit Steckermodulen von Lapp sowie Modulen des Marktstandards bestücken lässt – und das bei deutlich einfacherer Montage als bei den üblichen Klapp- und Schieberahmen.

Zwei bis 36 Pole, Ströme bis 100 Ampere, Spannungen bis 1000 Volt, Daten mit 100 Megahertz pro Sekunde nach Cat. 5 – der Anwender hat nahezu unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten mit dem Epic MH und kann jederzeit flexibel auf neue Anforderungen reagieren.

Ernährungstrends beeinflussen Steckverbinder

Besonders Kunden, die mitten in der Neuentwicklung einer Maschine stecken, bietet das modulare Stecksystem Vorteile: Sie können die Stecker im Laufe des Entwicklungsprozesses leicht anpassen, müssen also nicht ständig neue Leitungen konfektionieren, wenn es eine Änderung gibt. Davon profitieren insbesondere Branchen, die sich in großem Maßstab industrialisieren, wie die Lebensmittelbranche.

Denn auch der demografische Wandel nimmt Einfluss auf Steckverbinder: Um die Menschheit zu ernähren, muss die Lebensmittelherstellung produktiver werden. Gleichzeitig verlangen insbesondere die Konsumenten in Industrienationen Lebensmittel, die sich bequemer zubereiten lassen und die in kleineren Portionen verpackt sind. Das hat zur Folge, dass Lebensmittel zunehmend industriell verarbeitet und maschinell verpackt werden. Das erfordert eine Vielzahl von Sensoren und Antrieben und damit Leitungen sowie Steckverbinder, die Daten und Leistung übertragen.

Da die Anforderungen an die Hygiene weiter steigen, müssen solche Steckverbinder besonders robust sein, um den häufigen Reinigungszyklen mit aggressiven Reinigungsmitteln zu widerstehen. Gleichzeitig geht der Trend zu Individuallösungen bei Steckverbindern, wenn Standardlösungen nicht mehr weiterhelfen. In diesem Fall ist intensive Beratung und Unterstützung beim Engineering durch den Hersteller gefragt.

Bildergalerie

  • Lapp kann dank hoch automatisierter Fertigung individuelle Steckergehäuse innerhalb von fünf Tagen herstellen und liefern.

    Bild: U.I. Lapp

  • Das Steckersystem Epic MH von Lapp lässt sich für Leitungen unterschiedlichster Funktionen bestücken und nimmt beliebige Steckermodule für Energie, Signale und Daten auf.

    Bild: U.I. Lapp

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