Efficiency „Gemeinsamkeit beim Engineering muss man auch wollen“

Reinhard Knapp ist seit über 30 Jahren für Aucotec aktiv im CAE-Markt. Gestartet als Softwareentwickler, bis 1996 Entwicklungsleiter und nach 20 Jahren Produktmanagement seit 2017 zuständig für globale Strategien. Sein Fokus ist die Weiterentwicklung und globale Verbreitung von softwaregestützter Kooperation im disziplinübergreifenden Engineering.

Bild: Aucotec
24.08.2020

Der dramatische Anstieg der Komplexität von Engineering-Aufgaben sorgt dafür, dass herkömmliche Workflows ausgedient haben. Parallelität ist gefragt. Doch wie hält man paralleles Arbeiten konsistent und macht gleichzeitig die ständigen Änderungen handhabbar?

Reinhard Knapp ist mit diesem Beitrag im P&A-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Prozessindustrie vertreten. Alle Beiträge des P&A-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Zeit- und Kostendruck sind im Engineering rund um Anlagenbau und Automatisierung nichts Neues. Dramatisch gestiegen ist jedoch die Komplexität der Aufgabenstellungen aufgrund zunehmender Automatisierung und Einbindung in übergeordnete Systeme.

Das Mehr an Sensorik, Aktorik und Systemkomplexität bleibt nicht quantitativ, sondern ändert nachhaltig die Qualität der Zusammenarbeit. Prozesse, die kürzlich noch den Teilbereich einer Disziplin ausmachten, emanzipieren sich zu eigenständigen Abteilungen oder werden zu externen Spezialisten ausgelagert. Für die heute erforderlichen Engineering-Prozesse hat das alte Wasserfallmodell endgültig ausgedient. Noch während des Versuchs, die diversen disziplinbezogenen Schleusen-Kaskaden in Einklang zu bringen, geht man schon in der Flut der Änderungsmeldungen unter.

Agiles Engineering ist gefragt

Es ist Zeit für agiles Engineering! Die Vorstellung, irgendeine Teilaufgabe ließe sich komplett abschließen, bevor andere loslegen können, trifft längst nicht mehr die Realität. Spätestens die nächste Änderungswelle, ob durch neue Detailerkenntnisse, individuelle Kundenwünsche und/oder Technologiewandel, stellt alles wieder infrage.

Änderung ist kein Störfaktor, sie ist der Normalfall und muss entsprechend handhabbar sein. Agilität erfordert und bedeutet gleichzeitig das parallele Vorgehen aller Engineering-Disziplinen. Planungsfortschritt und Änderungen müssen daher sofort für alle Beteiligten gleichermaßen sichtbar sein.

Genau dafür entwickelte Aucotec seine kooperative Plattform Engineering Base. Allem voran schafft ihr umfassendes zentrales Datenmodell diese Sichtbarkeit. Natürlich behalten einzelne Disziplinen ihre speziellen Ausprägungen; aber all die Daten, die über die Grenzen einer Disziplin hinaus relevant sind, müssen in einem gemeinsamen Modell leben.

Bei der Auswahl von Engineering-Werkzeugen muss daher das bisherige „Best in Class“ dem neuen Anspruch „Completest in Model“ Platz machen. Auf eine kooperative Engineering-Plattform zu setzen, ist also absolut notwendig – aber nicht ausreichend. Das Versprechen, durch engere Kooperation der einzelnen Disziplinen zunehmend parallel und agil zu arbeiten, löst sich nicht von selbst ein.

Es ist mehr erforderlich, als die etablierten Prozesse kritisch zu betrachten und zu optimieren. Einige vertraute Vorstellungen von Prozessen müssen komplett über Bord geworfen werden. Und wer agile Prozesse anstrebt, kann das nur in agiler Weise bewältigen. Aber wo lässt sich ansetzen?

Modulares Design ausschöpfen

Neben der Parallelisierung gibt es auch in der Strukturierung und Wiederverwendung gewaltige Schätze zu heben. „Modular Design“ ist längst nicht ausgeschöpft. Jede Disziplin hat ihren, am eigenen Vorgehen orientierten, idealen Modularisierungsansatz.

Aber für wirklich effiziente Parallelität sollten alle Disziplinen zu einheitlicher Modularisierung an einen Tisch gebracht werden. Erst das gemeinsame Durchdringen aller Disziplinschichten erzeugt das notwendige Verständnis für die Herausforderungen und Denkweisen der anderen Beteiligten. So gelingt Agilität.

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