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Miriam Krechlok, Head of Marketing bei Mettler-Toledo Produktinspektion Deutschland

Bild: Mettler-Toledo

Produktkonformität und ihre Herausforderungen „Für einwandfreie Produkte muss man ganz genau hinschauen“

02.06.2018

Moderne Inspektionstechniken ermöglichen es Herstellern verpackter Lebensmittel, die Unversehrtheit ihrer Erzeugnisse und deren Verpackung zu prüfen sowie eine konstant hohe Produktkonformität zu erzielen. Miriam Krechlok, Head of Marketing bei Mettler-Toledo Produktinspektion Deutschland, erklärt im P&A-Interview die derzeit verfügbaren Inspektionstechniken, deren Einsatzgebiete und ob damit Kontrollwaagen überflüssig werden.

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Tipp: Mettler-Toledo hat zu diesem Thema das kostenlose Whitepaper „Garantierte Konformität verpackter Lebensmittel“ veröffentlicht.

Frau Krechlok, was genau versteht man unter Produktkonformität?

Eine konstante Produktqualität, sprich die Konformität eines Lebensmittels, geht heute weit über die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften hinaus. Sie umfasst – vor dem Hintergrund strenger Qualitätsvorgaben des Handels und hoher Erwartungen der Verbraucher – insbesondere auch zahlreiche Aspekte hinsichtlich der Vollständigkeit und einer makellosen Verpackung. Nur den Vorgaben zu entsprechen reicht nicht. Für einwandfreie Produkte muss man ganz genau hinschauen. Hersteller verpackter Lebensmittel können heute hierfür aus einem breiten Spektrum an Techniken zur Produktinspektion wählen, um die Produktkonformität ihres Sortiments
sicherzustellen und zu optimieren.

Auf welche Techniken können Hersteller zurückgreifen, um Produktkonformität zu gewährleisten?

Beginnen wir bei der Fremdkörperdetektion. Hier zählen Röntgeninspektions- und Metallsuchsysteme zum klassischen Instrumentarium der Lebensmittelindustrie. Sie eignen sich zur Erkennung von Fremdkörpern in unterschiedlichsten Produktformaten – von Produkten in loser Form wie Pulver oder Flüssigkeiten über pumpfähige und pastöse Stoffe bis hin zu halbfesten und festen Stoffen. Grundsätzlich ist zu beachten: Bevor es zu einer Entscheidung kommt, welche Technik zur Fremdkörperdetektion eingesetzt und wo entsprechende Systeme platziert werden sollen, sind zunächst mit einer HACCP-Analyse alle Gefahrenpunkte und Arten möglicher Fremdkörper zu bestimmen. Dabei lohnt der kritische Blick auf jedes Detail. So können sich je nach Produkttyp und Verpackungsmaterial Fremdkörper an Stellen ablagern, an denen sie schwer zu erkennen sind und eine besondere Herausforderung für die Inspektionstechnik darstellen. Ein typisches Beispiel hierfür sind die Innenränder bei Glaskonservendosen oder Glasflaschen mit gewölbtem Boden.

Und welche Inspektionstechnik eignet sich genau für welche Arten von Fremdkörpern?

Metallsuchtechnik ist in der Regel die beste Wahl, um Fremdkörper aus Eisenmetall, Nicht-Eisenmetalle wie Messing und Aluminium sowie Edelstahl aufzuspüren. Röntgeninspektionssysteme empfehlen sich bei der Gefahr von Kontaminationen durch Steine, Glas, Metallteilchen sowie Kunststoff- und Gummiverbindungen hoher Dichte. Sie erkennen Fremdkörper auch bei hohen Produktionsgeschwindigkeiten unabhängig von Form oder Lage im Produkt.

Röntgeninspektionssysteme können das verpackte Produkt auch auf fehlende Komponenten untersuchen, oder?

Richtig. Bei Primärverpackungen lässt sich beispielsweise prüfen, ob sich die korrekte Anzahl an Apfeltaschen in der Verpackung, die Comic-Sammelfigur in der Cornflakes-Packung oder der Messlöffel im Babynahrungsgläschen befindet. Röntgeninspektion eignet sich darüber hinaus, um am Linienende zu kontrollieren, ob jede Sekundärverpackung für den Versand auch die korrekte Anzahl an Primärverpackungen enthält. Ferner lassen sich Unter- und Überfüllungen selbst innerhalb einer Umverpackung kontrollieren. Die Technik ist mittlerweile so ausgereift, dass sie in einer Packung einen Qualitätsmangel erkennt, sollte auf Grund eines Fehlers bei der Abfüllung ein Behälter unter- und gleichzeitig ein anderer überfüllt sein. Nehmen Sie etwa ein Fertiggericht, das mit zu viel Reis, aber zu wenig Currysoße befüllt wurde. Ein solches Produkt, das in Summe ein korrektes Gesamtgewicht aufweisen kann und von einer Kontrollwaage akzeptiert würde, lässt sich so erkennen und ausschleusen. Kommen transparente Verpackungen zum Einsatz, lassen sich solche Füllstandskontrollen übrigens auch mit visuellen Inspektionssystemen umsetzen.

Ersetzt Röntgeninspektion damit die klassische Kontrollwaage?

Das sicherlich nicht. Die Bestimmung der Teilmassen mittels Röntgeninspektionssystem ermöglicht es zwar, das Gewicht einzelner Bestandteile eines Produkts – etwa das Gewicht in den einzelnen Fächern des angesprochenen Fertiggerichts – zu kontrollieren. Aber Vorsicht: Diese Massebestimmung zur Kontrolle der Produktkonformität kann nicht die dynamische Kontrollwaage ersetzen, die zur Einhaltung geltender Eichvorschriften erforderlich ist. Diese Waagen wiegen jede Packung in Echtzeit und stellen sicher, dass das mittlere Gewicht mindestens den Etikettenangaben entspricht. Kontrollwaagen mit optionaler Tendenzregelung vorgeschalteter Abfüllanlagen sind darüber hinaus in der Lage, Trends zu erkennen, die auf Abweichungen vom Nettogewicht hinweisen. Ist dies der Fall, können sie eine automatisierte Nachsteuerung der Abfüllanlage an das ursprünglich spezifizierte Gewicht initiieren.

Was kann ich noch tun, damit das Produkt fehlerfrei beim Verbraucher ankommt?

Sowohl visuelle Inspektions- wie auch Röntgeninspektionssysteme erlauben es, Deckel und Verschlüsse auf deren Vorhandensein und korrekten Sitz zu kontrollieren. Deckelinspektionen schützen davor, dass das Produkt während des Transports verschüttet wird, verdirbt oder verunreinigt wird. Siegelrandkontrollen prüfen bei Verpackungsformaten wie Deckelfolien, Siegelplatinen und Folienverpackungen die Unversehrtheit der Verpackung. Sie stellen sicher, dass unter dem Siegelrand keine eingeschlossenen Produktreste die Dichtheit der Verpackungsversiegelung und damit die Frische beeinträchtigen und es somit zu Produktverunreinigungen kommen könnte. Mittel der Wahl ist hier die Röntgeninspektion oder der Einsatz eines visuellen Inspektionssystems. Röntgeninspektionssysteme erkennen Produkte hoher Dichte zwischen dem inneren und äußeren Rand der Siegelung, während visuelle Inspektionssysteme sich eignen, um die Siegelränder auf überschüssige Produktreste zu kontrollieren.

Lassen sich mit den diversen Produktinspektionstechniken zusätzlich noch weitere Qualitätssicherungen bewerkstelligen?

Ja, sicher. Eine makellose Produktpräsentation und Verpackung sind grundlegend für den Verkaufserfolg und Markenauftritt. Jüngste Fortschritte in der Röntgeninspektionstechnik machen es möglich, ein Röntgenbild des kompletten Produkts zu erstellen und gleichzeitig die Verpackung auf Druckstellen oder Beschädigungen zu überprüfen. Visuelle Inspektionssysteme eignen sich zur Verifizierung, ob das Produkt allen Kennzeichnungsrichtlinien entspricht. Zugeschnitten auf die individuellen Konformitätsanforderungen des Herstellers sind sie in der Lage, sowohl die Platzierung wie auch die Inhalte der Etikettenangaben zu kontrollieren. So lässt sich prüfen, ob das richtige Etikett auf der richtigen Verpackung angebracht ist, ob die Einhaltung aller lebensmittelrechtlich erforderlichen Angaben und Kennzeichnungen erfolgte und Aufdrucke wie Losnummer, Barcode und MHD vorhanden, lesbar und korrekt sind.

Damit lässt sich dann ja das Risiko minimieren, dass fehletikettierte oder gar abgelaufene Produkte in den Handel gelangen.

Genau. Diese Überprüfungen liefern im Falle etwaiger Rückrufaktionen oder Verkaufsstopps auch wichtige Informationen für Handel und Endverbraucher. Dank jüngster Innovationen in der visuellen Inspektionstechnik können Hersteller insbesondere auch in Dot-Matrix-Schrift per Inkjet-Verfahren aufgebrachte variable Daten wie das Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargencodes auf ihre Korrektheit prüfen – hier erfolgten bislang in der Praxis lediglich stichprobenartige Sichtkontrollen. Ein solches maschinelles Auslesen und Prüfen der Aufdrucke ist dabei insbesondere auch auf gewölbten Oberflächen wie Bechern oder transparenten Verpackungsmaterialien wie Folien möglich.

Bildergalerie

  • Auch während der Produktion können Fremdkörper in die Waren gelangen, etwa metallische Absplitterungen oder Schrauben. Solche Verunreinigungen lassen sich mittels Metallsuchtechnik ausschließen.

    Bild: Mettler-Toledo

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