Philipp Graf, bnewable

Flexibilität als Geschäftsmodell

Philipp Graf ist Mitgründer und Geschäftsführer der Bnewable GmbH. Als ausgewiesener Energiemarkt- und Batteriespeicher-Experte blickt er auf über zehn Jahre Erfahrung in den Bereichen Industrieelektrifizierung, Elektromobilität und Asset-Optimierung zurück. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt er Industrie- und Gewerbeunternehmen dabei, komplexe regulatorische und wirtschaftliche Herausforderungen der Energiewende zu meistern und durch innovative Flexibilitätslösungen profitabel zu nutzen.

04.11.2026

Der Strom wird grüner, doch in den Unternehmen kommt davon auf der Rechnung wenig an. Warum die Energiewende trotz Rekorden bei den Erneuerbaren ins Stocken gerät, liegt vor allem an mangelnder Flexibilität. Großbatterien bieten hier die Lösung – vorausgesetzt, man bricht im industriellen Sektor mit alten Investitionsmustern.

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Die Entwicklung des Energiemarktes betrachte ich mit großem Optimismus, denn wir haben bereits eine beachtliche Reise hinter uns. Im Jahr 2000 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bei gerade einmal sieben Prozent. Im Jahr 2025 haben wir stolze 59 Prozent erreicht. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte! Dennoch spüren viele Industrieunternehmen diesen grünen Boom bisher kaum auf ihrer Stromrechnung.

Geopolitische Krisen führen uns immer wieder drastisch vor Augen, wie abhängig wir von fossilen Energieträgern aus dem Ausland sind. Die Energiewende ist daher der einzig richtige Weg, um uns von diesen globalen Abhängigkeiten zu entkoppeln und langfristig wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Das Kernproblem liegt derzeit darin, dass das Angebot an grünem Strom oft nicht mit der tatsächlichen Nachfrage übereinstimmt. Durch den massiven Ausbau der Photovoltaik (PV) verzeichneten wir im letzten Jahr bereits über 600 Stunden mit negativen Strompreisen am Markt, und dieser Trend setzt sich fort. Gleichzeitig schreitet die Elektrifizierung unaufhaltsam voran. Im Pkw-Bereich machen reine Elektrofahrzeuge bereits ein Viertel der Neuzulassungen aus, und auch bei schweren Nutzfahrzeugen zieht die Dynamik dank verbesserter Ladeinfrastruktur an. Im Gebäudesektor wurden im Jahr 2025 bereits mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Hinzu kommt der immense Hunger neuer Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI).

All diese Faktoren führen dazu, dass der aktuelle deutsche Strombedarf von rund 550 Terawattstunden (TWh) pro Jahr in den nächsten zehn Jahren um 30 bis 50 Prozent auf etwa 800 TWh ansteigen wird. Um diesen zyklisch und regional erzeugten Strom nutzbar zu machen, müssen die Netze dezentral umgebaut werden. Die dafür geschätzten Investitionen von rund 500 Milliarden Euro in den kommenden 15 Jahren erklären, warum der Strom trotz kostenloser Sonne und Windenergie vorerst teuer bleibt. Was der Industrie in dieser Übergangsphase fehlt, ist Flexibilität. Während Privatpersonen ihre Waschmaschine oder das Auto dank dynamischer Tarife flexibel steuern können, lassen sich industrielle Produktionsprozesse nicht ohne Weiteres an die Volatilität des Marktes anpassen.

Hier kommen große Batteriespeicher ins Spiel, auch bekannt als Battery Energy Storage System (BESS). Bisher scheuten viele Unternehmen den Einsatz, da der Energiemarkt hochkomplex ist und die klassischen Amortisationsrechnungen der Finanzabteilungen bei hohen Anschaffungskosten oft nicht aufgingen. Eine reine Fokussierung auf den lokalen PV-Eigenverbrauch greift zu kurz, da Überschüsse meist nur an wenigen Stunden in den Sommermonaten anfallen, was kaum fünf Prozent des gesamten Jahres ausmacht. Ein Speicher, der die restliche Zeit ungenutzt bleibt, ist eine schlechte Investition.

Der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit liegt im sogenannten Value Stacking, also der Kombination verschiedener Anwendungsfälle. Ein BESS kann sowohl zur lokalen Optimierung wie der Lastspitzenkappung als auch zur aktiven Vermarktung am Energiemarkt genutzt werden. Um die hohen Hürden der Anfangsinvestition im Millionenbereich für ein solches System – etwa für einen typischen Container mit zwei Megawatt (MW) Leistung und vier Megawattstunden (MWh) Kapazität – komplett zu umgehen, setzen wir auf ein zukunftsweisendes Mietmodell. Bei diesem Battery-as-a-Service-Ansatz bleibt der Container fest am Industriestandort installiert, das Unternehmen zahlt jedoch nur für die tatsächliche Nutzung und atmet flexibel mit dem Bedarf. Das Investitionsrisiko sowie das komplexe tägliche Management und die Anpassung an die sich ständig ändernde Regulatorik werden vollständig ausgelagert. So profitiert die Industrie von maximaler Flexibilität und sinkenden Energiekosten, ohne eigenes Kapital binden zu müssen. Ein solches System rechnet sich übrigens auch völlig ohne eigene Erzeugungsanlagen, da die Vermeidung von Lastspitzen oder die Ausnutzung atypischer Netznutzung in den Wintermonaten erhebliche Einsparungen mit sich bringen.

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