Wer gewinnt das Start-up-Rennen?

Europas Gründer-Paradox: Viel Potenzial, doch wenig Scale-up

Neun Millionen Unternehmensgründungen und drei Länder lassen eines erkennen: Europas Start-ups kommen nicht in die Gänge.

Bild: iStock, IR_Stone
19.06.2026

Europa gründet viel, wächst aber zu wenig. Eine ZEW-Studie zeigt: Während Frankreich sein Scale-up-Potenzial verdreifacht hat, verliert Deutschland den Anschluss. Warum werden aus vielversprechenden Start-ups so selten echte Scale-ups? Ein ZEW-Policy-Brief liefert Antworten und zeigt, welche Regionen und Länder beim Wachstum zurückbleiben.

In Frankreich, Deutschland und Großbritannien bleibt erhebliches Wachstumspotenzial ungenutzt. Ein ZEW-Policy-Brief untersucht auf Basis von mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Europa, wo Start-ups entstehen und in welchen Regionen die Anzahl der vorhergesagten Start-ups übertroffen wird. Es zeigt sich, dass sich die unternehmerische Dynamik in Europa auf Metropolen wie Paris, London oder München sowie auf forschungsstarke Regionen wie Cambridge, Oxford, Lyon, Bonn oder Heidelberg konzentriert.

Europa hat Potenzial, aber fehlende Wachstumsbedingungen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Europa ein erhebliches Gründungspotenzial hat, aber bessere Bedingungen braucht, damit aus vielversprechenden Start-ups tatsächlich Scale-ups werden“, erklärt Prof. Dr. Hanna Hottenrott, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik. Besonders auffällig ist, dass Frankreich sein erwartetes Scale-up-Potenzial im Untersuchungszeitraum deutlich erhöht hat, während Deutschland trotz guter Ausgangslage an Dynamik verloren hat.

Lena Füner, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik, ergänzt: „Für die europäische Wettbewerbsfähigkeit kommt es darauf an, Markteintritt, Finanzierung, Talentzugang und Wachstumshürden gemeinsam in den Blick zu nehmen. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, wenn junge Unternehmen in fragmentierten Märkten nicht schnell skalieren können.“

Frankreich verdreifacht sein Scale-up-Potenzial

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Frankreich: Die Zahl der potenziellen Scale-ups gemessen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt hat sich dort zwischen 2009 und 2023 etwa verdreifacht. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis auf ein im Vergleich günstigeres Umfeld für wachstumsorientierte Unternehmensgründungen. Dazu zählen politische Initiativen wie Bpifrance, die French Tech Mission und Station F sowie vereinfachte Gründungsverfahren.

Deutschland und Großbritannien verlieren an Fahrt

Deutschland startete zwar von einem höheren Niveau, verzeichnete im Untersuchungszeitraum jedoch eine abnehmende Dynamik. In Großbritannien stieg das Scale-up-Potenzial zunächst bis 2017, ging danach jedoch wieder zurück. In allen drei Ländern bleibt dabei ein großer Teil des vorhandenen Potenzials ungenutzt.

Wo viele Unternehmen gegründet werden, entstehen tendenziell auch mehr wachstumsstarke Firmen. In Frankreich konzentrieren sich Gründungen mit hohem Wachstumspotenzial vor allem auf die großen Metropolregionen Paris, Marseille und Lyon. In Großbritannien dominiert London, während Cambridge und Oxford durch ihre besonders hohe unternehmerische Qualität hervorstechen. Dies unterstreicht die Bedeutung forschungsstarker Universitätsstandorte. Deutschland weist dagegen eine dezentralere Struktur auf. Neben München als besonders starkem Zentrum zeigen auch Regionen wie Bonn, Heidelberg und Jena eine hohe Qualität des Gründungsgeschehens.

Verwandte Artikel