Karsten Schneider, Chairman von PI

Bild: Profibus&Profinet

Profinet-TSN vs. OPC-UA mit TSN-Erweiterung „Es geht nicht um die Wahl zwischen Profinet oder OPC UA“

25.08.2017

Karsten Schneider, Chairman von PI, erklärt im A&D-Interview die Bedeutung von TSN in Profinet für die Maschinenkommunikation in der Industrie 4.0.

A&D:

Sehen Sie Profinet neben OPC UA als den dominierenden Standard?

Schneider:

Heute ist Profinet klar der Marktführer unter den Ethernet-basierten Industriellen Kommunikationslösungen, was vor allem an seiner Leistungsfähigkeit und Offenheit liegt. Das bedeutet konkret eine schnelle Datenübertragung von einer E/A-Baugruppe zur Steuerung  und gleichzeitig weitere Protokolle für dedizierte Aufgaben und IT Tools. Profinet vereint beide Eigenschaften wie kein anderes System. OPC UA erfährt gerade, auch durch Industrie 4.0 viel Aufmerksamkeit und wird ebenfalls eine wichtige Rolle in der Automatisierung spielen. Im Zusammenspiel mit Profinet.

Abgesehen von Bestandsanlagen: Wann ist Profinet-TSN besser geeignet als OPC-UA mit TSN-Erweiterung?

Die Frage geht eigentlich in die falsche Richtung. Die Wahl ist doch nicht zwischen Profinet oder OPC UA. Profinet ist ideal für Controller-Device Kommunikation, OPC UA bestens für die Kommunikation zwischen Controllern und für die Übertragung in die Cloud geeignet. Die beiden Protokolle ergänzen sich also ideal! Und hier kommt eben die Stärke von Profinet zum tragen, parallel andere Protokolle übertragen zu können. OPC UA zusammen mit Profinet ist also die beste Wahl.

Bei der TSN-Integration in Profinet ist einfache Handhabung wichtig. Schränkt das die Funktionalität ein?

Das sehe ich nicht so. Es geht vielmehr darum, Profinet weiterzuentwickeln. Mit IRT haben wir heute schon ein extrem leistungsfähiges System, welches im Feld erprobt ist. Mit TSN müssen wir für unsere Anwender einen Mehrwert schaffen, sonst macht die ganze Übung keinen Sinn. Hier sehen wir in der  Weiterentwicklung der Usability ein wichtiges Ziel, um den Anwendern die Konfiguration, Inbetriebnahme und Wartung von Profinet-Netzwerken zu erleichtern, sowohl im Engineering als auch im Netzwerkaufbau. Daher treten wir in der internationalen Standardisierung auch für eine Plug'n'Play Konfiguration bei TSN ein. Es geht also, ohne die Funktionalität einzuschränken. Alleinstellungsmerkmale wie die hervorragende Diagnose oder Safety mit Profisafe bleiben gleich.

Öffnet TSN für Profinet durch die Nutzung von Standard-Controllern den Weg in Gigabit-Bandbreiten?

Das ist ganz klar ein erklärtes Ziel. Dadurch, dass TSN auf Standard Ethernet Chips aufsetzt, können wir hier von den Weiterentwicklungen der IT-Branche profitieren und Gigabit-Ethernet in Zukunft nutzen. Mit TSN wollen wir die Robustheit der Industrienetzwerke mit der Bandbreite und Flexibilität der IT-Netze kombinieren. Für Gerätehersteller ergibt sich dadurch auch der Vorteil, dass sie noch freier in der Wahl ihrer Plattformen für ihre Geräte sind, sobald die namhaften Chiphersteller TSN unterstützen.

Wird Profinet IRT im harten Echtzeitbereich durch TSN weiter notwendig sein?

Auf absehbare Zeit führt erstmal kein Weg an IRT für Motion-Control-Anwendungen vorbei. IRT ist im Markt etabliert, hat seine Leistungsfähigkeit bewiesen und es sind viele Geräte von unterschiedlichen Herstellern verfügbar. Es wird noch viel Zeit benötigen, bis auch TSN so weit ist und mit einer großen Zahl Geräten aufwarten kann. Ich sehe hier auch kein Problem beim Übergang, da wir die Applikationsschicht bei Profinet beibehalten. Im Übrigen adressieren wir mit TSN nicht nur IRT- sondern auch die RT-geprägten Applikationen, denn die TSN-Technologie bringt Vorteile für beide Einsatzbereiche.   Mit den bei Feldbussen üblichen Einsatzzeiträumen werden wir RT und IRT allerdings noch viele Jahre parallel zu TSN unterstützen.

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