Zuhause teilen sich viele Geräte einen Ladepunkt; in der Elektromobilität braucht jedes Auto einen eigenen.

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Kostengünstiges Lademanagement Eine Mehrfachsteckdose für E-Autos

12.03.2020

Jeder Haushalt kennt sie: Mehrfachsteckdosen, an denen mehrere Elektrogeräte gleichzeitig hängen können. Bei Elektroautos geht das bislang nicht so einfach, noch benötigt jedes Fahrzeug einen eigenen Ladepunkt. Die FH Bielefeld will das mit einer intelligenten Mehrfachsteckdose ändern, die das Laden von Elektroflotten stark vereinfachen soll.

Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Elektroautos ihrer Fahrzeugflotten zur gleichen Zeit laden zu müssen. Das benötigt je Gefährt einen eigenen Ladepunkt – und wirft logistische Schwierigkeiten auf.

Dieses Problem will die Fachhochschule Bielefeld in Kooperation mit dem Ladesäulenhersteller Westaflexwerk und dem Spezialisten für Gebäude- und Energiemanagement Archimedes nun lösen. Die Partner entwickelt im Projekt Power2Load eine intelligente Mehrfachsteckdose, die eine kostengünstige und nachhaltige Möglichkeit für das Lademanagement darstellen soll.

E-Fahrzeug-Akzeptanz bei Unternehmen steigern

„Trotz des großen Interesses an der Elektromobilität scheuen viele Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt das hohe Investitionsrisiko beim Aufbau einer großflächigen Ladeinfrastruktur auf dem eigenen Betriebsgelände“, schildert Prof. Jens Haubrock, Projektleiter an der FH Bielefeld. Grund dafür sei die Unsicherheit der Unternehmen hinsichtlich der Entwicklung der Elektromobilität sowie der Ladetechnik.

An dieser Stelle soll die intelligente Mehrfachsteckdose die limitierte Anzahl an Ladepunkten erhöhen. „Gleichzeitig ist die Zuverlässigkeit der Energieversorgung extrem wichtig und hängt auch davon ab, ob es uns gelingt, neue Verbrauchergruppen wie Elektrofahrzeuge intelligent in das Gesamtsystem zu integrieren“, fährt Haubrock fort. Durch ein integratives Konzept für eine Ladeinfrastruktur bei Unternehmen lasse sich die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen erhöhen.

Funktionsweise der Mehrfachsteckdose

Das Lademanagementsystem mit intelligenter Umschaltautomatik – die Mehrfachsteckdose – soll nicht nur die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur minimieren, sondern gleichzeitig auch die Anzahl möglicher Ladeplätze erhöhen. Statt einer Ladesäule pro Fahrzeug bietet die Säule mehrere Ladeplätze. Das System kann auch mit bereits vorhandenen Ladesäulen kombiniert werden und diese erweitern.

Durch die intelligente Steuerung lässt sich eine Überlastung des Netzanschlusses vermeiden und der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen am Ladestrom maximieren. Das intelligente Lademanagement berechnet, wann ein hohes Ladeaufkommen besteht und kann so Prognosen erstellen, zu welchem Zeitpunkt welche Menge an Strom bereitgestellt werden muss. Zu diesem Zweck soll in dem Projekt auch eine App entwickelt werden, in der Fahrer beispielsweise den Ladestand ihres Fahrzeugs oder den Zeitpunkt ihrer nächsten Fahrt eingeben können.

Weitere Informationen zum Projekt

Das Projekt Power2Load wird mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,3 Millionen Euro gefördert. Ein Teil der Fördermittel wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt, da das Projekt beim Klimaschutzwettbewerb EnergieeffizienzUnternehmen.NRW erfolgreich war.

Power2Load ist im Institut für Technische Energie Systeme (ITES) des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik der FH Bielefeld angesiedelt. Prof. Haubrock hat sich mit seiner Arbeitsgruppe bereits in mehreren Forschungsprojekten mit den Themenfeldern Smart Mobility und Smart Energy beschäftigt; die Ergebnisse fließen auch ins aktuelle Projekt ein.

Bildergalerie

  • Die Projektpartner von Power2Load: Dr. Peter Westerbarkey (Westaflex), Julia Eberharter (Archimedes), Katrin Schulte und Prof. Jens Haubrock (beide FH Bielefeld).

    Bild: FH Bielefeld

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