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Blockchain in der Praxis Eindeutig identifizieren

30.10.2018

Die Blockchain-Technologie erfährt gerade einen ungemeinen Hype. Wie sie sich einsetzen lässt, ist aber oft noch unklar. Beispiele aus dem Asset-Tracking und der Lieferkette zeigen, wie eine Umsetzung aussehen kann.

Letztes Jahr wurden rund 75.000 E-Bikes in Deutschland verkauft. Die Prognosen gehen von einer Verdoppelung dieser Zahl im Jahr 2018 aus. Die elektrischen Fahrräder sind vergleichsweise teuer in der Anschaffung und werden zudem sehr gerne entwendet. Aber auch Versicherungsbetrug durch gefälschte Rechnungen ist bei ihnen ein großes Thema. Beidem versucht das Unternehmen Kette aus München mit Hilfe der Blockchain-Technologie Herr zu werden. Angefangen hat es mit der Idee Fahrräder und E-Bikes auf der Blockchain zu registrieren. Diese Idee geht nun als Schnittstelle in einer Kooperation mit einer Versicherungsgesellschaft auf.

Fahrraddiebstahl vermeiden

Mit dem Konzept möchte man erforschen, inwieweit sich mit einheitlich registrierten und gekennzeichneten Fahrrädern die Diebstahlquote senken lässt. Durch die Blockchain können aber auch beispielsweise neue Partnerschaften mit Online-Händlern und Marktplätzen entstehen, die somit sehr schnell validieren können, ob ein dort zum Verkauf angebotenes Fahrrad als gestohlen gemeldet ist. Aber auch die Versicherungsprozesse im Hintergrund sollen durch eine digitalisierte Diebstahlmeldung und Prüfung verschlankt werden. Technologien wie das Internet der Dinge und Sensoren könnten in Zukunft den Fahrraddiebstahl und den Verkauf des Diebesgutes massiv erschweren. Daher lohnt es sich schon jetzt, in die darunterliegende Infrastruktur zu investieren.

Das Unternehmen Kette aus München hat sich zum Ziel gesetzt, eine effizientere Zusammenarbeit bei der Produktion und Distribution, Sicherheit und Transparenz in Lieferketten zu bringen. Ein Fokus ist es herauszufinden, inwiefern und ob überhaupt die Blockchain-Technologie eine grundlegende Veränderung in den verschiedenen Geschäftsfeldern bringen kann. Die grundlegende übergeordnete Kernidee ist es, mit Hilfe von Blockchain physikalischen Assets eine eindeutige Identität und eine unveränderbare Historie zu verleihen.

E-Bikes sind erst der Anfang, denn Kette widmet sich auch dem Problem der Intransparenz und Effizienz in den Bereichen Asset-Tracking und Supply-Chains. Für viele Unternehmen und Endkunden wird es immer wichtiger, die genau Herkunft von Produkten und Bauteilen verifiziert nachweisen zu können. Oft ist hier von Provenance die Rede, was die komplette Historie eines Produktes widerspiegelt. Dieser digitale Herkunftsnachweis kann von jedem Teilnehmer der Blockchain verfolgt werden und ermöglicht selbst eine einfachere Auditierbarkeit. Für verschiedene Industrien hat dies andere Implikationen: Beispielsweise kann ein Arzt exakt nachvollziehen, zu welchem Zeitpunkt ein Medikament produziert wurde und das es sich um ein Original handelt. Konsumenten bekommen ebenfalls einen besseren Einblick in die Herkunft der Produkte, welche sie täglich konsumieren und können deren Echtheit verifizieren. Durch Blockchain als öffentliches, dezentrales Register entsteht eine Transparenz, die es Unternehmen ermöglicht, sich selbst zu kontrollieren, Reibung in Prozessen abzubauen und ihre Effizienz zu steigern. Kette ist momentan dabei für diese Szenarien eine dezentrale Plattform aufzubauen, um es Unternehmen aus verschiedenen Industrien zu ermöglichen, mit einfachen Templates ihre Prozesse abzubilden und schnell die Vorteile der Technologie nutzen zu können.

Blockchain im Supply Chain Management

Blockchain bringt dabei wichtige Eigenschaften mit, die beim Aufbau der Plattform genutzt werden können. Jede Information eines Assets muss aufgezeichnet werden; dies geschieht von jedem Glied in der Lieferkette. Daher ist es wichtig, dass jeder Schreibzugriff auf das dezentrale Registerbuch hat. Da man davon ausgehen muss, dass sich nicht alle Teilnehmer gegenseitig vertrauen, jedoch aber dasselbe Ziel verfolgen, kann jeder Teilnehmer unveränderbare Einträge vornehmen. Dies ermöglicht nicht nur eine effizientere und transparentere Zusammenarbeit untereinander, sondern kann auch die Arbeit von Behörden bei Audits beschleunigen, da alle Daten einheitlich, unveränderbar und von allen einsehbar vorliegen.

Verschiedene Technologien verknüpfen

Die Branche fokussiert sich momentan stark auf die Grundlagen der Blockchain, gleichzeitig steigt die Nützlichkeit mit der Konvergenz verschiedener anderer Technologien. Gerade in Bereichen wie Robotics, Internet of Things und Künstliche Intelligenz. Auf einem Entwicklercamp der Technischen Universität München wurde ein Prototyp präsentiert, der genau dies veranschaulicht. Nämlich eine Drohne, die selbstständig zu einer Ladestation fliegt und nach dem vollständigen Aufladen der Akkus eigenständig eine Zahlung durchführt. Dies veranschaulicht das Potenzial dahinter.

Bei solchen Mikrotransaktionen ist keine Bank involviert und jeder könnte in seinem Garten eine kleine Landefläche errichten, um direkt Energie aus beispielsweise Photovoltaik-Anlagen an die Drohne zu verkaufen. Je mehr Sensorik und Entscheidungen also von Geräten selbst getroffen werden, umso mehr wird das Potenzial der Infrastruktur darunter deutlich. Wichtig hierbei ist auch der Aspekt unserer persönlichen Daten, denn dies ist auch ein Versprechen des Web 3.0 – also eines dezentralen Internets mit der Herrschaft über die eigene digitale Identität und die Daten, welche diese generiert. Doch bei all der Zukunftsmusik wird sich erst noch zeigen müssen, welche Szenarien sich langfristig durchsetzen werden.

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