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Wie die Blockchain-Technologie funktioniert Mehr als nur virtuelle Währung

04.10.2018

Obwohl die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, hat inzwischen praktisch jeder von der Blockchain gehört. Besonders gehypt wird sie durch Kryptowährungen wie Bitcoin. Doch diese Währungen sind nicht das einzige Anwendungsgebiet. Was dahintersteckt, wie die Technologie funktioniert und welche Rolle dabei Misstrauen spielt, erfahren Sie hier.

Derzeit ist die Blockchain in aller Munde als eines der zukünftigen Technologien, die eine neue internationale digitale Veränderung bringen könnte. Durch den Hype der Kryptowährungen Ende des Jahres 2017 hat sie noch mal einen weiteren Aufmerksamtkeits-Schub bekommen. Allerdings verstehen nur wenige die Funktionsweise der Technologie und das sie noch einiges mehr zu bieten hat, als nur Kryptowährungen. Obwohl die Erfindung der Bitcoin - Blockchain bereits im Jahre 2008 stattgefunden hat, beginnen erst jetzt Firmen und Institutionen ernsthaft sich mit ihr zu beschäftigen. Als Erfinder dieser, gilt das Synonym Satoshi Nakamoto, der in seinem Whitepaper bereits auf Quellen und Forschungen aus den 50er Jahren verweist. Also ist die Idee dahinter bereits lange in vielen klugen Köpfen. Mit der stärkeren Leistungsfähigkeit von Computern ergeben sich völlig neue Ansätze der Kryptographie und machten somit eine Umsetzung der Technologie erst möglich. Mittlerweile gibt es hunderte verschiedene Blockchains, mit verschiedenen Ansätzen und Ideen. Man geht davon aus, dass sich eine oder wenige durchsetzen werden. Welche das ist, ist noch völlig offen.

Im Prinzip muss man sich die Blockchain als eine mögliche neue Infrastruktur, ähnlich wie das Internet vorstellen. Auf dieser wiederum können Applikationen oder andere Einsatzmöglichkeiten aufgebaut werden. Es geht vorrangig um die Versendung von Transaktionen die gebündelt werden und je nach Art der Blockchain in zeitlichen Abständen mit Blöcken verschickt werden. Die Buchführung dieser Transaktionen kann man sich als eine Art öffentliche Exceltabelle vorstellen, bei der alle Nutzer lesenden Zugriff haben. Neue Werte werden dabei immer nur automatisiert an das Ende dieser Tabelle angehängt, Änderungen in vorigen Zeilen sind nicht möglich. Um die Tabelle mit Energie zu speisen kommen die sogenannten Miner ins Spiel. Im Falle der Public Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum sind diese private Rechner oder mittlerweile große Rechencenter die kryptographische Rätsel vor jedem Block lösen müssen. Für jeden Block bewerben sich einige Miner Derjenige, der das Rätsel zuerst lösen kann, darf den Block ausführen und wird mit der entsprechenden Kryptowährung entlohnt. In privaten Blockchains wie der von IBM zum Beispiel läuft dies zentral ab, also mit wenigen eigenen Knotenpunkten. Für alle gilt, dass sämtliche Daten per Kryptographie geschützt sind und nach aktuellem technologischen Stand nicht zu hacken sind. Trotzdem hört man oft in den Medien, dass Kryptobörsen oder sogenannte „Wallets“ gehackt wurden. Dies hat allerdings nichts mit den Transaktionen beziehungsweise der Blockchain zu tun, sondern lediglich mit den Endpunkten dieser. Der große Vorteil ist die Dezentralität. Also, dass niemand uneingeschränkten Zugriff darauf hat und dass die Daten unveränderbar sind.

Microsoft und IBM arbeiten bereits intensiv mit Blockchain

Die Technologie ist momentan noch mit einem enormen Aufwand verbunden, weshalb sie nur zögerlich bei Unternehmen zum Einsatz kommt. Allerdings haben viele große Firmen bereits mit Forschungen für den Einsatz begonnen. Hier ist die B3i Initiative zu erwähnen die bereits im Oktober 2016 von Allianz, Aegon, Munich RE, Swiss Re und Zurich gegründet wurde. Große Tech-Unternehmen wie Microsoft oder IBM arbeiten bereits intensiv mit der neuen Technologie.

Eine gegenwärtige interessante Anwendungsmöglichkeit liegt im Bereich des Crowdfundings für Startups. Im vergangenen Jahr wurde mit sogenannten ICO`s (Initial Coin Offering) eine Summe von 5,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Hierbei gaben Blockchain-Startups ihre eigene Kryptowährung gegen eine Etablierte aus. Allerdings wurde der Hype sehr stark ausgenutzt und Versprechungen ausgesprochen die nicht einhaltbar waren. Durch stärkere Regulierungen wie etwa der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) kamen somit bereits einige Gründer ins Gefängnis. Auch ist der Coin, der ausgegeben wurde meist total nutzlos und kein Anteil am Unternehmen wie anfangs viele neue Marktteilnehmer glaubten. In Zukunft gibt es aber neue zukunftsträchtige Modelle wie die STO`s (Security Token Offering) die wirklich einen Anteil am Unternehmen widerspiegeln. Des Weiteren müssen deren Geschäftskonzepte nicht mit der Blockchain-Technologie funktionieren, können sich aber mit dieser finanzieren. So möchte beispielsweise ein Roller-Startup 125 Million US-Dollar einsammeln.

Sicherheit vor Manipulationen

Generell gilt das noch keine 100-prozentige Aussage getroffen werden kann, in welchen Bereichen die Technologie wirklich eingesetzt werden könnte. Sie ist immer noch ganz am Anfang und jeder, der mit ihr arbeitet leistet Forschungs - beziehungsweise Pionierarbeit. Sobald man Daten unveränderlich speichern und diese sicher hinterlegen möchte, wäre der Einsatz denkbar. Experten sprechen meist von Anwendungen bei Wahlen und Registern, Ursprungszertifikaten oder dem weltweiten Zahlungsverkehr. Die Grundidee hinter Bitcoin beruht beispielsweise eher auf einem revolutionierenden Charakter und ist nach der internationalen Finanzkrise entstanden. Zurzeit muss man einer Bank vertrauen, dass diese den tatsächlichen Kontostand auch wirklich auszahlt. In der Blockchain hingegen wird durch Transparenz und viele Nutzer, die den Transaktionen zustimmen müssen, automatisch Vertrauen aufgebaut. Abgesehen von Kryptowährungen gibt es allerdings noch keine gegenwärtige Umsetzung, die nicht auch durch eine normale Datenbank erledigt werden könnte. Die meisten Vorschläge sind vor allem Marketing.

Durch Intelligente Verträge sollte es möglich sein, über die Blockchain Käufe abzuwickeln, etwa ein Autokauf. So würde automatisch der digitale Autoschlüssel für den Eigentümer freigegeben werden, nachdem der Kaufpreis eingegangen ist. Hat man mit dem Verkäufer Ratenzahlung ausgemacht und eine Rate würde ausbleiben, wird der Schlüssel automatisch gesperrt bis die Rate beglichen ist. Hierbei handelt es sich um wertneutrale Verträge und diese werden zu 100 Prozent ausgeführt, wie sie zuvor definiert wurden. Bei intelligenten Verträgen wird ein Programmcode geschrieben, der eine Wenn-Dann-Bedingung enthält. Sobald Vertragsinhalte ausgeführt wurden, werden automatisch die vorher definierten Ereignisse freigegeben. Der intelligente Vertrag kommuniziert direkt mit dem verkauften Objekt, ohne dabei einen Intermediär dazwischen schalten zu müssen.

Neue Möglichkeiten für Entwicklungsländer bietet der Zugang zu einer Finanzinfrastruktur. Alternativ zu einem Bankkonto kann man innerhalb von Minuten ein eigenes Wallet auf seinem Rechner oder Smartphone anlegen. Über die Blockchain basierten Kryptowährungen hat somit jeder die Möglichkeit, sich gegenseitig Geld zu schicken. Hier gibt es bereits sogenannte stable coins, die keinen volatilen Schwankungen ausgesetzt sind.

Ideen für einen Blockchain-basierten Musikdienst sind bereits seit letzten Jahres in der Entwicklung. Eine Firma aus Norwegen namens Hubii ist hier Vorreiter. Hierbei handelt es sich über einen dezentralen Musikladen. Auch andere Inhalte von Künstlern und Schriftstellern sollen angeboten werden. Bei dieser Idee wird es keine Plattenverträge mehr geben und die Künstler selbst haben die Rechte an der eigenen Musik und können diese verwalten. Die Finanzierung funktioniert über Crowdfunding und läuft über den eigenen Coin „HBT“. Somit verändert sich das Verhältnis zwischen Inhaltsentwickler und Empfänger positiv und es würde eine win – win Situation entstehen. Fans würden vom Erfolg des Lieblingskünstlers profitieren.

Viele Supply Chains sehen sich der Herausforderung gegenüber, dass sie trotz der hohen Investments der letzten Jahre vielerorts ineffizient sind. Fehlende Transparenz, Interoperabilität und Prozesse, die oft noch auf Papier vonstattengehen, sind unter anderem Gründe dafür. In vielen Szenarien kann die Blockchain-Technologie dabei helfen entlang der Wertschöpfungskette den verschiedenen Teilnehmern eine einheitliche Sicht auf Daten zu gewähren, ohne dabei die Datenkonsistenz zu beeinträchtigen. Sobald Daten in einem Block aufgezeichnet werden, sind sie nicht mehr veränderbar und die verteilte Speicherung macht Cyber-Angriffe sehr schwierig.

Wahlsysteme könnten mit der Blockchain-Technologie grundlegend verändert werden. Diese wären mit absoluter Sicherheit vor Manipulationen geschützt. Außerdem würde sie Anonymität und Sicherheit garantieren. Beim Auszählen würde es keine Fehler mehr geben. Die Wähler könnten problemlos von zu Hause aus ihre Stimme abgeben.

Natürlich gibt es Gründe, warum sich momentan die gesamte Versicherungsbranche mit den Möglichkeiten der Blockchain beschäftigt. Ähnlich wie intelligente Verträge könnten auch Versicherungen funktionieren. Nachdem sich die Versicherung und der Versicherungsnehmer auf Vertragsdetails geeinigt haben, setzt die Blockchain diese wertneutral um. Bei Autoversicherungen könnte das Fahrverhalten über die Blockchain analysiert werden und würde die Beiträge automatisch anpassen. In einem sogenannten Loyalty Programm werden vorsichtige Fahrer belohnt und risikobereite Fahrer zahlen mehr. Ein Regelwerk in der Blockchain setzt dieses System fair und transparent um. Insgesamt ist die Technologie noch weit in den Kinderschuhen, hat aber enormes Potential und wird manche Branchen stark verändern.

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