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Wie die Rolle der IT im Zuge der Digitalisierung aussehen kann, erklären Jonas Schaub, Vorstand Elunic und Dr. Josef Waltl, Global Segment Lead – Industrial bei Amazon Web Services (AWS) im Interview.

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Interview mit Jonas Schaub, Elunic und Josef Waltl, Amazon Web Services „Die Nutzung von Cloud-Diensten ist bald so gewöhnlich wie die Nutzung von Strom“

26.04.2019

Bisher hatte die IT eine zentrale Rolle, nun befindet sie sich allerdings im Wandel. Fraglich ist, ob es die klassische IT, wie sie die meisten Industrie-Unternehmen haben, in Zukunft überhaupt noch geben wird. Schon jetzt gibt es zahlreiche Modelle, die diese These unterstützen. Wie genau die Rolle der IT im Zuge der Digitalisierung aussehen kann, veranschaulichen Jonas Schaub, Vorstand Elunic und Dr. Josef Waltl, Global Segment Lead – Industrial bei Amazon Web Services (AWS), anhand ihrer Zusammenarbeit.

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publish-industry:

Welche Rolle spielen Integratoren bei der Nutzung von IoT-Plattformen?

Dr. Josef Waltl, Amazon Web Services:

Eine ganz entscheidende, denn es gibt bei IoT-Plattformen immer nur einen gewissen Grad der Standardisierung. Das liegt daran, dass gerade im Industrial-Umfeld der Use Case immer spezifisch ist. Jede einzelne Produktion und jedes einzelne Unternehmen sind spezifisch. Das bedeutet, Technologieanbieter können gar nicht all diese Use Cases abbilden. Integratoren haben dabei die Rolle, die Standardkomponenten, welche von Industrial-IoT-Anbietern angeboten werden, zu erweitern und diese so erweitern, dass ein Mehrwert für das Unternehmen geschaffen werden kann.

Jonas Schaub, Elunic:

Ich glaube auch, dass Integratoren bei der Nutzung von IoT-Angeboten eine ganz entscheidende Rolle spielen. In der heutigen Zeit, wo die Welt komplexer, volatiler, unsicherer und mehrdeutiger ist, ist es extrem wichtig sich auch eine Außensicht zu verschaffen. Integratoren spiegeln sehr viele Erfahrungen von anderen, erprobten und erfolgreichen Implementierungen wider. Hier ist es besonders wichtig, trotzdem die Hoheit zu behalten und Integratoren zum Beispiel als Speed-Boote zu nutzen und eben ihre Geschwindigkeit hinsichtlich Implementierung oder Wissensgenerierung zu nutzen. In unserer komplexen Welt, in der so vieles so schnell passiert, ist es nur ratsam die Erfahrungen von Integrationspartnern zu nutzen.

publish-industry:

Sollte ich meine IT überhaupt in die Cloud outsourcen?

Dr. Josef Waltl, Amazon Web Services:

Das kommt auf den Use Case an. In der IT unterscheidet man zwischen zwei Arten. Die eine ist die Corporate IT, diese betreibt sogenannte Support-Funktionen, also SAP- und Abrechnungssystem. Dabei gibt es einen klaren Trend zur Cloud, was wiederum die Rolle der IT ändert. Die andere Art ist die IT der Business Lines, manchmal auch Schatten-IT genannt, in dieser geht es darum Standardapplikationen möglichst sinnvoll einzubringen, um einen Mehrwert zu schaffen. Diese können dann selbst in der Cloud betrieben werden, dafür ist dann eine enge Kollaboration zwischen Corporate IT und Business Line IT notwendig, um den Ablauf möglichst reibungsfrei zu gestalten. Eine andere Möglichkeit ist es, Services zu nutzen die dann von Anbietern basierend auf Cloud-Technologien angeboten werden. Dort gilt es dann die Services in das eigene Cloud-betriebene Angebot möglichst gut zu integrieren.

Jonas Schaub, Elunic:

Da muss man bei der IT, wie Herr Dr. Waltl schon gesagt hat, separieren. Eine These ist, dass die Cloud in den nächsten Jahren so commodity wird wie Strom. Das heißt, es wird nicht weiter die Frage nach dem „ob“ geben, sondern nach dem „wann“ und „was“. Und im Anschluss daran: „Wie baue ich die Architektur meiner Organisation um so ein outgesourcedes Thema drum herum?“

publish-industry:

Wie genau muss sich denn die IT-Abteilung transformieren, damit sie in Zukunft richtig aufgestellt ist?

Jonas Schaub, Elunic:

Ich glaube auch hier, dass die IT-Abteilung, weg vom Gedanken Cost-Center hin zum Profit-Center unterschieden werden muss. Die IT hat Querschnittsfunktionen. Die IT sollte bei vielen Dingen loslassen und weg gehen von dem Gedanken alles selbst zu machen beziehungsweise zu betreiben. Zudem ist auch wichtig, sich auf wenige Themengebiete zu fokussieren und spezialisieren, heißt man sollte sich die Fragen stellen: Wo bin ich die neuralgische Stelle? Und wo muss ich mich auch auf andere Themen sowie Transformations-Herausforderungen einlassen? Bisher gilt die IT oft als zentrale Verantwortungsstelle, dabei ist es wichtig nicht den Anspruch zu haben zentral zu regulieren. Die Transformation ist nicht nur technisch, sondern wie bei der Digitalisierung und der Veränderung im Allgemeinen eben auch Kopfsache. Die IT sollte nicht mehr pauschal überall eingebunden sein, sondern nur dort mitwirken, wo sie spezifisch zur Wertschöpfung beitragen kann.

publish-industry:

Kann denn eine interne IT mit Data Lake, Analytics und Machine Learning umgehen?

Dr. Josef Waltl, Amazon Web Services:

Das ist Teil der Transformation der IT. Die IT wird sich von einer reinen Betriebsorganisation zu einer Digital-Enabler-Funktion transformieren. Die IT kann dann einen Mehrwert für den Geschäftsbereich schaffen, wenn sie eine Basis zur Verfügung stellt. Mit Basis meine ich Tools zur Softwareentwicklung, vielleicht sogar eine eigene Analytics-Kapazität, um diese Use Cases gemeinsam mit einem Fachbereich zu erstellen. Sehr oft kann die IT heute nicht mit Data Lake, Analytics und Machine Learning umgehen, wir sehen jedoch in erfolgreichen digitalen Transformationen, dass die IT diese Kapazitäten aufbauen wird.

Jonas Schaub, Elunic:

Ich sehe es auch so, dass die IT das bisher oft nicht kann und es auch nicht unbedingt können muss. Im Aufgabengebiet der IT liegt es, den Betrieb sicherzustellen. Hierauf sollte sich fokussiert werden. Die Idee hinter der Cloud und überhaupt von Software as a Service bedeutet kaum Administration. Als Beispiel eine Business Intelligence Applikation, die as a Service direkt der Fachabteilung bereitgestellt wird. Die eigene IT sollte hier so wenig wie möglich eingebunden werden müssen, auch hier gilt: cut the middleman.

publish-industry:

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Challenges der Industrie 4.0?

Jonas Schaub, Elunic:

Ich glaube eine der größten Challenges zurzeit ist der Erfolg, zumindest auf Deutschland bezogen. Denn dieser schafft die Bürde, dass Unternehmen sich aus ihrem Bestandsgeschäft heraus transformieren müssen. Das ist unvorteilhaft. Eine andere ist auch die Haltung und vor allem Kultur in Deutschland. In gewisser Weise sehe ich auch die deutsche Ingenieurskunst, mit dem Anspruch einer perfekten Planung, als Challenge für die gedankliche Transformation. Dinge die früher 20-30 Jahre gedauert haben, dauern heute nur noch drei oder zwei Jahre. Sich auf diese Veränderung einzustellen, ist das große Thema. Denn hierfür muss überlegt werden, wie damit angefangen wird oder ob erst einmal abgewartet wird bis man genügend Bestätigung vom Markt erhält. Hier ist auch eine Herausforderung, dass dabei zumeist der Anspruch besteht, dass eine 4.0-Lösung schnell eine direkte Kostenersparnis generiert oder idealerweise sogar in Umsatz mündet. Das beißt sich allerdings oftmals mit der bis dahin gelebten Kultur und den gewohnten Zyklen.

Dr. Josef Waltl, Amazon Web Services:

Das kann ich nur unterstreichen. Was wir als zusätzliche Challenge sehen, ist die fehlende Standardisierung der sogenannten Corporations Technologie, die Industrieautomatisierung. Es ist einfach so, dass verschiedene Komponenten, von verschiedenen Herstellern in der Industrie verbaut werden und auch die Produktionen sind verschieden. Können diese nicht miteinander sprechen oder haben unterschiedliche Datenformate, ist es sehr schwer über verschiedene Gewerke Daten zu konsolidieren und Use Cases zu bauen. Darüber hinaus wurden in sehr vielen deutschen Unternehmen Industrie 4.0-Gruppen gebaut oder installiert, die wiederum einen Einfluss auf das Geschäft haben.

publish-industry:

Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit, beziehungsweise was ergänzt der andere jeweils?

Jonas Schaub, Elunic:

Ich verspreche mir von der Zusammenarbeit die Stärke von AWS in den Markt transportieren zu können, und zwar mit einer Spiegelung von anderen Lösungen, mit denen wir auch zu tun haben und die wir nutzen. Zu den für uns wichtigen Eigenschaften von AWS zählt Geschwindigkeit. Im Industrieumfeld wurden Entscheidungen bisher meist nicht schnell getroffen, hier wird stark auf Standards und Vertrauen gesetzt. Hingegen ist das typisch amerikanische Modell, es einfach mal zu machen und im Nachgang zu schauen, wie und ob Standards gefunden werden können. Wir sehen uns als die Unterstützer dafür, die passende Lösung für die jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse zu finden. Wenn der Kunde die Technik nicht einschätzen kann, ist es unsere Aufgabe ihm die Vorteile unabhängig aufzuzeigen.

Dr. Josef Waltl, Amazon Web Services:

Amazon kommt als Unternehmen aus dem E-Commerce, Amazon Web Services ist sehr stark mit Start-Ups und in den letzten Jahren auch mit der Data-Center-Migration, also der Unternehmens-IT der Enterprise und Mittelstandskunden gewachsen. Wir haben global und auch in Deutschland einen zunehmenden industriespezifischen Fokus. Wir arbeiten sehr intensiv daran ein wichtiger Partner für Industrieunternehmen zu sein. Wenn es darum geht, speziell in einzelnen Unternehmen Mehrwerte zu schaffen erwarten wir uns sehr viel von der Partnerschaft. Elunic hat einen lokaleren Touch als wir und tritt mit der Standardsoftware direkt an die Unternehmen heran und bietet die Services für unsere Plattform, zu wertvollen Applikationen für die jeweiligen Unternehmen im Industriebereich, an.

Herzlichen Dank, Herr Schaub und Herr Waltl, für dieses spannende Interview.

Jonas Schaub, Vorstand bei Elunic und Dr. Josef Waltl, Global Segment Lead – Industrial, sind Speaker auf dem INDUSTRY.forward Summit 2019. Unser Interview führte Anna Gampenrieder, Editor bei publish-industry.

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