Udo Hoffmann, Schneider Electric

Die 3P-Strategie für zivile Technologieführer

Schneider Electric GmbH

Udo Hoffmann ist seit August 2025 Head of Government & National Security Segment bei Schneider Electric. Er verantwortet die Weiterentwicklung digitaler und resilienter Lösungen für kritische Infrastrukturen im öffentlichen Sektor. Zuvor leitete er den Vertrieb in Deutschland sowie den Bereich Sales Building & Infrastructure Germany. Seit 2011 bekleidete Hoffmann verschiedene Führungspositionen bei Schneider Electric. Der Diplom-Ingenieur war zuvor für AREVA, Nokia und Siemens tätig.

Bild: FOTOVOGT
15.10.2026

Schneider Electric überträgt seine Kompetenzen für Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung auf den Verteidigungssektor. Das 3P-Modell aus Präsenz, Partnerschaften und Profil bildet dabei den strategischen Rahmen.

Wenn heute über die Modernisierung von Streitkräften gesprochen wird, geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Verteidigungssysteme. Im Mittelpunkt stehen zunehmend Energieversorgung, Digitalisierung, Automatisierung, Cybersicherheit und resiliente Infrastruktur. In diesen Bereichen verfügen viele Industrieunternehmen bereits über langjährige Erfahrung und etablierte Technologien.

Schneider Electric ist ein globaler Technologieführer für Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz und 160.000 Mitarbeitenden in über 100 Ländern. Unsere Lösungen kommen weltweit in Gebäuden, Rechenzentren, Industrieanlagen und kritischen Infrastrukturen zum Einsatz. Viele technologische Anforderungen im Verteidigungsbereich ähneln damit Herausforderungen, die wir bereits heute in zivilen Märkten adressieren.

Vor etwa 12 bis 18 Monaten haben wir deshalb entschieden, den Bereich Defense & Aerospace nicht länger nur projektbezogen zu begleiten, sondern europaweit als strategischen Schwerpunkt zu etablieren. Viele Anforderungen an moderne militärische Liegenschaften ähneln denen komplexer ziviler Standorte. Ob Zugangskontrolle, Gebäudeautomation oder hochverfügbare Energieversorgung – die technologischen Herausforderungen sind oft vergleichbar. Mit intelligenten Microgrid-Lösungen unterstützen wir eine resiliente und flexible Energieversorgung, die auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen einen zuverlässigen Betrieb ermöglicht.

Schnell wurde uns klar, dass der Zugang zum Verteidigungsmarkt nur über einen langfristigen Prozess mit Kontinuität, Verlässlichkeit und einem systematischen Aufbau von Beziehungen erfolgen kann. Dafür haben wir das „3P-Modell“ definiert: Präsenz, Partnerschaften und Profil.

Zunächst zur Präsenz: Wir haben unser bestehendes Ökosystem analysiert und untersucht, an welchen Stellen wir bereits als Technologiepartner oder Zulieferer aktiv sind, häufig über mehrstufige Wertschöpfungsketten. Zugleich haben wir von den Erfahrungen unserer Kolleginnen und Kollegen in Frankreich und den USA gelernt. Sie zeigen, wie anspruchsvoll und spezifisch die Rahmenbedingungen dieses Marktes sind. Erfolgreiches Engagement setzt ein tiefes Verständnis regulatorischer Anforderungen, etablierter Prozesse und der Erwartungen unterschiedlicher Stakeholder voraus.


Der zweite Baustein sind Partnerschaften: Komplexe Systeme entstehen heute in enger Zusammenarbeit zahlreicher Unternehmen. Belastbare Allianzen und starke Netzwerke sind daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit der eigenen Rechts- und Compliance-Organisation. Wer in diesem Umfeld tätig sein möchte, muss sich frühzeitig mit Exportkontrolle, Dual-Use-Regulierungen und Geheimschutzanforderungen auseinandersetzen. Entscheidend ist, notwendige Prozesse und Strukturen rechtzeitig aufzubauen und kompetente interne Ansprechpartner einzubinden.

Beim dritten Pfeiler, dem Profil, geht es um die Sichtbarkeit im Markt: Unternehmen müssen deutlich machen, welchen Mehrwert sie einbringen und für welche Kompetenzen sie stehen. Dies gelingt durch Verbandsarbeit, die Teilnahme an Fachveranstaltungen, Konferenzen und Messen sowie den Austausch mit Kunden, Partnern und Institutionen. Wichtig ist Kontinuität. Vertrauen, Reputation und belastbare Beziehungen entstehen durch langfristiges Engagement und eine klare Positionierung im Markt.

Die Entwicklung des Verteidigungssektors zeigt: Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Technologieunternehmen und öffentlichen Auftraggebern gewinnt an Bedeutung. Deutschland und Europa verfügen über starke industrielle und technologische Kompetenzen. Diese Fähigkeiten gezielt einzubringen und weiterzuentwickeln, ist wichtig, um den steigenden Anforderungen an Sicherheit, Resilienz und kritische Infrastruktur gerecht zu werden.

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