Digitaler Produktpass kommt

Der EU-Produktpass wird zur Integrationsaufgabe für die IT

Magic Software Enterprises (Deutschland) GmbH

Der Digital Product Passport ist Teil der EU-Strategie für nachhaltige Produkte und ist ein zentrales Instrument der ESPR-Verordnung zur Bereitstellung von Produktinformationen .

Bild: iStock, ismagilov
24.06.2026

Mit der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) treibt die Europäische Union eine der weitreichendsten Initiativen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft voran: den Digital Product Passport (DPP). Was auf regulatorischer Ebene zunächst wie ein Nachhaltigkeitsinstrument wirkt, entwickelt sich für Unternehmen jedoch schnell zu einer strategischen IT-Herausforderung: Der Produktpass entsteht also nicht in einem einzelnen System, sondern durch das Zusammenspiel vieler Datenquellen. Unternehmen benötigen ein konsistentes Datenmodell, klare Governance-Regeln und eine Integrationsschicht, die Daten aus ERP, PLM, MES, Supplier-Portalen und Nachhaltigkeitslösungen orchestriert.

Der Digital Product Passport soll künftig strukturierte Informationen über Produkte über deren gesamten Lebenszyklus hinweg verfügbar machen – von der Herstellung über Nutzung und Reparatur bis hin zum Recycling.

Was auf regulatorischer Ebene zunächst wie ein Nachhaltigkeitsinstrument wirkt, entwickelt sich für Unternehmen jedoch schnell zu einer strategischen IT-Herausforderung. Denn der DPP verlangt, dass Produkt-, Material- und Nachhaltigkeitsdaten aus zahlreichen Systemen konsistent zusammengeführt und über lange Zeiträume aktuell gehalten werden.

Für IT-Verantwortliche stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie lässt sich ein durchgängiges, skalierbares Datenmodell über System-, Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg implementieren?

Was ist der Digital Product Passport (DPP)?

Der Digital Product Passport (DPP) ist ein EU-weites Rahmenkonzept für digitale Produktinformationen, das strukturierte Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg bereitstellt – von Materialien über CO2-Fußabdruck bis zu Reparatur- und Recyclinginformationen. Zu den typischen Informationen gehören beispielsweise:

  • Materialien und Komponenten

  • Herkunft von Rohstoffen

  • CO2-Fußabdruck

  • Energie- und Ressourcenverbrauch

  • Reparierbarkeit und Ersatzteile

  • Recyclingfähigkeit

  • Regulatorische Compliance

Diese Daten werden über eine eindeutige Produktidentifikation (Data Carrier) zugänglich gemacht, häufig über QR-Codes oder ähnliche digitale Identifikatoren. Der DPP soll maschinenlesbar, standardisiert und digital – zum Beispiel über APIs – abrufbar sein.

Der Zugriff auf diese Informationen ist für verschiedene Akteure vorgesehen:

  • Hersteller

  • Händler

  • Service- und Reparaturbetriebe

  • Recyclingunternehmen

  • Behörden

  • teilweise auch Endkunden

Ziel ist es, Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen und damit nachhaltigere Entscheidungen zu ermöglichen.

Der regulatorische Rahmen des Digital Product Passport

Der Digital Product Passport ist Teil der EU-Strategie für nachhaltige Produkte und ist ein zentrales Instrument der ESPR-Verordnung zur Bereitstellung von Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Wichtig ist dabei: Die Regulierung wird nicht gleichzeitig für alle Produkte gelten. Die ESPR definiert den Rahmen, aber die konkreten Anforderungen entstehen erst durch Delegated Acts, die schrittweise für einzelne Produktgruppen veröffentlicht werden. Unternehmen müssen daher mit einem mehrjährigen Rollout und mit sich verändernden Anforderungen rechnen. Zu den Branchen, die aktuell besonders im Fokus stehen, gehören:

  • Batterien

  • Elektronik

  • Textilien

  • Bauprodukte

  • Verpackungen

Der Batteriepass ist zwar nicht dediziert Teil der ESPR, sondern basiert auf der Batterieverordnung. Dennoch gilt er als erste konkrete Umsetzung und Blaupause für den DPP. Für bestimmte Batterien, insbesondere Elektrofahrzeug- und Industriebatterien über 2 kWh, wird der digitale Pass gemäß Batterieverordnung (BattVO) voraussichtlich ab 2027 verpflichtend.

Viele Unternehmen beginnen deshalb bereits heute mit Pilotprojekten und Architekturüberlegungen.

Welche Daten fließen in den DPP ein?

Der DPP wird in standardisierten, maschinenlesbaren Formaten, häufig in Formaten wie JSON-LD und über Identifikationsmechanismen wie GS1 Digital Link umgesetzt. Neben Stammdaten spielen Ereignisdaten (zum Beispiel Reparaturen, Softwareupdates, Materialaustausch) eine zentrale Rolle. Typische Inhalte sind:

  1. Produktidentität: Hersteller, Seriennummer, Produktionsdatum und -ort.

  2. Material- und Komponenteninformationen: Rohstoffherkunft, kritische Materialien, Lieferanteninformationen.

  3. Nachhaltigkeitskennzahlen:CO2-Footprint, Energie- und Wasserverbrauch.

  4. Reparatur- und Serviceinformationen: Ersatzteile, Wartungsprotokolle, Softwareupdates.

  5. End-of-Life-Daten: Recyclingfähigkeit, Demontageanleitungen.

  6. Compliance & Zertifizierungen: Regulatorische Anforderungen, Zertifizierungen (zum Beispiel REACH oder RoHS).

Die Herausforderung: Diese Daten werden bereits in vielen Unternehmen erfasst, sind aber über ERP, PLM, MES, Lieferantenportale und ESG-Tools verteilt.

DPP: keine Software, sondern eine Architektur

Ein häufiger Irrtum besteht darin, den DPP als einzelnes IT-System zu betrachten. In der Praxis handelt es sich vielmehr um eine komplexe, verteilte Datenarchitektur. Typischerweise sind mehrere Systeme beteiligt:

  • ERP-Systeme für Produktstammdaten

  • PLM-Systeme für Produktdesign und Stücklisten

  • MES-Systeme für Produktionsdaten

  • Lieferantensysteme für Materialinformationen

  • ESG- oder CO₂-Tools für Nachhaltigkeitsdaten

  • Service-Systeme für Wartungs- und Reparaturinformationen

  • DPP-Plattformen oder Datenräume

Der Produktpass entsteht also nicht in einem einzelnen System, sondern durch das Zusammenspiel vieler Datenquellen. Unternehmen benötigen ein konsistentes Datenmodell, klare Governance-Regeln und eine Integrationsschicht, die Daten aus ERP, PLM, MES, Supplier-Portalen und Nachhaltigkeitslösungen orchestriert.

Herausforderung: Datenintegration für den DPP

Genau hier liegt die größte technische Herausforderung. Produktdaten sind in den meisten Organisationen über verschiedene Systeme verteilt. Gleichzeitig stammen viele Informationen aus externen Quellen, etwa von Zulieferern oder aus Nachhaltigkeitsplattformen.

Der Digital Product Passport verlangt jedoch:

  • harmonisierte Daten

  • standardisierte Formate

  • kontinuierliche Aktualisierung

  • transparente Datenherkunft (Data Lineage)

In der Praxis bedeutet das, dass Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengeführt werden müssen, etwa APIs, CSV-Dateien, XML-Schnittstellen, EDI-Formate, Datenbanken oder Partnerportale. Die Fähigkeit, diese Daten automatisiert zu integrieren, zu transformieren und zu orchestrieren, wird damit zur zentralen IT-Kompetenz für die Umsetzung eines Digital Product Passport. Besonders die Integration von Lieferanten, die oft unterschiedliche Datenformate, Reifegrade und Systemlandschaften haben, wird hier zum kritischen Erfolgsfaktor.

Neue Anforderungen an die IT-Architektur

Für Unternehmen entstehen damit neue Anforderungen an ihre IT-Landschaft:

  • Integration heterogener Systeme

  • Aufbau standardisierter Datenmodelle

  • API-basierter Datenaustausch

  • kontinuierliche Datensynchronisierung

  • Integration von Lieferanten

  • Sicherstellung von Datenqualität und Governance

Gerade in globalen Lieferketten kann die Zahl der beteiligten Datenquellen schnell sehr groß werden.

Die Rolle moderner Integrationsplattformen

Viele Unternehmen setzen deshalb auf eine dedizierte Integrationsschicht, die zwischen Unternehmenssystemen, Lieferantenplattformen und zukünftigen DPP-Ökosystemen vermittelt.

Moderne Integrationslösungen wie Magic xpi oder MagicTouch können als solche Integrationslayer fungieren, heterogene Systeme miteinander verbinden und Produktdaten strukturiert für den Digital Product Passport bereitstellen.

Die Magic-Integrationsplattformen bieten:

  • Konnektoren zu ERP-, PLM-, Cloud- und Supplier-Systemen

  • Automatische Transformation verschiedener Datenformate

  • Prozess- und Datenorchestrierung

  • Event-basierte Verarbeitung (zum Beispiel Reparaturereignisse)

  • Automatisierte Datenflüsse

  • Governance, Monitoring und Wiederholbarkeit

  • Low-Code-Ansätze zur schnellen Anpassung an neue Delegated Acts

Fazit

Der Digital Product Passport wird in den kommenden Jahren zu einem zentralen Bestandteil der europäischen Produktregulierung und zu einem langfristigen Architekturprojekt für Unternehmen. Er ist jedoch weit mehr als eine Compliance-Anforderung. Der DPP zwingt Organisationen dazu, ihre Produktdaten über System- und Unternehmensgrenzen hinweg zu konsolidieren, zu standardisieren und strukturiert bereitzustellen.

In vielen Branchen betrifft der Digital Product Passport potenziell Millionen Produkte und eine sehr große Zahl von Datenpunkten pro Produkt. Für viele Unternehmen wird die Einführung des Digital Product Passport daher zu einem strategischen IT-Projekt, das Datenintegration, Systemarchitektur und Lieferkettenintegration gleichermaßen betrifft.

Unternehmen, die frühzeitig eine flexible Integrationsarchitektur etablieren, sichern sich:

  • regulatorische Compliance

  • geringere Kosten durch Automatisierung

  • höhere Datenqualität

  • bessere Zusammenarbeit mit Lieferanten

  • die Grundlage für digitale Services und neue Geschäftsmodelle

Mit den skalierbaren Integrationsplattformen von Magic Software lässt sich diese Komplexität beherrschbar machen – und der DPP wird zum Treiber einer modernen, datengetriebenen IT-Landschaft.

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