Intelligenter, nachhaltiger und sicherer

Das sind die RFID-Trends 2026

RFID ermöglicht zum Beispiel die Standardisierung von Datenflüssen und erreicht in Kombination mit KI, insbesondere bei der Datenbereinigung durch selektives Filtern, ein neues Qualitätsniveau.

Bild: iStock, UniqueMotionGraphics
28.01.2026

Neue Entwicklungen wie der starke Fokus auf KI, der Digitale Produktpass und der Wunsch nach einer ressourcenschonenden Wirtschaft treiben auch die RFID-Technologie voran: Sie wird intelligenter, nachhaltiger und sicherer. Fünf Trends zeigen, warum die Technologie 2026 aus Logistik, Produktion und Handel nicht mehr wegzudenken sein wird.

Ob Kreislaufwirtschaft, Smart Packaging oder KI-gestützte Datenfilterung: RFID wird 2026 zum strategischen Schlüssel für Transparenz und Effizienz in der Industrie. Dominik Steickert, Entwicklungsleiter beim RFID Konsortium, erklärt, wo die Reise hingeht.

Trend 1: RFID und Künstliche Intelligenz

Der Trend, RFID-Technologie mithilfe Künstlicher Intelligenz noch leistungsfähiger zu machen und vor allem neue Anwendungsfelder zu erschließen, setzt sich auch 2026 fort. RFID eignet sich ideal, um im Feld Big Data zu generieren, die für das Training von Machine-Learning-Modellen benötigt werden. Gleichzeitig ermöglicht RFID die Standardisierung von Datenflüssen und erreicht in Kombination mit KI, insbesondere bei der Datenbereinigung durch selektives Filtern, ein neues Qualitätsniveau. Unternehmen haben dadurch die Chance, ausschließlich die tatsächlich benötigten Daten in ihre übergeordneten Systeme zu überführen. Diese Form der intelligenten Datenweitergabe beschleunigt und automatisiert Prozesse, ohne zusätzlichen Aufwand.

Neuartige RFID-Integrations- und Managementsysteme mit KI-Unterstützung erfassen Daten an stationären Readern, RFID-Gates oder RFID-Tunneln Daten, filtern diese passgenau für die angebundene IT-Systeme und geben exakt definierte Datentelegramme an WMS oder andere Backendsysteme weiter. Im Shopfloor können dabei mehrere Lesestationen durch Schwarmintelligenz miteinander interagieren. KI verbessert permanent die Filter- und somit Ergebnisqualität. Dieser Trend umfasst nicht nur die intelligente Datenerfassung, -weitergabe und -analyse, sondern auch das Management der kompletten RFID-Hardware-Infrastruktur. Ziel ist es, die Komplexität von RFID durch Künstliche Intelligenz so weit zu reduzieren, dass Anwendungen in Logistik, Produktion und Handel deutlich einfacher umgesetzt werden können – bei gleichzeitig stark verkürzten Projektlaufzeiten.

Trend 2: RFID in Kreislaufsystemen (Shared Economy)

Das Konzept der Shared Economy zur nachhaltigen Ressourcenwirtschaft ist mit einer Reihe von Maßnahmen im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert. Zudem soll der Digitale Produktpass als EU-Verordnung zur ökologischen Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden. Ab 2026 ff. werden mehr Rohstoffe verpflichtend in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden müssen – auch um Lieferketten unabhängiger und resilienter aufzustellen. RFID wird dabei eine der führenden Technologien sein, um Produkte in einem Kreislaufmodell digital abzubilden. Das Konzept „Reuse, Repair, Recycle“ erfordert eine Auto-ID-Technologie, die Rohstoffe bereits vor dem Herstellungsprozess eindeutig identifiziert, das Fertigprodukt entlang der Lieferkette nachverfolgt und über den gesamten Produktlebenszyklus bis zum End-of-Life und anschließendem Recyclingprozess, abbildet – ohne manuellen Mehraufwand.

Mit den regulatorischen Anforderungen steigt die Anzahl der benötigten Datenpunkte, um Daten automatisiert entlang der Supply Chain zu erfassen und weiterzugeben. Parallel dazu treibt der gesellschaftliche Trend zur Wiederverwendung Geschäftsmodelle voran, die ihren Fokus zunehmend auf Verleih statt Verkauf legen. Unternehmen, die Verleihartikel wie Büromöbel oder Eventequipment durch alle Supply-Chain-Prozesse führen, gewinnen mit RFID lückenlose Transparenz – einschließlich zu Status und Zustand jedes einzelnen Artikels.

Der Trend zur Kreislaufwirtschaft umfasst darüber hinaus den Nachweis fairer Arbeitsbedingungen, nachhaltiger Rohstoffe und dokumentierter Transportwege. RFID ermöglicht auf kleinster, der sogenannten Item-Ebene, die Serialisierung einzelner Objekte und kann in Kombination mit verbraucherfreundlichen QR-Codes umfassende Informationen über ein Produkt geben. Ein Trend, der sowohl gesetzlich als auch gesellschaftlich getrieben ist.

Trend 3: Chiplose RFID-Transponder - ressourcenschonend konzipiert

Auch im Bereich der Transponder-Materialien gewinnt das Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Chiplose RFID-Technologien verzichten auf den klassischen Mikrochip und nutzen stattdessen Antennenstrukturen, die Funksignale empfangen und reflektieren. Sie sind recyclingfähig und biologisch abbaubar. Gleichzeitig werden neue RFID-Transponder immer sensitiver. Darüber hinaus lassen sie sich in neuen Umgebungen einsetzen, beispielsweise wenn sie mikrowellengeeignet sind. Dadurch lassen sich neue Prozesse mit RFID erschließen. Entsprechend vielfältig sind ihre Einsatzbereiche, etwa in Logistik, Verpackung und Plagiatschutz.

Trend 4: Sicherheit und Datenschutz

Mit der Zunahme von Cyberattacken und wirtschaftlicher Sabotagebedrohung steigt die Notwendigkeit, RFID-Lösungen durch effiziente Datenverschlüsselung und Zugriffskontrollen zu verbessern. Insbesondere im Automotive-Sektor ist die Nachfrage nach verschlüsselten Transpondern im HF und UHF-Bereich stark gestiegen. Eine Tendenz, die sich 2026 fortsetzen wird.

Neue Standards und Protokolle zielen darauf ab, Manipulationen und unbefugtes Auslesen von RFID-Daten zu verhindern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die kryptografische Challenge-Response-Authentifizierung gemäß ISO/IEC 29167. Bei diesem Verfahren sendet der Reader eine zufällige „Challenge“, etwa eine Zufallszahl an den Transponder. Mithilfe eines geheimen Schlüssels verarbeitet der Chip diese Information und sendet das Ergebnis als „Response“ zurück. Der Reader führt dieselbe Berechnung durch und vergleicht die Ergebnisse, um die Echtheit des Chips zu prüfen, ohne das Geheimnis preiszugeben. Auf diese Weise lassen sich einfache Klon-Angriffe verhindern; häufig werden zusätzlich Session-Keys zur Verschlüsselung der weiteren Kommunikation erzeugt. Mit dem Einsatz hochsicherer RFID-Tags kommt auch eine neue Generation von Readern auf den Markt.

Trend 5: RFID Smart Packaging

Der Einsatz von RFID-Technologie im Smart Packaging wird 2026 weiter ausgebaut, um Verpackungen interaktiv und rückverfolgbar zu gestalten – ein Plus für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Laut einer Studie von Fortune Business Insights wird für den Zeitraum von 2025 bis 2032 ein Marktvolumen von 26,06 Milliarden USD prognostiziert, was die wachsende Relevanz dieser Technologie unterstreicht.

Der Trend bietet drei zentrale Vorteile: Erstens die Lieferkettenoptimierung: RFID ermöglicht die automatische und kontaktlose Verfolgung von Produkten über die gesamte Supply Chain. Zweitens die Echtzeit-Interaktion mit Endkunden: Durch die Integration von RFID in die Verpackung können Marken während des Transportwegs mit Konsumenten interagieren (Customer Engagement). Drittens erlaubt RFID Smart Packaging die Zustandsüberwachung, etwa in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, indem Informationen zu Frische und Temperatur erfasst werden.

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