Die Auszubildenden bauen die CO2-Ampeln selbst in der unternehmenseigenen Ausbildungswerkstatt: vom Design über die Platine bis hin zur Programmierung der Sensoren.

Bild: Sascha Ditscher

Warnsysteme gegen Corona Azubis entwickeln eigene CO2-Ampeln

11.01.2021

Die Auszubildenden eines deutschen Unternehmens stellen mithilfe eines 3D-Druckers selbstgebaute CO2-Ampeln her. Die kleinen Geräte erinnern in der unternehmenseigenen Ausbildungswerkstatt an das regelmäßige Lüften. Zukünftig wollen die angehenden Elektroniker damit auch ihre Berufsschule und Partnerschulen unterstützen.

Gegen Aerosole, die beim Ausatmen, Niesen und Husten in Räumen verbreitet werden, hilft unter anderem, regelmäßig zu lüften. Die Auszubildenden der Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (EVM-Gruppe) entwickeln hierfür eigenständig CO2-Ampeln. Damit reagieren die Lehrlinge auf die im Handel sehr teuren CO2-Ampeln, die meist zusätzlich lange Lieferzeiten haben.

Florian Arzbächer, Ausbilder bei der EVM-Gruppe, entwirft zusammen mit seinen Schützlingen nicht nur das Gehäuse, das mithilfe eines 3D-Druckers produziert wird, sondern auch die Software dahinter. „Das Projekt macht wirklich großen Spaß, begeistert für die Technik und passt perfekt in den Ausbildungsplan zum Elektroniker“, sagt der Elektronikermeister.

Aufbau der Warnampeln

Für die Produktion des Warnsystems benötigen die Azubis lediglich ein orangenes Gehäuse samt Deckel aus dem 3D-Drucker, eine Platine, einen Akku und ein Display. Während die Azubis die meisten Bestandteile vom Gehäuse bis zur Platine selbst herstellen, musste der CO2-Sensor extern beschafft werden. „Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Arzbächer. „Wir waren wochenlang auf der Suche, bis wir endlich lieferbare Sensoren finden konnten.“

Rund acht Stunden dauert die Produktion der Einzelteile inklusive 3D-Druck, eine weitere braucht der Zusammenbau und 30 Minuten die Kalibrierung an der frischen Luft. Zehn Geräte haben die angehenden Elektroniker bereits gebaut.

Alarm ab 900 ppm

Die Geräte messen vor allem die CO2-Konzentration im Raum: Bei 900 ppm erscheint eine optische Warnung, die anzeigt, dass gelüftet werden sollte. Steigt die Konzentration weiter auf 1.300 ppm, ertönt ein schrilles Signal, das erst verschwindet, wenn gelüftet wurde.

Daneben messen die Ampeln auch wichtige Raumklima-Parameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. „Gewöhnliche CO2-Ampeln, die im Handel zu kaufen sind, leuchten nur rot, gelb und grün“, sagt Arzbächer. „Unsere Geräte haben wir darüber hinaus mit einem Display ausgestattet, das die genauen Werte anzeigt. Außerdem haben wir einen Akku integriert, der einen Betrieb über mindestens 24 Stunden möglich macht.“

Als nächstes sollen die Geräte nicht nur die aktuellen Werte anzeigen, sondern diese auch aufzeichnen, sodass ein Verlauf mit Statistiken möglich wird. So ließe sich zukünftig die durchschnittliche Luftqualität ganz einfach überwachen.

Live-Test in Berufsschule

Die zehn aktuell produzierten CO2-Ampeln haben sich bereits im Praxistest bewährt. „Ich hatte die Ampel mit in der Berufsschule“, berichtet einer der Azubis. „Wir sind 13 Personen in einem Raum. Da hat der Sensor in einer Unterrichtsstunde teilweise mehrfach Alarm gegeben.“ Im Schulalltag erreicht die CO2-Konzentration schnell die kritische Marke von 1.000 ppm. Je nach Schüleranzahl und Raumgröße kann das alle zehn bis 20 Minuten passieren.

Aufgrund der gelungenen Live-Tests wollen die Azubis weitere Geräte produzieren und diese an ihre Partnerschulen verteilen. Sie sehen die CO2-Ampeln als ihren persönlichen Beitrag gegen die Corona-Pandemie.

Bildergalerie

  • Die Ampeln geben ein optisches und akustisches Signal ab, wenn die CO2-Konzentration in einem Raum den kritischen Wert von 1.000 ppm übersteigt.

    Bild: Sascha Ditscher

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel