Wir fragen nach: Wie wirkt sich KI auf die Energiewirtschaft und den Arbeitsmarkt aus?

Bild: iStock, peepo

Umfrage: Jobkiller KI? Auswirkungen von KI auf die Energiewirtschaft

04.02.2020

Die Chancen von Künstlicher Intelligenz sind zahlreich, aber ebenso die damit verbundenen (vermeintlichen) Risiken. Die Frage, wie sich KI auf die Energiewirtschaft und den Fachkräftebedarf auswirkt, ist schwer zu beantworten. Aus diesem Grund haben wir Experten der Branche gefragt: Welche Chancen schafft KI in der Energiewirtschaft und wie wirkt sie sich auf die Beschäftigten aus?

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  • Dominik Keindl, Leiter Product Engineering, Soptim:
    Mit den technologischen Entwicklungen, im Umfeld von KI, entstehen für die Energiewirtschaft enorme Chancen. Einen Jobkiller sehen wir dabei überhaupt nicht. Die Aufgaben, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, werden uns alle sehr herausfordern. Durch die Möglichkeiten von KI können mittlerweile viele einfache Aufgaben von Maschinen gelöst und Menschen bei schwierigeren Tätigkeiten unterstützt werden. Insbesondere die zunehmende Datenmenge, die es zu verarbeiten gilt, lässt sich nur durch entsprechende KI-Systeme sinnvoll beherrschen und so Mehrwerte daraus erschließen. Die Auswirkung auf die Art wie wir arbeiten wird bei dieser Entwicklung ähnlich stark sein wie bei der Einführung des Internets. Um die Chancen dabei bestmöglich zu nutzen, sollte man nicht mit der Einstellung Mensch vs. Maschine, sondern mit Mensch und Maschine herangehen.

    Bild: Soptim

  • Daniel Paulmaier, Referent der Geschäftsführung „Strategische Produktentwicklung“, Wilken Software:
    Die Künstliche Intelligenz wird sicherlich nicht zum Jobkiller werden. In Zeiten von akutem Fachkräftemangel in der Energiewirtschaft kann KI dringend benötigte Freiräume schaffen, um Innovationen voran zu bringen. Denn sie eignet sich in erster Linie dazu, wiederkehrende Prozesse zu bearbeiten und Standard-Fragestellungen zu beantworten. Damit werden die Mitarbeiter von Routineaufgaben entlastet und erhalten Freiräume, um Neues zu denken. Neue Geschäftsmodelle und Innovationen sorgen auch in der Energiewirtschaft für nachhaltige Arbeitsplätze. Darüber hinaus sind immer auch Erfahrungswerte gefragt, die die KI nicht mitbringen kann. Ob das der Vertriebsmitarbeiter ist, der weiß, wie man mit bestimmten Kunden umgehen muss oder die Kollegen an der Hotline, die es schaffen auch wütende Kunden charmant zu beruhigen. Ganz abgesehen von den Mitarbeitenden in der Technik, die im Feld entscheiden müssen, was zu tun ist. Sie müssen sich dabei auf ihr Können und ihre Erfahrung verlassen, vielleicht unterstützt von KI.

    Bild: Wilken

  • Michal Sobótka, Geschäftsführer, GWAdriga:
    Ich sehe KI weniger als Jobkiller, sondern als notwendige Konsequenz, wenn wir die neuen dezentralen Strukturen unserer Energieversorgung im Griff behalten wollen. Auch bisher mussten wir viele Daten verarbeiten, die aber meist aus klassischen und sehr strukturierten Systemen stammen, etwa aus ERP-Anwendungen. Die neuen Strukturen, die durch die Energiewende entstehen, produzieren jedoch ein Vielfaches an unstrukturierten Daten und Informationen, die sich zudem ständig und sehr dynamisch ändern. Die Diskussion, wie wir mit dieser neuen Vielfalt umgehen, ist ja bereits in vollem Gange. Künftig müssen unsere Mitarbeiter in der Lage sein, mit diesen Daten ebenso flexibel umzugehen, wie mit den bisherigen. Ohne Unterstützung der KI wird das kaum noch möglich sein. Wir sehen deshalb qualifizierte Jobs entstehen, die auch neue Kompetenzen voraussetzen.

    Bild: GWAdriga

  • Dr. Heiko Schell, Leiter Vertrieb Energie, Kisters:
    KI bietet Unternehmen der Energiebranche die Chance, angesichts steigenden Kostendrucks wettbewerbsfähig und prozesseffizient zu bleiben: Im Zuge der Digitalisierung entstehen neue, häufig sehr komplexe, datenbasierte Geschäftsmodelle für EVU. Eine Abwicklung der Prozesse mit (noch) mehr Personal ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Der Schlüssel für den Erfolg liegt in der Automatisierung und der intelligenten Abarbeitung mit KI – was folglich das Personal entlastet. Insofern ist KI der Enabler für neue Geschäftsmodelle und somit für zukunftsfähige Unternehmen. KI-Analysen verwandeln beispielsweise Massendaten per Mustererkennung in wertvolle Informationen, die man im Sinne des Unternehmensziels einsetzen kann, zum Beispiel für vertriebliche Service-Dienstleistungen oder netzdienliche Leistungen wie Flexibilitätsmanagement.

    Bild: Kisters

  • Timo Dell, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BEMD und Verantwortlicher für neue Geschäftsfelder bei rku.it:
    In der Energiewirtschaft können Ansätze der KI die Basis neuer Geschäftsmodelle bilden – etwa bei der Optimierung des Ausfallrisikos von Energienetzen und Maschinen, im Bereich Anomalieerkennung bei Predictive Maintenance, im Handel durch Algorithmic Trading oder durch Digitale Assistenten in der Kundeninteraktion. Um die KI-Potenziale optimal zu nutzen und auszubauen, sind aber auch die richtigen Skills zwingend notwendig. Hier besteht die Chance, durch einen Skill-Shift Kompetenzen weiterzuentwickeln oder völlig neue Jobfamilien zu etablieren. Machine Learning Expert, Data Scientist oder Data Engineer sind neue potenzielle Kompetenzen, die „althergebrachte“ Stellentypen kompensieren werden. Es findet eine Verlagerung und Anreicherung künftiger Jobs statt. Der BEMD unterstützt Energiemarktdienstleister auf diesem Weg zu einer, den neuen Anforderungen entsprechenden, Organisation und hat im Rahmen seiner „AG Personal“ einen Kriterienkatalog mit entsprechenden Handlungsfeldern für ein „EMDL 2030“ entwickelt.

    Bild: BEMD, Daniel Reinhardt

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