Da stimmt doch etwas nicht: Je schneller Anomalien auffallen, desto einfacher ist es, Gegenmaßnahmen einzuleiten.

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Industrielle Anomalieerkennung Anomalien im System erkennen und Meltdown, Spectre und Co. abwehren

19.01.2018

Die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre gefährden flächendeckend die Zukunft der Industrie 4.0, deshalb benötigen Unternehmen Strategien, um Angriffe schneller abwehren zu können.

Seit bekannt wurde, dass nahezu alle IT-Systeme der Welt von den strukturellen Sicherheitslücken Meltdown und Spectre betroffen sind, herrscht auch in der Industrie große Verunsicherung: Was bleibt, wenn eine Schwachstelle nicht ohne weiteres über ein Update gepatcht werden kann und die Infrastruktur offen bleibt für Angriffe durch Schadprogramme?

Industrie 4.0 und Kritis sind betroffen

Insbesondere Spectre stell eine Schwachstelle dar, mit der Unternehmen noch eine ganze Weile leben müssen. Damit stehen Sicherheit und Stabilität von Netzwerken langfristig auf dem Spiel. Das gilt auch für Industrie-4.0-Umgebungen und Kritische Infrastrukturen. Selbst wenn die Ausnutzung der Schwachstellen bei den im industriellen Umfeld häufig genutzten Prozessoren von ARM komplex ist: unmöglich ist sie nicht.

Zudem reicht in einer vernetzten Industrie-4.0-Umgebung ein einziges anfälliges Gerät, um Zugang auf das gesamte Netzwerk zu erhalten und Schadsoftware einzuschleusen. Das kann auch der einfache Bürodrucker sein. Sobald ein Angreifer ein einziges Gerät erfolgreich kompromittiert hat, kann er über die Schwachstellen relevante Daten abfragen, um tiefer ins Netzwerk vorzudringen.

Jetzt ist eine Defense-In-Depth-Strategie gefragt

In Zukunft werden Unternehmen davon ausgehen müssen, dass die klassischen (abwehrenden) IT-Sicherheitssysteme unterwandert werden. Unternehmen sollten deshalb auf eine Defense-In-Depth-Strategie setzen, die sich nicht nur auf die Absicherung der Grenzanlagen ihrer Netzwerke beschränkt.

Martin Menschner, CTO bei Rhebo, warnt: „Wenn an der Netzwerkperipherie und auf Endgeräten motiviert durch Spectre und Meltdown ganz legitim Tore geöffnet werden können, erkennt dies weder eine Firewall noch ein Virenscanner.” Die Wächter sind dann blind und taub, sagt der CTO. Zudem werden in den nächsten Jahren weitere strukturelle Schwachstellen öffentlich werden, die Cyberkriminelle und andere Akteure womöglich bereits heute ausnutzen.

Industrielle Anomalieerkennung als Sicherheitsnetz

Der CTO rät deshalb: „Der Level-1-Absicherung durch Firewall und Co. muss ein Sicherheitsnetz hinzugefügt werden, das die Vorfälle erkennt, denen gegenüber diese erste Instanz wirkungslos ist. In industriellen Umgebungen wie der Automatisierungsindustrie, Prozesstechnik, Energie- und Wasserwirtschaft kann eine industrielle Anomalieerkennung dieses Sicherheitsnetz bilden.”

Denn eine Schadsoftware, die über eine Schwachstelle in das Netzwerk eingeschleust wurde, macht sich vor allem durch ihre Kommunikation, etwa in Form von Requests, Port-Scans und Datentransfers, innerhalb des Netzwerks bemerkbar. Eine industrielle Anomalieerkennung detektiert diese Kommunikation als Abweichung im Steuernetz und meldet sie in Echtzeit an den Administrator.

Erfolgreiche, für die Grenzwächter Firewall & Co. unsichtbare Eindringlinge und Veränderungen im Verhalten des Systems werden sichtbar gemacht, bevor sie ernsthaften Schaden anrichten können. Diese Level-2-Absicherung gewährleistet, dass Betreiber industrieller Steuernetze auf alle Eventualitäten adäquat und effizient reagieren können.

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