Interview zum Chemieanlagenbau „Wir liefern nicht einfach Pott und Pumpe“

Thomas Uhl, Sales Engineer bei MPT: „Wer zu uns kommt, sucht eine individuell angepasste Lösung, die genau auf die Vorstellungen des Kunden abgestimmt ist.“

Bild: MPT
12.04.2021

Vom Ein-Mann-Unternehmen zum Spezialisten für Dosier-, Misch- und Messtechnik – MPT baut mittlerweile seit über 30 Jahren Industrieanlagen. Mit der P&A sprach Thomas Uhl, Sales Engineer bei MPT, über den Wandel des Unternehmens sowie den individuellen Anlagenbau.

Fortschreitende Automatisierung und steigende Qualitätsansprüche stellen Planer und Konstrukteure heute vor immer größere Anforderungen. Welche Herausforderungen beobachten Sie hier?

Thomas Uhl:

Viele Großkunden im deutschen Anlagenbau geben die Lösungssuche für ihre Probleme inzwischen häufig an spezialisierte Partner ab. Wir als mittelständisches, flexibles Unternehmen sind darauf eingestellt, auf die wechselnden Anforderungen der Kunden und des Marktes adäquat zu reagieren und entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Nur in der Zusammenlegung der Möglichkeiten von Großanlagenbauern und uns erfahrenen Zulieferern ist es machbar, weltweiten Trends zu folgen und die hohen Kundenanforderungen zu erfüllen.

Welche Märkte bedienen Sie und inwiefern unterscheiden sich hier generell die Anforderungen?

MPT setzt seit Jahren auf ihr Know-how im Dosieranlagenbau und auf die Integration besonderer Produkte, die damit in Zusammenhang stehen. Somit sind wir sowohl als Engineering-Spezialist und auch als Komponentenlieferant für beratungsintensive Produkte aktiv, was die Aufgabenstellung sehr vielfältig macht. Mannigfaltig ist die Einsetzbarkeit in verschiedenen Märkten wie Petrochemie, Öl- und Gasindustrie, Kraftwerkstechnik, Abwassertechnik, Chemikalienhandel, chemische Industrie und alternative Energien. Jede dieser Technologien stellt ihre eigenen Anforderungen an unser Portfolio, und es macht Spaß, sich den unterschiedlichen Herausforderungen der Prozesse zu stellen.

Das Vermischen von Komponenten und das Homogenisieren großer Volumen sind typische Aufgaben in der chemischen Prozesstechnik. Welche sind die wichtigsten Parameter, die bei der Anlagenplanung berücksichtigt werden müssen? 

Ganz grob unterscheiden wir zunächst in Tank- oder Inline-Mischung und dann in die Mischaufgaben wie Homogenisieren, In-Schwebe-Halten, Lösen. Auch die Anzahl der zu mischenden Substanzen sowie deren Eigenschaften (beispielsweise Viskosität, Dichte, Temperatur) sind wichtige Kriterien. Natürlich spielt auch die Tankgröße eine entscheidende Rolle – es ist eben ein Unterschied, ob Sie 200 l oder 20.000 m3 bearbeiten wollen. Letztendlich wählen wir dann aus mechanischen Rührwerken, dynamischen und statischen Inline-Mischern sowie pneumatischen Impulsmischern die passende Empfehlung für die Mischanforderung aus.

Sie werben damit, dass Sie abseits aller Standardlösungen denken und konsequent nach individueller Optimierung streben. Aber ist in der Realität wirklich jede von Ihnen geplante Anlage ein Unikat?

Ja, definitiv. Wir liefern nicht einfach „Pott und Pumpe“. Jede unserer Anlagen erfüllt auch die kleinsten vom Kunden gestellten technischen Anforderungen, die oft in mehr als 1.000-seitigen Spezifikationen festgehalten sind. Aber auch die kleineren Anfragen planen wir sorgfältig gemäß den Wünschen und Vorgaben unserer Kunden, um die für ihn optimale Anlage zu bauen. So individuell wie die Prozesse und deren Details sind eben auch unsere Lösungen. Natürlich greifen wir dabei gerne auf unseren nahezu unbegrenzten Wissensschatz aus jahrzehntelanger Anlagenplanung zurück, was die Umsetzung von Spezifikationen enorm erleichtert und beschleunigt.

Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Lösung für die Standardanlage, die möglicherweise nur noch nach Baukastenprinzip für den jeweiligen Anwender individualisiert wird, nicht zukunftsfähig ist? 

Natürlich haben auch Standardanlagen ihre Daseinsberechtigung und ihre Märkte. Wer zu MPT kommt, sucht aber eine individuell angepasste Lösung, die genau auf die Vorstellungen des Kunden abgestimmt ist. Immer sind damit auch sehr hohe Anforderungen an die zu liefernde Dokumentation verbunden. In den letzten Jahren ist häufig eine Bedeutungsverschiebung von technischer Detaillierung hin zu umfänglichem Dokumentationsaufwand zu beobachten, was eine enorm leistungsfähige Dokumentationsabteilung voraussetzt.

Sie bauen seit über 30 Jahren Dosier- und Mischanlagen. Wie hat sich MPT in der Zeit gewandelt? 

Wir sind von einer One-Man-Show zu einem Team von Spezialisten gewachsen. Groß genug, um auch High-Level-Aufträge abzuwickeln, und weiterhin flexibel genug, sich perfekt und schnell an Kundenvorgaben anzupassen. Zu Anfang waren Brief, Telefax, Nadeldrucker und Telefon unsere Hilfsmittel. Mit der Entwicklung der Kommunikations- und IT-Technik haben sich unsere Abläufe und Produkte entscheidend geändert. Heute sind wir beispielsweise in der Lage, unsere Regler aus der Ferne zu warten, davon profitieren vor allem unsere Kunden. Wir sind durch Zertifizierungsprozesse gegangen, die uns neue Möglichkeiten und Märkte erschlossen haben. Wichtig ist für uns aber immer noch der persönliche Kontakt zu Interessenten und unseren Kunden: Wer bei uns anruft, landet nicht in einer Warteschleife, sondern erhält oder kennt bereits die Durchwahl der Ansprechpartner.

In Ihren Anlagen kommen Eigenprodukte zum Einsatz, Sie arbeiten aber auch mit Produkten exklusiver Partner zusammen. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl der richtigen Partner?

Wichtig ist für uns, dass die von uns vertretenen Produkte eine sehr hohe Qualität aufweisen und überlegene technische Eigenschaften besitzen. Mit unseren Partnern verbindet uns jahrzehntelange Zusammenarbeit, weil deren Produkte diese Eigenschaften besitzen. Und unsere Partner müssen genau wie wir auf Änderungen und neue Trends am Markt eingehen können, deswegen müssen sie offen für einen engen, gegenseitigen Informationsaustausch sein. Es geht uns nicht um den bloßen Einkauf und Vertrieb von deren Produkten, sondern um eine Kooperation auf Augenhöhe.

Sind weitere Kooperationen schon in Vorbereitung?

Wir sind immer interessiert an Produkten, die unser Portfolio ergänzen und erweitern, aber konkret haben wir derzeit nichts in Planung.

Wenn Komponentenlösungen Sie nicht überzeugen, entwickeln Sie eigene Marken. Läuft bei Ihnen aktuell schon der Entwicklungsprozess für ein neues Produkt?

Momentan überprüfen wir den Einstieg in das Marktfeld der Gas-Odorierung. Mehr wollen wir dazu aktuell nicht verraten.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Trends beobachten Sie in den Märkten und was bedeutet dies für MPT?

Das Augenmerk an den Märkten liegt nach unserer Einschätzung immer mehr auf dem Einsatz intelligenter, umweltfreundlicher, energieeffizienter Komponenten und Anlagen. Wir bei MPT sind bestens strukturiert, haben erprobte Abläufe in unserem Expertenteam, besitzen umfassendes technisches Wissen und sind davon angetrieben, Kundenanforderungen in unseren Anlagen und Produkten optimal umzusetzen. Darum sind wir gut gerüstet, flexibel auf veränderliche Marktanforderungen einzugehen und unsere Lösungen ideenreich an neue Herausforderungen anzupassen.

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