Ausgerüstet mit Sauerstoffflaschen, umgebungsluftunabhängigem Atemgerät und dem Chemikalienschutzanzug Tychem TK dichten die Einsatzkräfte ein Ammoniakleck mit einer Stahlmanschette ab.

Bild: Dupont
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Simulation einer Ammoniak-Leckage Feuerwehr testet Chemikalienschutzanzug unter Realbedingungen

18.07.2018

Als Kältemittel kommt Ammoniak in vielen industriellen und gewerblichen Anwendungen zum Einsatz. Dabei gibt es immer wieder Vorfälle mit austretendem Gas, wie aktuelle Beispiele aus Deutschland und anderen Ländern zeigen. Da Ammoniak eine sehr giftige Substanz ist, müssen Rettungskräfte, die vor Ort für die Sicherung des Geländes zuständig sind, durch eine entsprechend geeignete Ausrüstung geschützt werden. In Zusammenarbeit mit seiner Werksfeuerwehr hat ein Schutzkleidungshersteller nun eine Ammoniak-Leckage simuliert, um die Wirksamkeit eines Notfall-Anzugs in der Praxis auf die Probe zu stellen. Die Einsatzkräfte fühlten sich dabei nach eigener Aussage nicht nur wohlbehütet vor dem gefährlichen Umfeld, sondern auch komfortabel.

Beim Hersteller von Chemikalienschutzanzügen Dupont Personal Protection kommt Ammoniak als Kältemittel zur Prozesskühlung bei der Fertigung bestimmter Produkte zum Einsatz. In den Rohrleitungen liegt Ammoniak als farbloses, unter Druck verflüssigtes Gas vor, das beim Entweichen verdampft. Es wirkt äußerst korrosiv und ist zudem hochgiftig. Eine Exposition, beispielsweise durch Einatmen oder Kontakt mit dem Gas, kann zu schwerwiegenden Atemproblemen, Reizungen oder Verbrennungen führen.

Im Ernstfall schnell eingreifen

Wegen dieses Gefahrenpotenzials ist am Produktionsstandort von Dupont in Luxemburg eine 19-köpfige Werksfeuerwehr angesiedelt, die ständig mit neun Personen vor Ort präsent ist. Angesichts der auf dem Werksgelände gelagerten Gefahrstoffe wie Ethanol, Pentan oder Ammoniak „müssen wir im Fall eines Alarms schnell eingreifen können“, so Rodney Faulk, Leiter der Werksfeuerwehr in Luxemburg.

Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, wurde eine Übung anberaumt, bei der eine simulierte Ammoniak-Leckage bekämpft werden sollte. Zugleich eine gute Gelegenheit, die neuen gasdichten Chemikalienschutzanzüge (Typ 1a-ET) Tychem TK unter realen Bedingungen zu testen.

Die Gefahrenzone abriegeln

Der Test beginnt damit, dass auf dem Werksgelände von Dupont in Luxemburg eine Ammoniak-Leckage an einer Rohrleitung gemeldet wird. Sofort wird ein Interventionsplan in Kraft gesetzt, um das Leck so schnell wie möglich zu beseitigen. Als erste Maßnahme wird in dem betroffenen Bereich eine Sicherheitszone eingerichtet.

Nachdem das Hauptventil der Ammoniakleitung geschlossen wurde, wird das Notfalleinsatzteam mit Sauerstoffflaschen und dem Chemikalienschutzanzug Tychem TK ausgerüstet. Einer der Feuerwehrleute trägt das Modell TK 614T mit Fronteinstieg, der zweite das Modell TK 615T mit Rückeneinstieg. Der Anzug schützt gegen eine Vielzahl flüssiger Chemikalien, toxischer und korrosiver Feststoffe und Gase. So soll er den Träger für mehr als acht Stunden gegen die Permeation von gasförmigem Ammoniak abschirmen.

Diese Eigenschaften ermöglichen den Rettungskräften einen Einsatz, ohne sich um ihre Sicherheit sorgen zu müssen. „Trotz der Sauerstoffflasche auf dem Rücken lässt sich der Anzug dank der großzügigen Öffnung einfach anziehen", erklärt Faulk. „Mit dem Tychem TK, seinem gas- und dampfundurchlässigen Reißverschluss, der doppelten Reißverschlussabdeckung, dem Doppelhandschuhsystem und den integrierten Socken fühlen wir uns zuverlässig gegen chemische Gefahrstoffe geschützt."

Vorsicht vor Kontamination

Fertig ausgerüstet bestimmen die Einsatzkräfte zunächst die Größe der Undichtigkeit in der Rohrleitung sowie den Durchmesser des Rohres. Anschließend bringen sie eine Stahlmanschette an, um das Leck abzudichten. Das großzügige Panoramavisier des Schutzanzugs mit einem Sichtwinkel von 220 Grad soll dabei präzises und uneingeschränktes Arbeiten ermöglichen.

Sobald das Leck abgedichtet ist, folgt die Dekontamination nach einer festgelegten Prozedur. Geschützt mit einem Chemikalienschutzanzug Tychem 6000 F Plus und einer Atemmaske spritzt ein Feuerwehrmann den Tychem TK des einen Einsatzteam-Mitglieds mit einem Wasserstrahl mit zugesetztem Dekontaminationsmittel ab. In einer zweiten Schleuse befindet sich ein Beutel, um den kontaminierten Anzug aufzunehmen. Mit Hilfe zweier Kollegen zieht der Feuerwehrmann den Tychem TK aus, bevor er den sauberen Bereich betritt. Der Beutel mit dem kontaminierten Schutzanzug wird von einer auf die Behandlung von Sonderabfällen spezialisierten Firma entsorgt.

Nicht nur der Schutz überzeugt

Durch die hohe Abriebfestigkeit des Materials „besitzt der Tychem TK eine hohe Widerstandsfähigkeit und ist zugleich relativ weich, sodass er ein sehr komfortables Arbeiten ermöglicht", meint Faulk. Er sei zudem nicht so schwer wie die Schutzkleidung, die die Werksfeuerwehr zur Brandbekämpfung trägt, und biete wegen seines Designs einen hohen Tragekomfort. „Vor allem aber gibt uns der Tychem TK die Gewissheit, dass wir auch bei gefährlichen Einsätzen zuverlässig geschützt sind“, so Faulk abschließend.

Bildergalerie

  • Die Dekontamination folgt einem festen Prozedere: Erst wird der kontaminierte Schutzanzug abgespritzt, dann verlässt die Einsatzkraft in einer zweiten Schleuse den Anzug. Er wird zur Entsorgung einer auf Sondermüll spezialisierten Firma übergeben.

    Bild: Dupont

  • Hinter der Sicherheitsabriegelung kann sich nur noch mit Schutzanzug gefahrlos bewegt werden.

    Bild: Dupont

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