Uwe Zurth, Head of Customer Benefits bei SEW-Eurodrive: „Wir ermöglichen mit ESIS den standardisierten Datenaustausch der IT-Systeme zwischen Kunden und Lieferanten.“

Bild: SEW-Eurodrive

Interview über die Automatisierung des Abwicklungsprozesses „Weniger Aufwand, Fehler und Kosten“

26.09.2022

Online Angebote für Komponenten und Ersatzteile einholen 
und Bestellungen aufgeben – klingt gut und ist komfortabel. Doch die nachgelagerten Prozesse mit dem Einpflegen der Daten in die eigenen Systeme sind dann wieder zeitaufwendig und fehleranfällig. Wie sich diese Prozesse sehr einfach 
automatisieren lassen, erläutert Uwe Zurth, Head of Customer Benefits bei SEW-Eurodrive im Gespräch mit A&D.

Wie kam es zur Idee von ESIS?

SEW bietet seit vielen Jahren einen Online-Shop für seine Produkte an. Mit unseren Kunden kam im Laufe der Zeit immer wieder die Diskussion auf, wie praktisch das für das Bestellen von Antrieben und Ersatzteilen zwar ist – dennoch bleibt beim Kunden dann noch der Aufwand für das Einpflegen der Daten in seine Systeme. Deshalb kam dann die Idee auf, wenn der Kunde bei uns eine Anfrage oder Bestellung im Online-Shop tätigt, dann wollen wir ihm diese Daten auch automatisiert in seine Systeme zurückschreiben.

ESIS bietet aber nicht nur SEW an, sondern auch andere Unternehmen?

Richtig, wir hatten die ursprüngliche Idee, entwickelt wurde das Konzept dann gemeinsam mit Festo und Sick. Inzwischen setzen auch Phoenix Contact, Herma und Gühring auf ESIS. Mittlerweile nutzen Kunden im vierstelligen Bereich bereits den Abwicklungsprozess über die ESIS-Schnittstellen ESIS inform und ESIS comfort.

Was verbirgt sich eigentlich technisch hinter ESIS?

ESIS ist vor allem eine Schnittstellendefinition. Damit ermöglichen wir den standardisierten Datenaustausch zwischen den IT-Systemen der Kunden und Lieferanten. E-Commerce-Aktivitäten wie Anfrage und Bestellung werden damit viel einfacher, weil sich die Artikeldaten aus dem Online-Shop des Anbieters automatisiert in das ERP-System des Kunden einpflegen lassen. Wir sprechen bei ESIS somit nicht von einer E-Commerce-Plattform oder einem Tool, sondern von standardisierten Datenaustauschmöglichkeiten. Und hier stellen wir dem Kunden direkt mit dem Angebot oder der Bestellung eine standardisierte XML-Datei zur Verfügung, deren definierte Felder sich dann automatisiert in jedes beliebige ERP-System einlesen lassen.

Der Kunde muss also nur noch die Feldzuweisung zwischen XML-Datei und dem ERP-System beim Einlesen definieren?

Genau. Weil es auf dem Markt sehr viele ERP-System und auch kundenspezifische Anwendungen für das Verwalten der Bestellungen gibt, haben wir eben diese XML-Datei geschaffen, wo alle Daten der bestellten Komponenten oder Ersatzteile in definierten Feldern hinterlegt sind. Bei diesen Feldern handelt es sich beispielsweise um Serviceauftragsnummer, Bestellnummer, Artikelnummer, Preis, Artikeldaten, Menge und vieles mehr. Welche dieser strukturiert hinterlegten Daten der Kunde davon dann in sein System einlesen will, bleibt ihm überlassen. Der einmalige Aufwand für diese Definition ist sehr gering. Aber so bieten wir dem Kunden die maximale Flexibilität für seine Automatisierung des Abwicklungsprozesses.

Gibt es aber auch schon vordefinierte Schnittstellen zu den marktüblichen ERP-Systemen?

Tatsächlich bereiten wir zunehmend solche vordefinierten Softwarebausteine vor, die unter anderem eine automatische Materialstammdatenanlage ermöglichen. Weitgehend verfügbar ist dies bereits für SAP, ProALPHA und abas. Weitere auf dem Markt verbreitete ERP-Systeme werden folgen. Mit diesem Schritt nehmen wir dem Kunden auch diese allerletzte einmalige Anpassung ab – die aber weiterhin jederzeit möglich ist.

Wird man dann in einem nächsten Schritt auch direkt aus dem ERP-System heraus Artikel bei SEW bestellen können?

Das wird tatsächlich in der nächsten Ausbaustufe ab 2023 mit ESIS connect zusätzlich möglich sein. Was aber schon jetzt bei ESIS einen dramatischen Mehrwert bietet, ist die Möglichkeit der automatischen Materialstammanlage. Wir bieten bei unseren Antrieben ein Variantenreichtum von unglaublichen 1028 an, damit jeder Kunde sehr fein granular die exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Lösung bekommt. Bestellt beispielsweise ein Kunde aus dem Maschinenbau 1000 Antriebe bei uns, dann ist ein Großteil davon unterschiedlich konfiguriert. Wenn er nun von jeder einzelnen Konfiguration die individuellen Daten in einem Materialstamm manuell anlegen muss, dann ist das ein erheblicher Aufwand. Mit ESIS kann der Kunde diesen Vorgang ebenfalls automatisiert durchführen.

Von welcher Zeitersparnis sprechen wir hier typischerweise?

Durch den automatischen Import von Angebots- und Auftragsdaten entfällt typischerweise je Vorgang ein Aufwand von 2-3 Minuten. Wenn zudem die Materialstammdatenanlage automatisiert wird, sind wir eher bei 10-20 Minuten je Vorgang. Dazu kommen Einsparungen durch Fehlervermeidung. Diese sind heute zwar selten, können aber schwerwiegende Auswirkungen haben.

ESIS vereinfacht aber nicht nur den Abwicklungsprozess, sondern ermöglicht auch den Zugriff auf alle verfügbaren Dokumente der Komponenten?

Exakt! Wir ermöglichen mit ESIS Inform, so die Bezeichnung dafür, einen Link-basierten Abruf von stets von uns aktuell gehaltene Dokumentationen, CAD-Modellen, Schaltbilder und mehr. Das genial einfache dabei ist, der Kunde muss niemals Dokumente bei sich im Unternehmen zu den Produkten selbst vorhalten und für die Aktualität und Vollständigkeit sorgen. Er kann in seinem System in seiner Artikelstammdatenverwaltung einen Button integrieren, der dann einfach per Link, basierend auf der Seriennummer des jeweiligen Produkts, auf die bei SEW gehosteten Dokumente führt. Und weil wir mit unseren Partnern ein einheitliches Linkschema definiert haben, funktioniert das bei allen teilnehmenden Lieferanten identisch.

Muss der Kunde bei Nutzung von ESIS mit Kosten oder Lizenzgebühren rechnen?

Nein, die heutigen ESIS-Services sind kostenfrei. Sowohl für die komfortable automatisierte Auftragsabwicklung als auch den komfortablen Zugriff auch die Dokumentation und Daten muss der Kunde nur einmalig die wenig aufwendige Integration in seine Systeme durchführen.

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