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Wichtiger Schlüssel für die Energiesouveränität

Wasserstoff „made in EU“: Fünf Maßnahmen für den Markthochlauf

Europa droht beim Wasserstoffhochlauf den wirtschaftlichen Anschluss zu verlieren – das Problem ist nicht die Technologie, sondern regulatorische Bremsen.

Bild: iStock, onurdongel
14.07.2026

Der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa ist nicht nur ein zentraler Baustein der Dekarbonisierung, sondern auch ein entscheidender Schritt hin zu geopolitischer Resilienz und wirtschaftlicher Stabilität. Quest One zeigt auf, welche Rahmenbedingungen eine bessere Planbarkeit, Investitionssicherheit und damit den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft unterstützen können.

Geopolitische Unsicherheiten verdeutlichen die strukturelle Abhängigkeit von fossilen Energieimporten in Europa und Deutschland: Knapp 60 Prozent des europäischen Energiebedarfs werden durch Importe gedeckt – überwiegend in Form von Öl und Erdgas und zu großen Teilen aus geopolitisch sensiblen Regionen. Diese Abhängigkeit reduziert die Resilienz der europäischen Energiesysteme erheblich und macht sie anfällig für politische Konflikte, Marktverwerfungen und Preisschocks. Infolge der russischen Invasion der Ukraine entstanden allein zwischen 2021 und 2024 zusätzliche Kosten von rund 930 Milliarden Euro für fossile Brennstoffimporte in Europa.

„Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verwundbar Europas Energiesystem durch externe Abhängigkeiten ist. Energiepolitik ist längst auch Sicherheitspolitik“, betont Michael Meister, CEO von Quest One. „Eine nachhaltige Lösung kann nur darin bestehen, Energie stärker in Europa selbst zu erzeugen und Wertschöpfung hier zu halten.“

Gleichzeitig verschärfen sich die Herausforderungen innerhalb des Energiesystems selbst. Der wachsende Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien trifft auf ein Stromnetz, das durch steigende Redispatch-Kosten, regionale Engpässe und eine unklare Rolle konventioneller Kraftwerke zunehmend unter Druck gerät.

Mehr Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität erreichen

Grüner Wasserstoff bietet gleich mehrere Hebel, um die Energieabhängigkeit zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu stärken. Auf nationaler Ebene kann jedes Land grünen Wasserstoff selbst produzieren und damit die Integration erneuerbarer Energien vorantreiben. Beispielsweise lassen sich durch die Nutzung von Überschussstrom für Elektrolyse, sowie die damit einhergehende Reduktion von Redispatch-Aufwänden, Systemkosten senken.

Für die Jahre 2023 bis 2025 lagen diese bei 400 bis 600 Millionen Euro. Regionen mit günstigen erneuerbaren Ressourcen können auf dem inner-europäischen Markt Wasserstoff für industrielle Zentren in anderen EUR-Ländern bereitstellen und so einen stabilen Binnenmarkt aufbauen. Neue Exportländer wie Kanada, Indien, Marokko oder Chile treten in den globalen Energiemarkt ein und tragen so zur Diversifizierung und zur Verringerung einseitiger Abhängigkeiten bei.

„Grüner Wasserstoff ist mehr als nur ein Energieträger – er ist ein strategisches Instrument für mehr Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität“, unterstreicht Michael Meister. „Wer heute die richtigen Rahmenbedingungen schafft, sichert Europa langfristig eine unabhängige und resiliente Energieversorgung.“

Die Verabschiedung der THG-Quote im Rahmen der EU-Richtlinie RED III (Renewable Energy Directive III) war ein wichtiger erster Schritt, nach dem es jetzt aber weitere Signale braucht. Denn ein ambitionierter und koordinierter Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist eine zentrale energie- und industriepolitische Aufgabe.

Fünf konkrete Handlungsbedarfe

Quest One leitet daraus konkrete Handlungsbedarfe für Politik und Regulierung ab:

1. Klarer Kurs für Netzentgelte

Auch nach 2029 sollten Elektrolyseure nicht nur netzentgeltseitig entlastet bleiben, sondern zudem vergütet werden, wenn sie netzdienlich fahren, da sie so die Systemkosten substanziell senken.

2. Erhalt der monatlichen statt stundengenauer Korrelation

Die stundengenaue Korrelation zwischen EE‑Erzeugung und Elektrolyse (Hourly Matching), die ab 2030 auf europäischer Ebene gelten soll, ist ein zu enges Korsett und sorgt dafür, dass Elektrolyseure mit einem deutlich niedrigeren Kapazitätsfaktor betrieben werden. So sinkt die Produktionsmenge an Wasserstoff, wodurch in den meisten Fällen keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben ist. Eine Weiterführung der monatlichen Korrelation auch über 2030 hinaus würde den richtigen Anreiz für Investitionen und die damit verbundenen positiven Effekte auf Resilienz und Klima darstellen.

3. Lockerung des Zusätzlichkeitskriteriums

Dieses sieht vor, dass ab 2028 ausschließlich Grünstrom aus zusätzlich gebauten EE-Anlagen für Elektrolyse genutzt werden darf und soll so die Nutzung von bereits vorhandenem Ökostrom im Netz verhindern. Diese Maßnahme bremst den notwendigen Ausbau dieser Anlagen jedoch massiv aus. Sie treibt sie Kosten und Planungszeiträume für Neuprojekte stark nach oben, und verhindert zeitgleich die situative Flexibilität im Elektrolysebetrieb während Stromspitzen.

Das Kriterium sollte in der aktuellen Phase des Wasserstoffhochlaufs auch weiterhin aufgehoben bleiben und bestehende EE-Quellen für den Elektrolysebetrieb nutzbar gemacht werden. Insbesondere für ältere Bestandsanlagen, die nach 20 Jahren zunehmend aus der Förderung fallen, kann die Versorgung von Elektrolyseuren einen lukrativen neuer Absatzmarkt bieten.

4. „Made in EU“ systematisch berücksichtigen

Die unter dem Net Zero Industry Act angestrebte Sicherung lokaler Wertschöpfung klimafreundlicher Technologien, sollte für grünen Wasserstoff weiter ausgebaut und auch in anderen regulatorischen Rahmenwerken wie dem geplanten Industrial Accelerator Act (IAA) verankert werden. Auch auf nationaler Ebene, etwa im Wasserstoffbeschleunigungsgesetz oder bei Förderinstrumenten, sollte „Made in EU“ systematisch berücksichtigt werden.

Technologische Souveränität reduziert Abhängigkeiten von geopolitisch unsicheren Lieferketten und schützt vor möglichen Fremdeingriffen in kritische Infrastruktur in Form von Schlüsseltechnologien wie Elektrolyseuren. So stärkt „Made in EU“ die Resilienz der europäischen Energie- und Industrielandschaft nachhaltig.

5. Investitionssicherheit durch Standards und Innovation

Vertrauen und Investitionssicherheit ergeben sich nicht allein aus wirtschaftlichen Faktoren, sondern ebenso aus technologischer Verlässlichkeit. Themen wie Stack-Durchlässigkeit, Gasreinheit oder die sichere Auslegung von O2-Abscheidern müssen transparent adressiert und technisch weiterentwickelt werden. Das proaktive Adressieren technologischer Hürden trägt dazu bei, den Stand der Technik neu zu definieren. Klare Standards schaffen Orientierung, stärken das Vertrauen und dienen als Grundlage für belastbare Investitions- und Betriebsentscheidungen.

Das große Ganze denken, um die Weichen zu stellen

Europa hat alle Voraussetzungen, um bei grünem Wasserstoff eine führende Rolle einzunehmen – technologisch, industriell und strategisch. Moderne Elektrolyseplattformen sind effizient und skalierbar. Der europäische Markt steht jedoch unter wachsendem internationalem Wettbewerbs- und Preisdruck. Was jetzt fehlt, ist ein regulatorischer Rahmen, der Innovation, Qualitätsstandards und faire Marktbedingungen stärkt, um die technologische Führungsrolle Europas zu erhalten. So sichern die europäischen Mitgliedsstaaten ihre Energieunabhängigkeit sowie die Resilienz ihrer Energieinfrastruktur in einem von Instabilität geprägten globalen Klima.

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