Ausgangspunkt ist eine systematische Auswertung des Erdgasaufkommens: Deutschlands exportbereinigte Nettoimporte verlaufen über das Jahr relativ konstant, während der Verbrauch stark zwischen Sommer und Winter schwankt. Diese Differenz gleichen heute große Untergrundspeicher aus, die zugleich als Energiereserve bei Importstörungen dienen. Dieses Prinzip gilt auch für eine künftig stark importabhängige Wasserstoffwirtschaft.
Deutschlands Wasserstoffstrategie unterschätzt die Speicherfrage
Auf Basis der Szenarien des Nationalen Wasserstoffrats errechnet die Studie einen Speicherbedarf von 175 bis 315 Terawattstunden (TWh). Energetisch entspricht das etwa den heutigen Erdgasreserven von rund 250 TWh. Aufgrund der deutlich geringeren volumetrischen Energiedichte von Wasserstoff wäre jedoch etwa das Fünffache des heutigen Speichervolumens erforderlich. Das heißt: Für die gleiche Energiemenge müssten deutlich mehr Salzkavernen geschaffen und bestehende Strukturen umfassend umgewidmet werden – mit entsprechend höherem Flächen- und Investitionsbedarf.
Der Gesamtbedarf setzt sich aus saisonalem Speicherbedarf und einer strategischen Reserve zur Abfederung mehrwöchiger Importstörungen zusammen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geht im „Weißbuch Wasserstoffspeicher“ hingegen von lediglich 80 TWh saisonaler Speicherung aus. Ein historischer Vergleich verschärft das Bild: Um die notwendigen Kapazitäten bis 2045 zu erreichen, müsste die jährliche Ausbaurate etwa das Zehnfache des historischen Ausbaus der Erdgasspeicher betragen.
Zwar existieren geeignete geologische Salzstrukturen. Doch viele angekündigte Projekte verfügen noch über keine finale Investitionsentscheidung. Die Studie kommt daher zum Schluss: Speicher sind strategische Infrastruktur – keine kurzfristigen Marktprojekte. Die Speicherfrage ist eine nationale Infrastrukturaufgabe und lässt sich weder durch Importlogistik noch durch ausländische Speicherinfrastruktur ersetzen. Ohne klare politische Rahmensetzung und staatliche Unterstützung dürfte der Ausbau kaum gelingen.