Seltene Erden im geopolitischen Fokus

Warum der Kampf um Schlüsselrohstoffe das 21. Jahrhundert prägt

Tagebau unter Hochdruck: Seltene Erden sind begehrte Schlüsselrohstoffe – ihr Abbau ist aufwendig, die geopolitische Konkurrenz um Lagerstätten und Lieferketten wächst.

Bild: publish-industry,Gemini
26.05.2026

Seltene Erden sind unverzichtbar für erneuerbare Energien, Elektronik und Rüstung – und China kontrolliert den globalen Markt nahezu vollständig. Deutschland und die EU haben zu lange auf den Weltmarkt vertraut. TU-Chemnitz-Forscher Dr. Jakob Kullik analysiert Ursachen, Optionen und Risiken.

Rohstoffe waren und sind strategische Elemente für wirtschaftlichen Wohlstand und nationale Sicherheit. Derzeit erleben wir das Wiederaufflammen von Konflikten um den „alten“ Rohstoff Erdöl im Nahen Osten und zugleich ein globales Ringen um sogenannte „kritische“ und „strategische“ mineralische und metallische Rohstoffe wie Seltene Erden. Diese 17 Elemente des Periodensystems aus der Gruppe der Lanthanoide sind unentbehrlich für erneuerbare Energietechnologien (Windkraft, Solar), Konsumelektronik, aber auch für Militär und Rüstung.

„Staaten und Unternehmen ringen um die Kontrolle von Lagerstätten und globale Lieferketten – sprichwörtlich vom Erz zum Elektroauto beziehungsweise vom Mineral zur Munition. Letztes Jahr mussten die USA und die Europäische Union schmerzhaft erfahren, dass China den globalen Markt für Seltene Erden fast vollständig kontrolliert und am längeren Hebel sitzt. Seltene Erden zählen mittlerweile wie Öl und Gas zum geopolitischen Instrumentarium der Großmächte“, sagt Dr. Jakob Kullik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Internationale Politik der Technischen Universität Chemnitz. Doch wie kam es, dass China zur führenden Rohstoffmacht wurde? Und welche Optionen haben die USA, die EU und andere Industriestaaten, sich aus dieser Dominanz Pekings zu befreien? Können Seltene Erden künftig in Europa, womöglich sogar im rohstoffreichen sächsischen Erzgebirge, gefördert und weiterverarbeitet werden?

Deutschland im Rohstoffrennen: abgeschlagen, aber nicht chancenlos

„Der globale Bedarf nach Seltenen Erden wächst und allein durch Recycling wird der Rohstoffhunger künftig nicht zu stillen sein. Deutschland und die Europäische Union sind in diesem globalen Rohstoffrennen bislang abgeschlagen. Zu lang wurde auf den Weltmarkt und friedliche Handelsbeziehungen gesetzt. Dies rächt sich nun. Die USA, China, Russland und weitere Akteure haben längst Boden gut gemacht und lukrative Projekte erschlossen. Die deutsche Wirtschaft muss sich verstärkt um ihre Rohstoffversorgung kümmern und ist auf Unterstützung durch die Politik angewiesen“, so Kullik.

Doch was können die Bundesregierung und die EU überhaupt noch tun? Ist der Einstieg Deutschlands ins internationale Rohstoffgeschäft noch möglich? Ist eine Renaissance des Bergbaus hierzulande wünschenswert und umsetzbar? Fest steht aus Sicht des Chemnitzer Politikwissenschaftlers nur eins: „Die Welt wartet nicht auf Deutschland. Das Rennen um Seltene Erden und weitere kritische Rohstoffe wird das 21. Jahrhundert prägen und zu neuen Konflikten führen – Geologie trifft zunehmend auf Geopolitik.“

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