Dr. Dirk Sunderer ist seit September 2015 Geschäftsführer bei Gebrüder Lödige Maschinenbau; international tritt das Unternehmen als Lödige Process Technology auf. Der Maschinenbauingenieur mit Promotion im Fachgebiet Verfahrens- und Umwelttechnik verfügt über langjährige Führungserfahrung in der Anlagen- und Maschinenbau-, Service- sowie Automatisierungsbranche.

Bild: Lödige

Kommentar Vom Mischer zur Lösung

09.10.2019

Der deutsche Mittelstand ist weltweit erfolgreich und tut sich trotzdem schwer damit, die Potenziale der Internationalisierung auch außerhalb des Vertriebs zu nutzen. Um zukunftsfähig zu bleiben, muss deshalb oft der Weg einer strategischen Neuausrichtung gegangen werden.

Dr. Dirk Sunderer war mit diesem Beitrag im P&A-Kompendium 2019 als einer von 100 Machern der Prozessindustrie vertreten. Alle Beiträge des P&A-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen .

Als Familienunternehmen mit über 80-jähriger Geschichte sieht man das Thema „Zukunft“ vielleicht etwas gelassener. Aber auch wir arbeiten Tag für Tag daran, nachhaltig Werte für unsere Kunden, die Umwelt, unsere Kinder, unsere Mitarbeiter und natürlich für unsere Gesellschafter zu schaffen.

Als Sondermaschinenbauer sind wir dabei von jeher gut dafür aufgestellt, auf neue Marktanforderungen flexibel zu reagieren – und diese für unseren Erfolg zu nutzen. Ein aktuelles Beispiel ist die Aufbereitung der Rohstoffe bei der Produktion von Lithium-Akkumulatoren.

Vom Maschinenbauer zum Anbieter von Komplettlösungen

Um weiter zukunftsfähig zu bleiben, führt jedoch kein Weg an einer strategischen Neuausrichtung vorbei: So entwickeln wir Lödige aktuell vom klassischen Maschinenbauer weiter zum Anbieter von verfahrenstechnischen Komplettlösungen, zum Solution & Service Provider. Konkret bedeutet dieser Wandel, dass wir neben unserem bestehenden Maschinenportfolio für die Misch- und Reaktionstechnik immer stärker Akzente im System- und Anlagenbau setzen werden, um unseren Kunden die jeweils optimale Lösung für ihre verfahrenstechnischen Aufgabenstellungen anbieten zu können.

Darüber hinaus bauen wir sukzessive den Bereich Automatisierungstechnik aus. Ergänzt werden diese Kompetenzen durch modulare Serviceangebote bis hin zu Full-Service-Konzepten. Auch für die Kundenbeziehung bringt die Positionierung als Solution & Service Provider Veränderungen: So werden wir schon in viel früheren Projektphasen eingebunden sein als bisher als reiner Komponenten-Lieferant.

Joint Venture mit indischem Partner

Selbstverständlich hat eine solche tiefgreifende Neuausrichtung Auswirkungen auf die gesamte Organisation: Die Entwicklung von einem eher fertigungsorientierten hin zu einem Engineering-Unternehmen erfordert den Ausbau der eigenen Engineering-Kapazitäten. Fertigungs- und perspektivisch auch Engineering-Leistungen werden zunehmend im In- und Ausland eingekauft, wobei ganz klar das Basic-Engineering, das R&D und die Kernkompetenzen auf dem Gebiet der Fertigungstechnik im Stammhaus verbleiben.

Ein solches Modell ist für deutsche Mittelständler immer noch eher ungewöhnlich. Ich bin aber von diesem Weg überzeugt. Und Lödige hat den ersten Schritt auch längst gemacht: Im April 2013 haben wir gemeinsam mit einem indischen Partner das Joint Venture Bectochem Loedige Process Technology (BLPT) gegründet. Zunächst als Produktionsstätte für regionale Märkte gedacht, werden wir zunehmend Engineering- und Fertigungsleistungen aus Indien in unsere Kernprozesse integrieren. So werden zukünftig einzelne Produkte unseres Portfolios vollständig bei BLPT gefertigt werden. Dadurch versprechen wir uns insbesondere bei preissensitiven Produkten einen entscheidenden Kostenvorteil gegenüber unseren Marktbegleitern.

Nicht zuletzt: Bei aller Veränderung gibt es bei Lödige auf dem Weg in die Zukunft auch Konstanten. So sind und bleiben unsere Mitarbeiter die wichtigste Ressource im Unternehmen – und unsere Kunden im In- und Ausland unsere wichtigsten Partner.

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