Die Friedhelm Loh Group, zu der Marken wie Rittal und Eplan gehören, bewegt sich in globalen Dimensionen. Mit knapp 13.000 Mitarbeitenden in 94 Tochtergesellschaften kennen wir die Herausforderungen des modernen Steuerungsbaus im Detail. Würde man unsere jährlich gefertigten Gehäuse lückenlos aneinanderreihen, ergäbe das eine Strecke von Berlin bis nach Kairo. Doch mit dem Gehäuse fängt die Arbeit des Schaltanlagenbauers erst an. Jede Anlage muss aufwendig geplant, aufgebaut, verdrahtet, geprüft, dokumentiert und betrieben werden.
Eine Untersuchung der Universität Stuttgart hat vor Augen geführt, wie viel Zeit in der traditionellen Werkstatt für automatisierbare Tätigkeiten aufgewendet wird. Die rein manuelle Bearbeitung eines Standardschranks dauert demnach mehr als doppelt so lange wie der automatisierte Weg. Die maschinelle Bearbeitungszeit liegt bei gerade einmal 40 Prozent des manuellen Aufwands. Wer dieses enorme Einsparpotenzial von 60 Prozent heute noch ignoriert, manövriert sich unweigerlich in einen dramatischen wirtschaftlichen Nachteil.
Die durchgängige digitale Kette beginnt im Engineering mit Softwarelösungen wie Eplan Electric P8. Hier entsteht der Stromlaufplan, während die Nummerierung der Drähte oder das Erzeugen von Querverweisen vollautomatisch im Hintergrund ablaufen. Über das Eplan Data Portal (EDP) greifen Konstrukteure auf über vier Millionen verifizierte Gerätedaten von mehr als 550 Herstellern zu. Diese Datensätze sind relevant für den weiteren Prozess: Die Geräte kennen ihre exakten Abmessungen, ihre Verlustleistung für die spätere Klimatisierung und wissen im Grunde selbst, wie sie verdrahtet werden müssen. Ab welcher Seriengröße lohnt sich dieser Aufwand? Ein digitaler Zwilling lohnt sich bereits ab Stückzahl eins. Durch integrierte Konsistenzprüfungen im System werden Planungsfehler ausgeschlossen. Das hebt die Qualität und spart nachgelagerte Korrekturkosten.
Der nächste Schritt führt aus dem zweidimensionalen Schaltplan direkt in den dreidimensionalen Raum. Mithilfe von Konfiguratoren wie RiPanel von Rittal lassen sich Gehäusekomponenten direkt im dreidimensionalen Modell platzieren. Das System erzeugt im Hintergrund simultan die exakten Computerized-Numerical-Control-Daten (CNC-Daten) für die Maschinen. In Softwarewerkzeugen wie Eplan Pro Panel erfolgt die digitale Bestückung mit Hutschienen und Kabelkanälen intuitiv. Das anschließende Routing der Verbindungsdrähte übernimmt das System unter Berücksichtigung normativer Vorgaben und Sicherheitsstandards.
Diese Daten übergeben wir direkt an den Shopfloor. Bei der Montage scannt der Werker die Komponente ein und bekommt auf einem Bildschirm angezeigt, an welcher Stelle sie platziert werden muss. Sollte dabei ein Fehler auffallen, wird dieser online an das Engineering zurückgemeldet, dort korrigiert und steht sofort live für alle parallelen Projekte zur Verfügung. Die Verdrahtung wird durch Werkzeuge wie Eplan Smart Production revolutioniert. Es müssen keine Schaltpläne mehr interpretiert werden, sondern die Software führt den Verdrahter visuell Schritt für Schritt von der Quelle zum Ziel.
Auch bei der mechanischen Bearbeitung der Gehäuse, Gehäuseteile und Montageplatten entfalten die Daten ihre Kraft auf unseren Bohr-, Fräs- und Lasermaschinen von Rittal Automation Systems. Während ein erfahrener Mitarbeiter für das manuelle Anzeichnen und Vorbohren rund 40 Minuten benötigt, erledigt die Maschine dieselbe Aufgabe in vier Minuten. Zehnmal schneller plus Vermeidung von Fehlerkosten.
Jedes Rittal-Gehäuse wird mit einem individuellen Quick-Response-Code (QR-Code) ausgeliefert. Wir haben daraus ein Portal gemacht, durch das man in ein kostenloses Dokumentationssystem eintreten kann. Der Betreiber kann komplette Dokumentationen über die Betriebsdauer hinweg digital verwenden, sie aktuell halten und Zugriffsrechte verwalten. Künstliche Intelligenz (KI) benötigt genau diese Daten in Form von Nullen und Einsen. Der digitale Zwilling ist die Voraussetzung, um KI-Anwendungen im Schaltschrankbau wirksam einzusetzen. Engineering wird so zunehmend zum Prompting – wer dann erst mit der Digitalisierung beginnen will, verpasst den Anschluss.