Digitale Werkerassistenz statt Schalter

Virtuelle Bedienelemente schaffen hygienische Produktionsumgebungen

Virtuelle Bedienelemente schaffen eine neue Ebene der Flexibilität, da mit ihnen dieselbe Oberfläche abhängig vom Prozess unterschiedliche Funktionen darstellen kann.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit Gemini
19.10.2026

In sensiblen Arbeitsumgebungen, wie bei der Herstellung von Lebensmitteln oder der Pharmaindustrie, gelten besondere Anforderungen an Anlagen, Arbeitsplätze und Bedienkonzepte. Oberflächen müssen leicht zu reinigen und möglichst frei von potenziellen Kontaminationsquellen sein. Klassische Bedienelemente wie Schalter, Taster oder fest installierte Bedienpanels können dabei zusätzliche konstruktive und hygienische Herausforderungen schaffen. Digitale Werkerassistenzsysteme bieten einen alternativen Ansatz.

Virtuelle Bedienelemente können direkt auf geeignete Oberflächen projiziert und über berührungslose oder entsprechend ausgelegte Interaktionen bedient werden. Dadurch lässt sich die notwendige Hardware reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität am Arbeitsplatz erhöhen.

„In hygienekritischen Produktionsbereichen zählt jedes zusätzliche Bauteil. Je weniger Schalter, Bedienfelder oder andere physische Elemente eine Oberfläche aufweist, desto einfacher kann sie gereinigt und desinfiziert werden“, erklärt Michael Kunze, Gründer und Geschäftsführer bei MKey Solution. „Digitale Werkerassistenz ermöglicht es, Bedieninformationen und Funktionen genau dort bereitzustellen, wo sie benötigt werden, ohne für jede Anwendung eine eigene physische Bedieneinheit installieren zu müssen.“

Reduzierte Hardware am Arbeitsplatz

Ein wesentlicher Vorteil digitaler Werkerassistenz liegt in der Möglichkeit, Bedienelemente virtuell abzubilden. Anstatt für unterschiedliche Funktionen zahlreiche physische Taster oder Schalter zu installieren, lassen sich beispielsweise Start-, Bestätigungs- oder Auswahlfelder digital auf eine definierte Arbeitsfläche projizieren. Der Mitarbeitende erhält damit eine intuitive Benutzeroberfläche, deren Inhalte abhängig von Prozess, Produkt oder Arbeitsschritt angepasst werden können. Beispielsweise in der Pharma- und Lebensmittelindustrie kann dies Vorteile für das Hygienedesign bieten. Physische Bedienelemente bilden häufig Übergänge, Kanten oder schwer zugängliche Bereiche, an denen sich Verschmutzungen sammeln können. Eine möglichst reduzierte und glatte Arbeitsumgebung erleichtert dagegen die Reinigung. Gleichzeitig lässt sich die Zahl potenzieller Kontakt- und Kontaminationsstellen reduzieren.

„Virtuelle Bedienelemente schaffen eine neue Ebene der Flexibilität. Wo früher für jede Funktion ein eigener Schalter vorgesehen werden musste, kann heute dieselbe Oberfläche abhängig vom Prozess unterschiedliche Funktionen darstellen“, so Kunze. Das ermöglicht nicht nur ein aufgeräumteres Bedienkonzept, sondern kann auch den konstruktiven Aufwand bei der Gestaltung hygienischer Arbeitsplätze reduzieren.

Einfacher reinigen, schneller umrüsten

Neben den hygienischen Aspekten spielt auch die Wartung eine wichtige Rolle. Physische Bedienelemente bedürfen regelmäßiger Reinigung, Prüfung und gegebenenfalls Wartung oder Austausch. Bei digitalen Lösungen können Funktionen dagegen softwareseitig angepasst oder ergänzt werden. Ändert sich ein Prozess, muss nicht zwangsläufig die Hardware des Arbeitsplatzes verändert werden. Das ist insbesondere dann relevant, wenn Anlagen oder Produktionsbereiche regelmäßig umgerüstet werden. Unterschiedliche Produkte, Verpackungsformate oder Prozessvarianten lassen sich über die digitale Benutzeroberfläche abbilden. Die jeweils benötigten Informationen und Bedienelemente erscheinen nur dann, wenn sie für den konkreten Arbeitsschritt erforderlich sind.

Auch die Wartung kann dadurch effizienter gestaltet werden. Digitale Assistenzsysteme können Mitarbeitende Schritt für Schritt durch Wartungs- und Serviceprozesse führen und gleichzeitig dokumentieren, welche Tätigkeiten durchgeführt wurden. In Kombination mit Bildverarbeitung lassen sich zudem bestimmte Arbeitsschritte automatisch überprüfen. „Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes reduziert nicht nur Hardware, sondern schafft auch neue Möglichkeiten fürWartung und Instandhaltung. Ein System kann beispielsweise anzeigen, welche Komponenten geprüft werden müssen und den Abschluss einzelner Schritte dokumentieren“, erläutert Kunze.

Weniger Installationsaufwand, mehr Flexibilität

Klassische Bedienelemente erfordern Verkabelung, Montagepunkte und entsprechende Komponenten in der Anlage. Werden Funktionen nachträglich ergänzt oder verändert, kann dies zusätzlichen Installationsaufwand verursachen. Bei virtuellen Bedienelementen lassen sich viele Anpassungen dagegen digital vornehmen. Für Anlagenbauer und Betreiber bedeutet dies mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen. Bedienoberflächen können an unterschiedliche Produktionsschritte angepasst werden, ohne dass dafür zwangsläufig zusätzliche Hardware installiert werden muss.

Gleichzeitig können digitale Werkerassistenzsysteme Arbeitsanweisungen, Bedienfunktionen und Qualitätsprüfungen miteinander verbinden. Der Mitarbeitende erhält damit nicht nur einen virtuellen Button, sondern eine kontextbezogene digitale Unterstützung: Das System zeigt den nächsten Arbeitsschritt an, stellt die erforderliche Bedienfunktion bereit und kann anschließend überprüfen, ob der Prozess korrekt durchgeführt wurde.

„Wenn wir über Digitalisierung in Pharma und Lebensmittelproduktion sprechen, sollten wir nicht nur über Daten und Automatisierung nachdenken. Auch die physische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann digital neu gedacht werden“, resümiert Kunze.

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