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Sind smarte Sensoren meist zuviel des Guten? Ist der „Feature Overkill“ meist nicht notwendig?

Bild: iStock, draganab
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Feature Overkill vs. zukunftsfähig Umfrage: „Werden smarte Sensoren auch nur ansatzweise ausgenutzt?"

05.04.2022

Smarte Sensoren sind allerorts, man könnte fast glauben, normale Sensoren gibt es gar nicht mehr. Neben den Messwerten liefern die smarten Sensoren viele Statusinformationen wie Verschmutzungslevel, Umgebungstemperatur oder Lebensdauer. Doch wird in der Praxis das Potenzial dieser modernen Sensoren derzeit überhaupt auch nur ansatzweise ausgenutzt? Wann ist es also für den Anwender sinnvoll, bereits Mehrausgaben in leistungsfähige, smarte Sensoren zu tätigen? Wir haben Experten um ihre Meinung gebeten.

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Das sagen die Experten:

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  • Stephan Langer, Director Application & Market Development, Balluff: Uneinheitlich, limitiert, kompliziert, teuer – so lauten oftmals die Assoziationen zu smarter Sensorik. „Smart“ darf sich jedoch nicht nur auf Informationen wie Verschmutzung, Temperatur und Lebensdauer beschränken, um für Anwender einen wirklichen Mehrwert darzustellen. Wir bei Balluff finden, dass zu einem smarten System zusätzlich Messdaten beispielsweise zu Vibration, Neigung oder Signalqualität gehören und haben deshalb das Smart Automation Monitoring System (SAMS) entwickelt. Neben den genannten Funktionen sind auch logische Verknüpfungen, Lokalisierung, Zähler oder Timer in jeder einzelnen Komponente des Systems integriert. So kann durch ein einheitliches, einfaches und erschwingliches Konzept smarte Sensorik zur anlagenübergreifenden Automatisierung genutzt werden.

    Bild: Balluff

  • Norbert Matthes, Technical Sales Manager, Contrinex: Eine Investition in smarte Sensoren lohnt sich beispielsweise in der vorausschauenden Wartung (Long live Counter). Diese Aufgabe kann der smarte Sensor übernehmen, ohne dass dafür eine externe Steuerung programmiert werden muss. Smarte Sensoren von Contrinex ermöglichen den Austausch von Status-Informationen und verfügen über frei konfigurierbare Ausgänge. Dadurch kann der Anwender jede beliebige Distanz zwischen 0 und Smax als Schaltpunkt setzen und mit dem Ausgangspin verknüpfen. Bei fotoelektrischen und Ultraschallgeräten ist dieses Verhalten selbstverständlich – jetzt gibt es diese Funktion auch bei den induktiven Schaltern von Contrinex. Es lassen sich nicht nur Set Points mikrometergenau in der Applikation justieren, auch Event-Alarme (zum Beispiel maximale Temperaturmessung) können jetzt auf die Ausgänge geschaltet werden. Unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen.

    Bild: Contrinex

  • Torsten Fuchs, Geschäftsführer, Gefran Deutschland: Wir können nur dann einen Nutzen aus Sensor-Daten ziehen, wenn Informationen entstehen, die zu Entscheidungen führen. Relevante Informationen entstehen, wenn man Daten in einen Kontext bringt – das heißt mit Datensätzen aus demselben Produktionsprozess korreliert werden. Intelligente Sensoren ermöglichen die Messung mehrerer Variablen gleichzeitig und liefern so eine Momentaufnahme davon, was in einem bestimmten Teil einer Maschine oder einer Produktionslinie passiert. Um Entscheidungen zu treffen, müssen die wichtigsten Aspekte eines Prozesses erfasst werden. Deshalb enthalten intelligente, multivariable Sensoren prozessspezifische Algorithmen für die Zustandsüberwachung und Leistungsoptimierung, wie zum Beispiel die Schwingungsanalyse oder Erkennung der Betriebsart.

    Bild: Gefran

  • Michael Schimanowski, Geschäftsführer, Ifm solutions: Wer heute noch „normale“ Sensoren für neue Anwendungen einplant, setzt auf veraltete Technologie und verschenkt ganz sicher Potentiale. Die Kosten für die Erfassung zusätzlicher Parameter durch smarte Sensoren sind gering. Wir bei ifm statten schon seit Jahren alle neuen Sensoren mit einer IO-Link-Schnittstelle aus. Die Übertragung der zusätzlichen Messwerte ist also standardmäßig vorgesehen. Die Hürden bestehen heute eher noch auf Seiten der übergelagerten Systeme, die daraus Informationen machen, auf deren Basis etwa Entscheidungen im Bereich Wartung und Service getroffen werden. Hier sind einfache, modulare und skalierbare Lösungen gefragt, wie wir sie mit unserer IIoT-Plattform moneo anbieten. Solche Lösungen lassen sich übrigens auch nach der Inbetriebnahme einer Maschine oder Anlage nachrüsten – vorausgesetzt es gibt smarte Sensoren.

    Bild: ifm

  • Ulrich Balbach, Geschäftsführer, Leuze: Grundsätzlich wählt ein Maschinenbauer sicher genau den Sensor mit den entsprechenden Funktionalitäten aus, die er für seine spezifische Applikation in seiner Maschine oder Anlage benötigt. Alles andere wäre nicht effizient, auch im Hinblick auf sein Preis-Leistungsverhältnis. Viele Zusatzfunktionen sind frei hinzuwählbar, aber kein notwendiges Muss. Sie sind in die Elektronik des Sensors integriert und können jederzeit aktiviert werden – oder eben auch nicht. Entscheidend ist immer, dass möglichst bereits bei der Auswahl des Sensors bekannt ist, welche Anforderungen in der jeweiligen Applikation erfüllt werden müssen. Wichtig ist letztendlich, dass dann dieser Sensor seine Funktion erfüllt, die Performance sachgerecht eingesetzt und nicht überpowered ist.

    Bild: Leuze, STEFAN HOHLOCH

  • Sebastian Schröer, Leiter Produktmanagement Sensorik, SensoPart Industriesensorik: Mit dem flächendeckenden und standardisierten Einzug von IO-Link in mitunter „einfache“ I/O-Sensorik und der damit verbundenen Möglichkeit der bilateralen Kommunikation, ist der Begriff „smart“ heutzutage in aller Munde. Immer mehr Funktionen, die in der Vergangenheit von der Steuerung oder zusätzlichen Komponenten übernommen wurden, wandern heute in den Sensor. Dies geschieht entgegen der Annahme häufig kostenneutral und wird so für viele potenzielle Anwender immer interessanter. Das Feedback vom Markt zeigt allerdings, dass sich der Wandel zwar stetig, aber sehr latent gestaltet. Einige First Mover haben die weitreichenden Möglichkeiten, die die zusätzlichen Informationen für ihre eigenen Produkte mit sich bringen, erkannt und investieren in diese Technologien. Das gesamte Potenzial ist aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Wir bei SensoPart arbeiten täglich daran gewinnbringende Intelligenz in unsere Sensoren zu implementieren und ich kann Ihnen sagen, dass einige unserer Ideen tatsächlich „smart“ sind

    Bild: Sensopart

  • Oliver Marks, Leiter Geschäftsbereich Automation Products, Turck: Signalqualität, Gerätetemperatur, Maximalwertspeicher – fast jeder moderne, digitale Sensor bietet heute Identifikations- und Zustandsinformationen, meist mit IO-Link. So erleichtern die smarten Sensoren nicht nur die Inbetriebnahme, auch virtuell, sondern auch Maschinenüberwachung, den digitalen Zwilling oder einen Gerätetausch mit automatisierter Nachbestellung über das ERP. Eine intelligente Datenvorverarbeitung am Sensor oder im I/O-Modul verschlankt den Datenstrom, die Kommunikation über Standards wie OPC UA, MQTT oder Modbus TCP macht die Nutzung in IT-Systemen heute zum neuen „Normal“ in Maschinen und Anlagen, sodass sich die Investition in smarte Sensoren unmittelbar lohnt. Dank parallelen Zugriffs auf Nutz- und Diagnosedaten können smarte Sensoren Mehrwert generieren, ohne die bestehende Automatisierung zu stören.

    Bild: Turck

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