Jedes vierte mittelständische Unternehmen in Deutschland erwägt, nach dem Ausscheiden der aktuellen Seniorengeneration in naher oder fernerer Zukunft zu schließen. Unter den Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihren Rückzug aus der Firma bis Ende 2029 planen, streben 569.000 keine Fortführung des Unternehmens an. Das entspricht jährlich rund 114.000 Geschäftsaufgaben. Demgegenüber stehen 545.000 mittelständische Unternehmen, die bis Ende 2029 eine Nachfolgeregelung finden wollen, was gut 109.000 Unternehmen pro Jahr entspricht. Erstmals gibt es damit einen kleinen Überhang von Unternehmen, die eine Stilllegung planen.
Immer mehr Betriebe planen die Schließung
Dies geht aus einer aktuellen Sonderauswertung im Rahmen des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels hervor, das zwischen Mitte Februar und Mitte Juni 2025 erhoben wurde. An der Befragung beteiligten sich mehr als 13.000 mittelständische Unternehmen. Als Hauptgrund für ihre Schließungspläne geben Unternehmenslenkerinnen und -lenker ihr Alter an. Im Jahr 2025 waren 57 Prozent der mittelständischen Unternehmerschaft 55 Jahre oder älter, was einem Anstieg von drei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Vor 20 Jahren waren es lediglich 20 Prozent. Viele Unternehmer:innen empfinden die Suche nach einem passenden Nachfolger bzw. einer passenden Nachfolgerin als sehr schwierig.
47 Prozent der Befragten mit Stilllegungsplänen erklären, dass es in ihrer Familie kein Interesse an einer Fortführung, etwa durch die Kinder, gebe. 42 Prozent nennen zu viel Bürokratie als Grund für ihre Schließungspläne – das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und so viele wie nie. Bei einer Nachfolge sind viele juristische Fragen zu klären und steuerliche Aspekte sowie Informations- und Meldepflichten zu beachten.
„Deutschlands Wirtschaft kämpft um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die mittelständischen Unternehmen sind bekanntermaßen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Es ist essenziell, das Fortbestehen möglichst vieler mittelständischer Unternehmen zu sichern. Wir brauchen daher nachhaltig mehr Gründungsbereitschaft in Deutschland. Der Bürokratieabbau ist ein Baustein, der zu mehr Gründungen führen kann“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Es ist erwiesen, dass Firmenlenker, die bereits einen Nachfolger gefunden haben, wieder stärker in ihre Unternehmen investieren. Die Lösung der Nachfolgeproblematik ist daher auch entscheidend, um die Investitionen im Mittelstand anzukurbeln.“
Bürokratie und fehlende Erben treiben Schließungspläne voran
Ein schwieriger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge ist die Einigung auf einen für alle Beteiligten akzeptablen Kaufpreis. Erstmals seit 2019 hat KfW Research wieder erhoben, welche Kaufpreisvorstellungen mittelständische Unternehmenslenker haben. Diese sind seit 2019 merklich gestiegen. Unternehmer, die innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Nachfolgeregelung anstreben, möchten im Durchschnitt 499.000 Euro erzielen. Vor sechs Jahren waren es noch 372.000 Euro. Die Erhöhung der Kaufpreisvorstellungen liegt damit deutlich über der Inflation in diesem Zeitraum; preisbereinigt liegt das Plus bei 9,5 Prozent. Im Durchschnitt streben die Nachfolgeplaner einen Kaufpreis an, der das 1,2-fache ihres Jahresumsatzes beträgt.
Vor sechs Jahren wollten nur 18 Prozent der Mittelständler einen Kaufpreis von mehr als einer Million Euro erzielen, während es nun 27 Prozent sind. Dagegen wollen sich nur noch fünf Prozent der Unternehmer mit weniger als 50.000 Euro zufriedengeben; 2019 waren es noch 18 Prozent. Im Median planen die Unternehmensführer, 375.000 Euro einzunehmen, das heißt, die Hälfte der Unternehmer liegt mit ihren Vorstellungen jeweils darunter oder darüber. 2019 waren es noch 175.000 Euro.