Interview: „Kontakt in Sekunden“

Snap In – der Turbo für den Aufbau komplexer Installationen

Weidmüller GmbH & Co. KG

René Arntzen, Head of Product Management Device Connectivity bei Weidmüller, sagt: „Snap In ist die ideale Lösung für eine robotergestützte Verdrahtung, da der Prozess im Gegensatz zu Push In nahezu kraftlos erfolgt.“

Bild: Weidmüller
23.06.2026

Crimpen, Schrauben, Prüfen, Nacharbeiten: Was im Gerätebau jahrzehntelang Routine war, wird in automatisierten Fertigungsumgebungen zunehmend zum Engpass. Herr René Arntzen, Head of Product Management Device Connectivity bei Weidmüller, spricht mit dem E&E-Magazin darüber, warum Snap In, Single Pair Ethernet (SPE) und Engineering-Services den Geräteanschluss neu definieren.

Warum rückt die Geräteanschlusstechnik heute stärker in den strategischen Fokus der Elektronikentwicklung?

Die Anschlusstechnik ist weit mehr als nur ein „C-Teil“; sie fungiert als die zentrale Schnittstelle zwischen dem Geräteentwickler und seinen Kunden. Da sie den ersten physischen Berührungspunkt bei der Installation darstellt, ist sie maßgeblich für die Haptik, die wahrgenommene Qualität und die Funktionalität des gesamten Geräts verantwortlich. In der heutigen Zeit, in der der Zeit- und Kostendruck bei der Verdrahtung massiv zunimmt, wird eine effiziente und intuitiv bedienbare Anschlusstechnik zu einem entscheidenden strategischen Wettbewerbsvorteil, der die Installationszeiten beim Endanwender drastisch reduziert.

Welche Grenzen zeigen etablierte Schraub- und Federzuganschlüsse in modernen Fertigungsumgebungen auf?

Klassische Schraubanschlüsse sind nicht wartungsfrei, da sich der Leiter mit der Zeit setzen kann, was theoretisch ein regelmäßiges Nachziehen der Schrauben erfordert, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zudem benötigen sie mehr Bauraum für den Werkzeugzugang und erfordern oft einen zusätzlichen Berührschutz, da die metallischen Schraubköpfe offen liegen. Bei herkömmlichen Federanschlusstechniken wie Push In stößt man oft an Grenzen, wenn flexible Leiter verwendet werden; diese müssen häufig erst durch das Aufcrimpen von Aderendhülsen vorbereitet werden, um sie wie einen starren Leiter in die Klemmstelle stecken zu können, was einen zusätzlichen Arbeitsschritt bedeutet.

Was ist der entscheidende technische Vorteil der Snap-In-Technologie für den Anwender?

Der größte Fortschritt liegt im sogenannten „Wire Ready“-Konzept: Die Klemmstelle wird bereits vorgespannt und geöffnet ausgeliefert. Der Installateur muss den Leiter lediglich abisolieren und einführen; ein deutlich hörbarer „Klick“ signalisiert sofort die sichere und dauerhafte Verbindung. Dieses direkte optische, akustische und haptische Feedback macht das bisher übliche und zeitintensive manuelle Kontrollieren durch Ziehen am Leiter („Zupfen“) überflüssig, wodurch die Montage nicht nur schneller, sondern auch weitaus zuverlässiger wird.

Wie wirkt sich dieses Anschlusskonzept auf die Prozesssicherheit im Betrieb aus?

Snap In garantiert die gleiche hohe Performance in Bezug auf Schock- und Vibrationsfestigkeit wie die bewährte Push-In-Technik, eliminiert aber den „Faktor Mensch“ bei der Installation. Da kein definiertes Drehmoment und kein Spezialwerkzeug erforderlich sind, werden Fehler wie zu lose oder zu fest angezogene Verbindungen – die oft von der Tagesform des Monteurs abhängen – konsequent vermieden. Die konstante Federkraft sorgt zudem dafür, dass kein Setzverhalten auftritt, was die gesamte Verbindung über den gesamten Lebenszyklus des Geräts hinweg wartungsfrei macht.

Inwieweit lässt sich die Snap-In-Technologie automatisieren?

Snap In ist die ideale Lösung für eine robotergestützte Verdrahtung, da der Prozess im Gegensatz zu Push In nahezu kraftlos erfolgt. Ein Roboter muss keine Federkraft mehr aktiv überwinden, da die Klemmstelle bereits offen ist; er führt den Leiter einfach ein, bis diese zuschnappt. Dies ermöglicht nicht nur eine extrem hohe Wiederholgenauigkeit ohne Ermüdungserscheinungen, sondern erlaubt auch einen effizienten Rund-um-die-Uhr-Betrieb in der Fertigung, was den gesamten Produktionsprozess für den Gerätehersteller deutlich wirtschaftlicher gestaltet.

Welche Rolle spielt Single Pair Ethernet (SPE) in diesem Zusammenhang?

SPE ist ein technologischer Meilenstein, da hier erstmals eine Kommunikationsinfrastruktur explizit für die rauen Anforderungen der Industrie und nicht für das Büroumfeld entwickelt wurde. Es ist weitaus industrierobuster und kompakter als herkömmliche RJ45-Lösungen und spart durch die Reduzierung auf nur zwei Adern massiv an Material und Platz ein. Dank der nun vorliegenden harmonisierten Standards steht die SPE-Technologie an der Schwelle zur breiten Anwendung, wobei Snap In hier die perfekte Ergänzung bietet, um diese Kommunikation einfach und schnell in die Feldebene zu bringen.

Neben der Hardware gewinnen digitale Tools und Engineering-Services an Bedeutung. Wie unterstützen PCB Connector Services Entwickler konkret im Design-in-Prozess?

Digitale Tools wie der Connector Guide unterstützen Entwickler, indem sie jahrzehntelanges Anwendungs-Know-how in präzise Produktempfehlungen für spezifische Einbausituationen übersetzen. Der Service umfasst zudem die Bereitstellung von EDA-Daten und 3D-Modellen sowie einen Konfigurator zur Individualisierung. Ein weltweiter 72-Stunden-Musterservice ermöglicht schnelles Prototyping, während Kalkulatoren wie der TCO Calculator die wirtschaftlichen Vorteile von Snap In belegen.

Welchen Ausblick geben Sie für die Zukunft der Verbindungstechnik?

Snap In ist als der neue Standard für die kommenden Jahrzehnte konzipiert, da die Technologie in puncto Schnelligkeit und Sicherheit kaum noch Spielraum für weitere Steigerungen lässt. Die strategische Entwicklung zielt nun darauf ab, Snap In in immer größere Anschlussquerschnitte und verstärkt in den Bereich der Leistungselektronik zu überführen. Hier werden künftig auch integrierte Funktionen wie spezielle Schirmauflagen eine wichtige Rolle spielen, um die EMV-Sicherheit bei leistungsstarken, getakteten Systemen direkt am Anschlusspunkt zu erhöhen.

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